Brutale Tritte: Dreieinhalb Jahre Haft für Studenten

Von: Wolfgang Schumacher
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faris N.
Brutale Prügelei unter Studenten: Faris N. (3. von links) wurde vor dem Aachener Schwurgericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Brutale Tritte gegen den Kopf des Opfers waren es zweifellos, wie Richter Arno Bormann, der Vorsitzende Richter des Aachener Schwurgerichts, in der Urteilsbegründung feststellte. Allerdings: Der 26-jährige Angeklagte Frais N. aus Saudi-Arabien habe vorher einiges einstecken müssen.

So begründete Bormann die Auffassung des Gerichts, wonach die Tat nicht als versuchter Totschlag zu werten sei.

Denn angefangen mit der Prügelei hatte sein Kontrahent, wie eine Videoaufnahme unstrittig bewiesen hatte. Doch: „Ein Nasenbeinbruch, eine Gehirnerschütterung und ein Kieferbruch“ seien zweifellos keine Lappalie. Die Tat in der Nacht des vom 30. auf den 31. Januar wurde schließlich mit dreieinhalb Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung geahndet.

Die Kammer folgte damit nicht dem Antrag von Oberstaatsanwalt Alexander Geimer, der sechs Jahre Haft wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gefordert hatte. Auch die Staatsanwaltschaft geht allerdings von der verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten zum Zeitpunkt des Geschehenes aus, weil - wie so oft in Aachens Kneipenmeile Pontstraße - zu viel Alkohol im Spiel war. Der Wert bei dem ansonsten nie aufgefallenen und nicht vorbestraften Angeklagten lag bei rund 2,4 Promille.

Das Gericht bewertete denn auch ausdrücklich den Gesamtzusammenhang, aus dem heraus die nächtliche Auseinandersetzung entstanden war. Faris N. galt als braver Student. An diesem Tag musste er eine entscheidende Klausur an der Uni in Maastricht schreiben, wo er studierte.

Er setzte sie in den Teich, wie sich hinterher herausstellte. An dem Abend habe er ein ungutes Gefühl gehabt, dann hatte er Streit mit seiner Freundin und der Alkohol floss in Strömen - so skizzierte der Richter die Rahmenbedingungen.

Vor der Frittenbude traf N. auf einen Freund, der ihn ansonsten des öfteren heruntergemacht und gehänselt habe, wie auch das Gericht feststellte. Dieses Mal, spät in der Nacht, war es wieder soweit. Faris N. musste sich allerlei von dem anderen anhören.

Die beiden gerieten in Streit und der Kontrahent schlug schließlich als erster zu. Daraufhin sei N. am Ende völlig ausgerastet. In seiner Raserei habe er schließlich tatsächlich auf den Kopf des am Boden liegenden Freundes „mehrfach“, so das Gericht, eingetreten.

Die Zeugenaussagen hatten nicht genau aufklären können, wie viele Tritte es genau waren. Ebenso sei nicht den Polizeiaussagen zu folgen gewesen, die besagten, erst ein Polizist habe den Wütenden von dem Opfer getrennt. Das habe er von selber getan. Man könne also auch einen Rücktritt von einer möglichen Tötungsabsicht annehmen, erklärte der Vorsitzende.

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