Brüder sollen Minderjährige zur Prostitution gezwungen haben

Von: Wolfgang Schumacher
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Rumänien Brüder
Das Brüderpaar aus Rumänien soll gemeinschaftlich drei Frauen aus Rumänien zur Prostitution gezwungen habenl. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Vor dem Aachener Landgericht hat am Dienstag ein Strafprozess wegen des Vorwurfs schweren Menschenhandels und Förderung der Prostitution begonnen. Angeklagt ist ein Brüderpaar aus Rumänien, das laut Staatsanwaltschaft zwischen September 2012 und April 2013 gemeinsam drei Frauen aus Rumänien zur Prostitution gezwungen und zum Teil mit Schlägen und Tritten gefügig gemacht haben soll.

Die Mädchen mussten sowohl in der Aachener Antoniusstraße wie auch in Bordellen in Bochum und Oberhausen arbeiten, unter ihnen befand sich eine Minderjährige.

Das Brüderpaar Nine und Valentin S. (33/38) wurde Anfang April dieses Jahres in einer Wohnung in der Stolberger Straße festgenommen. Dort sollen sie die jungen Frauen gefangen gehalten haben, indem sie ihnen ihre Ausweispapiere wegnahmen. Die Wohnung im Aachens Ostviertel sei von einer guten Freundin angemietet, erklärte der Angeklagte Nine S. zu den Vorwürfen, wogegen sein Bruder Valentin S. bislang schwieg.

Dort in der Wohnung aber hätte er nur auf seinen Geschäftsreisen Station gemacht, sagte er. Denn seit Jahren sei er im Autohandel tätig und habe deswegen sogar drei Jahre lang eine eigene Wohnung am Adalbertsteinweg gehabt. Den Vorwurf, die Mädchen nach Deutschland gebracht und zur Prostitution gezwungen zu haben, wies der Angeklagte entschieden zurück.

Im Gegenteil: Er führe in seiner Heimatstadt nicht weit von Bukarest sowohl einen landwirtschaftlichen Betrieb wie auch ein Lebensmittelgeschäft und ein Restaurant. Die Betriebe befänden sich alle in seinem Haus, das er und seine Familie bewohne. Sein Verteidiger Norbert Hack hatte vor der Einlassung eine Erklärung zu seinem Werdegang seines Mandanten abgegeben. Der Händler und Restaurantbesitzer habe als Bildungsabschluss das Abitur gemacht, hieß es darin.

In der Wohnung in der Stolberger Straße habe er nur deswegen seit dem 6. März dieses Jahres gewohnt, weil sein Lastwagen mit einer Fuhre Taubenfutter, das er in den Niederlanden gekauft habe, kaputt gegangen sei. Da habe er bei der Wohnungsmieterin, die eine gute Freundin von ihm sei, eine Unterkunft gefunden. Das jedenfalls wollte Oberstaatsanwältin Jutta Breuer ganz genau wissen, da die Polizei ihn und besagte Frau bei der Festnahme in einem Bett vorgefunden hätte.

Doch er blieb dabei: Die Wohnungsinhaberin sei nur eine „gute Freundin“.

Als er damals am 9. April festgenommen wurde, befanden sich eine Vielzahl von Personen dort, darunter auch Mädchen, die in verschiedenen Bordellen anschaffen gingen. Jene Frauen habe er allerdings nur flüchtig gekannt. Auch die Hauptbelastungszeugin, eine 25-jährige Rumänin, kenne er nicht, sagte er vor der Vorsitzenden der 1. Großen Strafkammer, Richterin Regina Böhme.

Die 25-Jährige, so beharrte der Angeklagte, kenne ihn nicht und er sie nicht. So wird das auf 19 Verhandlungstage angelegte Verfahren entweder seine Schuld erhärten - oder das Brüderpaar wird möglicherweise freigesprochen.

Der Prozess geht am Donnerstag, 30. Oktober, weiter.

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