Buchvorstellung „Zwischen Kommen und Bleiben“ in der Nadelfabrik

Von: Rolf Hohl
Letzte Aktualisierung:
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André Biakowski, Autor und Mitherausgeber Ye-One Rhie, Ratsfrau in Aachen Karl Schultheis, MdL Vera Sous, Künstlerin aus Aachen Michael Witte, Sänger Moderation: Karl Schultheis MdL

Aachen. Was sagt das über eine Gesellschaft aus, wenn man den Begriff „Gutmensch“ als Beleidigung verstehen muss? Das ist eine von vielen Fragen, die im Buch „Zwischen Kommen und Bleiben“ von den Herausgebern André Biakowski, Martin Halotta und Thilo Schöne behandelt wird.

Entstanden ist eine unbequeme Lektüre für Leute, die sich nicht in ihren Einstellungen einkuscheln und zurücklehnen möchten, sondern sich kritisch mit der eigenen Haltung auseinandersetzen. Am Samstagabend wurde das Buch in der Nadelfabrik im Aachener Ostviertel vorgestellt.

Insgesamt 48 Autoren haben Beiträge zu dem Werk beigesteuert – Künstler, Wissenschaftler, Politiker und Betroffene. Und trotz dieser großen Bandbreite, darauf legte Mitherausgeber Halotta wert, könne dieses Thema niemals erschöpfend behandelt werden. „Das Buch hat keine Lösungen für alles bereit, aber es bietet Informationen und damit die Grundlage für die öffentliche Diskussion.“

Vom Beobachter zum Helfer

Die Autoren bewegen sich dazu aber nicht alleine auf der Sachebene, sondern verweben fast immer ihre persönliche Geschichte mit den Auswirkungen der Fluchtbewegungen nach Europa. Etwa Marek Heindorff, der 1989 selbst mit seiner Mutter über die ungarische Grenze aus der DDR nach Österreich geflohen war, greift das Schicksal von Aylan Kurdi auf. Dieser ertrank beim Versuch, mit seiner Familie in einem seeuntauglichen Boot die Ägäis zu überqueren und wurde tot an den Strand der türkischen Stadt Bodrum gespült. Das Bild des toten Jungen ging um die Welt – und trat so auch in das Leben von Heindorff.

Das sei der Moment gewesen, an dem er beschlossen habe, es nicht nur bei der Betroffenheit zu belassen, sondern auch als Helfer aktiv zu werden. Viele seiner Schilderungen berichten aus dieser Zeit und den Fragen, die er sich zu stellen begann. Ist es nicht heuchlerisch, über den Tod eines Kindes zu trauern, während tausende andere im selben Meer ertrinken? Kann man sich allein mit dem Nachrichtenstrom, der auf den Smartphone-Bildschirm kommt, eine eigene Meinung bilden? Und muss man sich wirklich zu allem äußern, von dem man glaubt, eine Ahnung zu haben?

„Viele zeigten im Schutz der Anonymität der sozialen Medien ihre wahren Gesichter, ihre Fratzen“, sagte Heindorff. Und so habe es auch nicht lange gedauert, bis auf die Worte Taten folgten und Flüchtlingsunterkünfte brannten. Auch in der anschließenden Diskussionsrunde ging es weniger um die Integration der neu angekommenen Menschen, sondern um die Reaktionen darauf.

Um die Tatsache, dass sich viele Flüchtlingsgegner ausgerechnet gegen jene Grundrechte richten, deren Anerkennung sie von diesen so vehement fordern. „Die Menschen kommen und bleiben gerade wegen dieser Werte und der Möglichkeit, hier ein Leben in Freiheit und Würde führen zu können“, sagte SPD-Ratsfrau Ye-One Rhie. Ihre Eltern, die zur Zeit der Militärdiktatur aus Südkorea geflohen waren, hätten schließlich dasselbe getan.

Begleitet wurde die Vorstellung des Buches, das von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegeben wird, von einem Auftritt des Musikers und Komponisten Michael Witte sowie einer Tanzperformance von Yulia Tokareva und Alexander Bondarev. Das Buch ist ab sofort unter der ISBN 978-3-95861-552-6 erhältlich.

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