Breite Verteidigungslinie am Bunker steht

Von: Matthias Hinrichs
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Trübe Aussichten? Nicht unbedingt: Die Kräfte zum Erhalt des Musikbunkers formieren sich. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Unverrückbar wie stets seit seiner Erbauung, anno 1941, thront der riesige Betonklotz auch an diesem tristen Donnerstagnachmittag an der Goffartstraße – als wollte er sagen: Ruhe bewahren. Hier wurden schon ganz andere Stürme überstanden.

„Hausherr“ Lars Templin, Geschäftsführer des Vereins Musikbunker, kann indessen spätestens seit Donnerstag auf einer mächtigen, warmen Welle der Sympathie surfen – auch, aber nicht nur im Internet.

Tausende haben der Initiative bis Donnerstagabend auf den sozialen Netzplattformen den Rücken gestärkt (siehe Info). Was nicht heißt, dass sich der Verein seinerseits aus der Ruhe bringen ließe durch die Pläne des Bundes, die Bollwerke an der Frankenburg und in der Junkerstraße zu veräußern, in denen bekanntlich seit mehr als 20 Jahren Hunderte von Bands aktiv sind.

„Ich bin überzeugt, dass die Stadt uns helfen wird, die Zukunft der Konzert- und Veranstaltungsstätten zu sichern“, sagt Templin. Zumal auch die zeitgenössische „Szene“ sich offensichtlich zusehends organisiert. So hat der Aachener Pianist Dr. Lutz Felbick das AZ-Forum rund um den Stellenwert der „freien“ Kunst im November zum Anlass genommen, die „Initiativgruppe Aachener Musikleben“ ins Leben zu rufen, in der neben dem Musikbunker auch die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik vertreten ist.

„Wir müssen endlich klarmachen, dass alle Sparten moderner Musik, vom Rock über den Jazz bis zum Hiphop, längst fester Bestandteil des Kulturlebens geworden sind“, sagt Felbick. „Immer noch hat man aber den Eindruck, als wenn große Teile der Politik das unter ,Ferner liefen‘ abtun – und viele weiter in hundert Jahre alten Kategorien denken, als gebe es ,nur‘ die klassischen Orchester.“

Angesichts eines Gesamtvolumens von rund 15 Millionen Euro zur Förderung der Klangkunst im städtischen Etat nehme sich der Beitrag für innovative Projekte geradezu lächerlich aus, findet GZM-Mitglied Heribert Leuchter. „Nicht nur das Sinfonieorchester hat Anspruch auf einen guten Platz zum proben.“ Und Dr. Gwendolen Webster, Vorsitzende der GZM, erinnert daran, dass auch die „Klangbrücke“ im Alten Kurhaus im Windschatten der Übernahme großer Teile des Bushof-Areals durch einen privaten Investor „ins Wackeln geraten“ könne.

Umso entschiedener bekräftigen Vertreter aller Ratsparteien ihren Willen, am Standort Musikbunker festzuhalten – wiewohl die erste Verlautbarung der Verwaltung gegen einen Kauf bereits im September im Liegenschaftsausschuss quasi sang- und klanglos verhallt war. Schließlich habe der Kulturausschuss erst im November einmütig beschlossen, den Verein noch besser in den öffentlichen Fokus zu rücken, unterstreicht SPD-Ratsfrau Sibylle Reuß. Auf ihre Einladung hin hatte Templin dort über die weitreichenden Aktivitäten der Musiker berichtet. Aus gegebenem Anlass ist das Thema „Mubu“ am Donnerstag zudem auf die Tagesordnung des Bürgerforums gehoben worden. Das Gremium tagt am Dienstag ab 17 Uhr im Rathaus.

Die Grünen haben beantragt, dass sich der Kulturausschuss am 30. Januar mit dem Bunkerverkauf beschäftigt (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße). Und bereits am Freitag wollen Vertreter von Kulturbetrieb, Ordnungs- und Liegenschaftsamt sowie der städtischen Marketing-Abteilung über etwaige Erwerbspläne beraten, erklärt Hans Poth vom Presseamt. Für Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs, ist die Marschrichtung klar: „Wir setzen uns dezidiert für den Erhalt ein. Der Verein leistet tolle Arbeit.“

Das unterstreicht auch der zuständige Dezernent Professor Dr. Manfred Sicking. „Wir sind sensibilisiert – auch durch die jüngsten Meldungen über die Schließungen von Kneipen und Clubs“, sagt er. Nun gelte es – siehe oben –, die Situation in Ruhe zu prüfen. „Es ist klar, dass die Stadt auch abwarten muss, wie das Kaufangebot des Bundes am Ende aussieht.“

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