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Brückenschlag von Burtscheid zur Bahn

Von: Oliver Schmetz
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Fällt der Blick von der Burts
Fällt der Blick von der Burtscheider Brücke bald auf eine neue Brücke? Über Grundstücke an der Kasinostraße (rechts) will die Stadt über die Gleise hinweg einen neuen Zugang zum Hauptbahnhof bauen. Foto: Robert Esser

Aachen. Die Idee ist uralt und in den vergangenen Jahrzehnten bereits etliche Male begraben worden. Doch jetzt erlebt die Diskussion um einen zweiten Zugang zum Hauptbahnhof von der Burtscheider Seite aus nicht nur eine Wiedergeburt, sondern erfährt eine völlig neue Dynamik.

„Unter Volldampf” werde man nun prüfen, ob und wie ein Brückenschlag von städtischen Grundstücken an der Kasinostraße über die Gleise hinweg auf die Bahnsteige machbar ist, erklärt Planungsdezernentin Gisela Nacken. Spätestens bis Ende Mai will die Verwaltung konkrete Zahlen auf den Tisch legen über die Kosten des Brückenbaus und über die Möglichkeit, Fördermittel dafür zu erhalten.

Im Schnellzug-Tempo

Das Schnellzug-Tempo gibt - passenderweise - der ICE vor, der ab 2013 von Frankfurt über Köln nach London rauschen soll. Hält er auch in Aachen oder nicht? Diese Frage bewegt seit Wochen die Gemüter in der Region. Nötig wären dann umfangreiche Umbauten an Gleis.9, wo der Express nach England halten würde. Denn die Sicherheitsbedingungen für den schienengeführten Trip auf die Insel gleichen dem Check-in auf Flughäfen. Der Bahnsteig muss von den anderen abgetrennt werden, sichere Kontroll- und Wartebereiche müssen gebaut werden. Das kostet viel Geld - und zwar die Stadt. Denn die Bahn verlangt aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eines ICE-Halts in Aachen einen städtischen Beitrag.

Und da kommt die alte Idee einer Anbindung von Burtscheid aus ins Spiel, weil sich so wohl Fördertöpfe anzapfen lassen. Und die Zuschüsse könnten eventuell auch in den Umbau für den ICE-Halt fließen. „Es besteht die Chance, zum Beispiel die Trennung der Gleise mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren”, sagt Nacken.

Was das Ganze inklusive Brücke die Stadt kosten wird, ist noch unklar. Doch schon in den nächsten Wochen soll das ermittelt werden. Die Politik signalisierte im Planungsausschuss einhellige Zustimmung. Den zweiten Zugang zum Bahnhof wollen alle, den ICE-Halt auch. Zumal die ICE-Züge auf dem Weg nach London wohl auch in den kommenden Jahren aus technischen Gründen ohnehin in Aachen stoppen müssen - nämlich um aufs belgische Stromsystem „umzuschalten”.

Und der Gedanke, dass der Zug hält, aber niemand ein- und aussteigen kann, kommt nicht nur CDU-Fraktionschef Harald Baal wie ein „Treppenwitz” vor. Da der „England-Express” sogar für den rein technischen Stopp ein gesichertes Gleis benötige, sieht der Vorsitzende des Planungsausschusses in Sachen Finanzen noch Verhandlungsspielraum: „Dass der ICE eh hält, ist für die Verteilung der Gewichte zwischen Stadt und Bahn nicht unwesentlich.”

Auch darüber verhandeln Bahn und Stadt intensiv. Am Donnerstag lief die dritte Runde, weitere Gespräche stehen nach Ostern an. Und neben dem Tempo scheint auch die Richtung zu stimmen. Als „sehr konstruktiv” bezeichnet der Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), Hans- Joachim Sistenich, die Verhandlungen. „Da sind wir bereits ein gutes Stück weiter als noch vor drei Wochen.”
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