Buch beleuchtet Wirtschaft der Region

Von: Kristina Toussaint
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„Unternehmer in der Region Aachen“: Dr. Ulrich S. Soénius (stellvertretender Hauptgeschäftsführer IHK Köln), Michael Bayer (Hauptgeschäftsführer IHK Aachen), Prof. Dr. Otto Eschweiler (ehemaliger Hauptgeschäftsführer IHK Aachen) und Dr. Dirk Paßmann (Verlagsleiter Aschendorff Verlag, v.l.) stellten den neuesten Band der Buchreihe vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit der Reihe „Rheinisch-Westfälische Wirtschafts-Biographien“ würdigt der Aschendorff-Verlag mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer Unternehmer aus allen denkbaren Branchen und Regionen. Seit langem wünschte sich Co-Herausgeber Ulrich S. Soénius eine Ausgabe über die „Keimzelle der Industrialisierung“.

Anfang Oktober erschien er nun endlich, der 19. Band, der die Lebensgeschichten von neun wegweisenden Unternehmern aus der Region erzählt. „Ohne Aachen wäre das Ruhrgebiet gar nicht vorstellbar“, macht Soénius deutlich und betont damit die große Bedeutung der Region für den Fortschritt der Industrialisierung in Deutschland und ganz Westeuropa. Das 235 Seiten starke Werk umfasst die Biografien von bedeutenden Unternehmern aus drei Jahrhunderten – die bisher größte zeitliche Bandbreite der seit 1932 in der Reihe erscheinenden Bände.

Und noch etwas ist revolutionär: Bergbauunternehmerin Christine Englerth ist die erste Frau, die in der Buchreihe porträtiert wird. Frauen wurde in den vorigen Lebensgeschichten allein eine Rolle zuteil: die der Unternehmergattin.

Dass wirtschafts- und regionsinteressierte Leser erst jetzt in die Welt von Industriellen wie Wilhelm Peters oder Franz Wirtz eintauchen können, liegt ganz besonders am Quellenproblem, dem die Herausgeber gegenüberstanden. Vor allem durch die Auswirkungen des Krieges ist viel Material verloren gegangen. Soénius hofft auf einen „Impuls für eine stärkere Beschäftigung mit den Aachener Unternehmern“. Vielleicht fühlten sich ja sogar einige Leser dazu angeregt, sich im Familienfundus auf die Suche nach Originaldokumenten zu machen.

Die zehn Autoren, die an diesem 19. Band beteiligt waren, haben es dennoch geschafft, ein spannendes Bild der regionalen Unternehmerlandschaft zu zeichnen. Dem Leser wird schnell klar, welche Rolle die Industrie für die Gestaltung der Region gespielt hat. Neben dem Überblick über Maschinenbau, Nachrichtenwesen und Textil- und Chemieindustrie erlauben die Biografien auch einen Blick auf das Aachener Bürgertum, das sich im 19. Jahrhundert entwickelte und das regionale Selbstbewusstsein prägte.

Einer der Biografen ist Otto Eschweiler, selbst ehemaliger Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. In dieser Position mit der Bedeutung der Euregio vertraut geworden, reizte ihn die Lebensgeschichte des Tuchfabrikanten Johann Arnold von Clermont. Die evangelische Familie Clermont hatte es während der Aachener Religionsunruhen nach Vaals verschlagen. Von der dortigen Tuchfabrik belieferte Johann Arnold die Kardinäle in Rom und den Zarenhof in St. Petersburg mit Tuch.

Neben der Einführung innovativer Produktionsmethoden engagierte er sich politisch, förderte Kunst und Kultur, betätigte sich als Bauherr in Vaals und war Vater von 16 Kindern. „Sein grenzüberschreitender Bezug war zukunftsweisend für die Region“, so Eschweiler.

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