Aachen - Brücke nach Ningbo ist stabiler denn je

Brücke nach Ningbo ist stabiler denn je

Von: Matthias Hinrichs
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Impulsgeber der ersten Stunde: Herbert Prömper lenkt die Geschicke der Partnerschaft zwischen Aachen und Ningbo bereits seit drei Jahrzehnten maßgeblich mit. Im Chinahaus an der Reumonstraße bündelt er ungezählte Austauschaktivitäten auf vielen Ebenen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dieses eine Mal nur hat Herbert Prömper einem charmanten Chinesen einen Korb gegeben. Bei einem seiner inzwischen 23 Besuche in Fernost sprach ihn ein unbekannter Herr auf der Straße an, mitten in der 6,5-Millionen-Metropole Ningbo, einfach so.

„Er sagte: Guten Abend, Herr Prömper! Es freut mich sehr, Sie kennenzulernen“, erzählt der ehemalige Vorstandvorsitzende der Aachener Bank. „Wir kamen ein wenig ins Gespräch, er wollte mich gleich zum Essen einladen. Eigentlich unglaublich, aber wahr.“

Prömper musste dem guten Mann die Bitte abschlagen. War er doch mal wieder unterwegs zu einem seiner ungezählten „Meetings“ zwecks weiterer Intensivierung der Zusammenarbeit mit der pulsierenden Partnerstadt am Pazifik.

700 Austauschprojekte bislang

So klein kann die Welt sein, wenn das Engagement in Sachen (Völker-)Freundschaft groß ist. Mittlerweile ist das Gesicht des umtriebigen Pensionärs eben ziemlich bekannt im riesigen Mündungsdelta des Jangtsekiang, fast 10.000 Kilometer entfernt von Wurm und Pau. Schließlich sorgt Prömper seit gut drei Jahrzehnten dafür, dass der Austausch zwischen fernem Osten und tiefem Westen beileibe nicht nur auf dem Papier steht.

Apropos: Fast 50 eng beschriebene Seiten zeugen von der Fülle der rund 700 Projekte und Austauschaktionen, die der Mann in den vergangenen drei Jahrzehnten an maßgeblicher Stelle organisiert hat. Wenn die Partnerschaft Aachen-Ningbo am 25. Oktober ihr 30-jähriges Bestehen feiert, wäre Prömper also allemal der rechte Kandidat, die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen auszupusten. Anno 1988 hob er auch den Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft aus der Taufe, seit 1994 ist er dessen Vorsitzender. Bereits 1996 wurde er zum Ehrenbürger der chinesischen Partnerstadt ernannt, 2010 mit dem „Award for the Contributions to Peoples Friendship“, einem Orden für besondere Verdienste um die Völkerverständigung, ausgezeichnet.

So mutierte das zarte Pflänzchen der Annäherung, das Mitte der 80er zu sprießen begann, flott zu einer höchst mobile Bürgerinitiative, der heute rund 130 Mitglieder angehören. Damals besuchte eine erste Delegation von Professoren aus Ningbo die Fachhochschule Aachen und bat um Unterstützung bei der geplanten Gründung einer weiteren Hochschule in ihrer Heimatstadt. Mit Erfolg. 1985 wurde der Grundstein für die heutige University of Technology Ningbo gelegt. „Damals kamen wir in kleinem Kreis ins Gespräch mit dem seinerzeitigen Oberbürgermeister Kurt Malangré. Wir wollten die Zusammenarbeit auf eine breite Basis stellen“, erzählt Prömper. Ergebnis: siehe oben.

Längst pflegen vor allem ungezählte junge Leute den intensiven Kontakt zwischen den Kulturen. Alljährlich besuchen Klassen der Heinrich-Heine-Gesamtschule, des Kaiser-Karls-Gymnasiums, des Pius oder von St. Ursula ihre Partnereinrichtungen in Ningbo – und umgekehrt. Hier wie dort werden die Gäste traditionell in den Familien der Schüler untergebracht. Rund 3000 Pennäler und Pädagogen aus beiden Städten haben sich bislang am regelmäßigen Besuchsprogramm beteiligt.

Neben dem nach wie vor äußerst regen Austausch zwischen den Hochschulen haben sich zudem enge Kooperationen mit dem Marienhospital, dem Franziskushospital und dem Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg etabliert. Vier Partner-Kliniken in Ningbo entsenden zwecks Know-how-Transfers jedes Jahr mehrere junge Mediziner ins Grenzland. Von den hiesigen Krankenhäusern haben seither 25 Mitarbeiter für einige Wochen in Ningbo gearbeitet. Zwei junge Journalistinnen haben vor einigen Jahren gar beim „Ningbo Daily“ hospitiert, eine weitere Kollegin folgt ihnen im kommenden September.

In Sachen wirtschaftliche Kooperationen laufen die Fäden seit rund 20 Jahren auch und vor allem im Chinahaus des Vereins an der Reumontstraße zusammen. Heute residiert dort ein gutes Dutzend chinesischer Zweigfirmen für jeweils zwei Jahre gratis. Mindestens zehn Unternehmen aus dem Reich der Mitte haben so auch langfristig Wurzeln mit einem eigenen festen Standort in der Region geschlagen, berichtet Prömper stolz.

Die Gesamtzahl der Menschen, die den „großen Sprung“ über die Kontinente auf diese Weise bereits vollzogen haben, schätzt er auf etwa 3600. Auch sprachliche Barrieren werden seit Jahr und Tag mit viel Engagement abgebaut: Bereits vor 17 Jahren wurde ein „Deutscher Club“ gegründet, der im 28. Stockwerk der Bank of China regelmäßig zur Diskussion lädt und auch Deutschkurse anbietet.

Besondere Verbundenheit

Herbert Prömper ist überzeugt, dass die umtriebige Basisarbeit auch in Zukunft reiche Früchte trägt, dass sich der gigantische Staat in Fernost auch in politischer Hinsicht weiter dem Westen annähert. „China muss und wird sich noch mehr liberalisieren“, sagt der Ex-Banker mit Nachdruck. So wie sich das Gesicht der Stadt Ningbo in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt habe – vom unscheinbaren Örtchen zur buchstäblich herausragenden Wolkenkratzer-Metropole mit besonderer Verbundenheit zum Herzen des europäischen Kontinents.

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