Buch schärft Blick für Architektur

Von: Kathrin Albrecht
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Richten den Blick auf ein bemerkenswertes Kapitel der Architektur: Walter Vennen (von links), Michael Prömpeler, Ariane Wilson, Axel Sowa stellen das neue Buch „Aachen nach 1945“ vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Zweite Weltkrieg hat in vielen deutschen Städten sichtbare Spuren hinterlassen. Auch Aachen war zum Kriegsende zu zwei Dritteln zerstört. Wie in anderen Städten stellte sich die Frage, wie die Stadt wieder aufgebaut werden sollte.

Das Buch „Aachen nach 1945“ macht die Aufbauarbeiten und die stadtplanerischen Debatten von damals wieder sichtbar. Entstanden ist das 187-seitige Buch, das im Verlag der Freunde des Reiff Aachen erschienen ist und das die Herausgeber Axel Sowa, Ariane Wilson und Michael Prömpeler nun in der Buchhandlung Schmetz am Dom vorstellten, aus einer Jahresarbeit von Architekturstudierenden an der RWTH Aachen.

Anstelle eines abstrakten Beispiels zur Architektur der Nachkriegszeit wurde das Naheliegende gewählt. Die Beschäftigung mit dieser Thematik sei dabei nicht ganz einfach, so Axel Sowa, Professur für Architekturtheorie und Leiter des Projektes. Bestimmte Themen, wie beispielsweise die Tatsache, dass viele Architekten der Nachkriegszeit, die die deutschen Städte wieder aufbauten, aus dem Umkreis von Albert Speer kamen, seien nach wie vor heikel und fänden erst langsam den Weg in die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Noch dazu genoss und genießt die Architektur der „Wiederaufbauzeit“ nicht das beste Ansehen.

Von einer „zweiten Zerstörung der Städte“ ist in der Fachliteratur in diesem Zusammenhang oft die Rede. Anhand von 16 Leitfragen erarbeiteten die Studierenden die Situation in Aachen. Wie sahen die Wiederaufbaupläne aus? Welche Materialien wurden verwendet? Wie entwickelte sich der Straßenbau? In sechs Monaten trugen sie das Material zusammen, recherchierten in Archiven und befragten Zeitzeugen.

Ausstellung als Basis

Ende 2011 machten sie das Thema im Rahmen einer Ausstellung in der Stadtbibliothek zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich. Diese Ausstellung besuchte auch Michael Prömpeler, der regelmäßig Museums- und Stadtführungen anbietet. Er erkannte das Potenzial, aus der Ausstellung ein Buch zu machen. Obwohl das Buch aus einem wissenschaftlichen Umfeld kommt, ist es verständlich geschrieben. Und besonders die Fotoaufnahmen machen das Buch interessant, weiß auch Buchhändler Walter Vennen: „Gerade historisches Bildmaterial ist gefragt. Die Menschen interessieren sich sehr dafür, wie Aachen früher einmal ausgesehen hat.“

Prömpeler hofft, den Aachenern damit einen neuen Blick auf ihre Stadt zu eröffnen und auch das eine oder andere „modernere“ Juwel ihrer Stadt zu entdecken. Denn auch der Denkmalschutz beginne langsam, die Bauten der 50er Jahre neu zu bewerten. Und Ariane Wilson, Mitherausgeberin des Buches, ergänzt: „Viele Debatten, die in den 50er Jahren geführt worden, sind heute noch aktuell, wie beispielsweise der Straßenausbau oder der Erhalt der Kirchen.“ Wilson, die vor sechs Jahren aus Paris nach Aachen kam, ist zum Fan der 50er-Jahre-Architektur der Stadt geworden. „Wenn ich Besuch bekomme, zeige ich bei einer Stadtführung immer zuerst Gebäude aus dieser Zeit“, meint sie lächelnd.

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