Bremsmanöver am Krugenofen gestoppt

Von: mh
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Tempo 30 auf dem Krugenofen? Bis gestern Nachmittag prangte das Schild, das die Grünen dort platziert hatten, noch am Straßenrand. Die Stadt erklärte, es werde im Laufe des Tages abgehängt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dass sich eine politische Partei medienwirksam zum waschechten Etikettenschwindel bekennt, kommt wohl nicht alle Tage vor. So geschehen am helllichten vergangenen Freitag auf den ersten Metern des Krugenofens Richtung Burtscheid. Seither prangte ein Tempo-30-Schild, eigenhändig aufgehängt von ein paar aufmüpfigen Grünen, in Höhe des Hauses Nummer 12.

 Zumindest bis Dienstag Nachmittag hat die Stadt die verkehrspolitische „Guerilla-Aktion“ noch geduldet – obwohl auf dem Krugenofen, weil Bundesstraße, eigentlich 50 km/h durchaus erlaubt sind. „Im Laufe des Tages werden wir das Schild allerdings entfernen“, hieß es kurz darauf beim städtischen Presseamt. „Aus rechtlichen Gründen bleibt uns da gar nichts anderes übrig.“

Mit der Aktion wollten die Grünen erreichen, dass die Autofahrer auf die Bremse treten, um die Sicherheit von Fahrradfahrern auf der Ausfallachse Richtung Burtscheid nicht zu gefährden. Und im doppelten Sinn ein Zeichen setzen. Im vielzitierten lokalpolitischen Raum sind die Parteipartisanen diesmal zwar nicht wirklich auf Kollisionskurs.

Doch laut Gesetz ist eine Reduzierung der Geschwindigkeiten auf Straßen, die nicht in die Zuständigkeit der Kommunen fallen, nur mit Plazet der übergeordneten Behörden möglich. Ob aber die Bezirksregierung und damit der Bund die Einrichtung einer 30er-Zone auf dem Krugenofen offiziell billigt, steht in den Sternen – zumindest so lange, bis eine geplante Gesetzesänderung den Städten mehr einschlägigen Handlungsspielraum einräumt.

Kritik mussten sich die Grünen nach unserer Berichterstattung allerdings von Seiten einiger Leser gefallen lassen, welche die unbotmäßige Initiative als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr missbilligten. Schließlich würden Pkw-Fahrer unter Vorspiegelung falscher Tatsachen veranlasst, gleich hinter der Burtscheider Brücke abrupt in die Eisen zu steigen.

Ein Vorwurf, den der verkehrspolitische Sprecher der Partei, Wilfried Fischer, nicht akzeptieren mag. Unterm Strich werde die Sicherheit auf dem Krugenofen vielmehr erhöht, meinte er auf Anfrage. Und Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig weist darauf hin, dass ein ähnlicher Vorstoß vor rund zwei Jahren an der Lütticher Straße – ebenfalls eine Bundesstraße – erfolgreich gewesen sei.

„Nach zahlreichen Protesten von Eltern des Montessori-Kindergartens, die dort für Tempo 50 plädierten, hat OB Philipp selbst eine entsprechende Beschilderung veranlasst. Am Ende kam dann tatsächlich die offizielle Genehmigung über die Bezirksregierung.“ Auch die finanziellen Risiken des neuerlichen plakativen Widerstands gegen die Staatsgewalt hielten sich – so Ludwig – überdies in Grenzen. „Das 30-Schild ist im gut sortierten Fachhandel problemlos erhältlich“, verriet er. „Für 23,55 Euro plus Mehrwertsteuer.“

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