Brandstiftung in der Turnhalle: „Das ist eine große Katastrophe”

Von: Thorsten Karbach und Stephan Mohne
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Draußen ein bisschen Qualm, drinnen die totale Zerstörung: Ein wohl vorsätzlich gelegter Schwelbrand in der großen Sporthalle an der Gesamtschule Brand hat enormen Schaden verursacht. Foto: Einsatzdoku.org

Brand. Wie es weitergeht? Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Bestürzung und tiefe Frustration beschreibt die Gefühlslage bei den Betroffenen noch am ehesten. Und Betroffene gibt es reichlich. Das Innere der großen Turnhalle an der Brander Gesamtschule ist weitgehend zerstört.

Der Boden in dieser Sporthalle, eine der größten in Aachen, ist hinüber, Geräte und Matten sind verkohlt, die Wände und Decken sind mit einer fiesen Rußschicht überzogen - unter anderem mit giftigen Kunststoffresten. An Sport ist dort nicht mehr zu denken. Und das wahrscheinlich für eine lange Zeit.

„Eine Katastrophe”, sagt Hans-Dieter Götzkes. Der Handball-Obmann von Borussia Brand kann sich derzeit das ganze Ausmaß der Folgen für seine Abteilung mit mehr als 250 Mitgliedern - darunter über 100 Jugendliche - noch gar nicht ausmalen. Mal ganz abgesehen davon, dass vielleicht auch noch alle Trikots und Bälle ein Opfer des Feuers geworden sind, das in der Nacht zum Samstag an der Rombachstraße ausgebrochen war.

Auch sein Vereinskollege Herbert Poetz, Geschäftsführer der Borussia, ist ratlos: „Wir haben dort Anfang November an einem Tag neun Heimspiele”, nennt er ein Beispiel für das Chaos, das dem Verein droht. Er auf städtische Unterstützung: „Sonst können wir dichtmachen.”

„Eine Katastrophe”, sagt auch Hans Paffen, Abteilungsleiter für Basketball und Badminton beim Brander Turnverein. Anderer Verein, gleiche Not: Beim Brander TV sind 300 Basketballer - die größtenteils in der Regionalliga agieren - und 40 Badmintonspieler betroffen. 45 Wochenstunden Training fallen nun wohl weg. Auch beim TV bangt man um die Ausrüstung. „Es ist furchtbar”, sagt Vorsitzender Matthias Breuer.

Noch schlimmer ist die Lage für diejenigen, für die die Sporthalle eigentlich gebaut wurde: die Schüler der Gesamtschule - 1300 an der Zahl. Schulleiter Dr. Walther Kröner sagt: „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um qualifizierten Sportunterricht anbieten zu können.”

In diesem Zusammenhang lautet die bange Frage, ob auch die kleinere Gymnastikhalle Schaden genommen hat. Ansonsten gibt es in der Umgebung nur noch die Turnhalle der Grundschule. Wie groß das Ausmaß der Brandschäden ist, muss erst noch in Augenschein genommen werden. Das geht im Moment noch nicht. Die Halle - auch die Gymnasikhalle - ist von der Polizei beschlagnahmt und versiegelt worden. Denn für die Kripo steht fest: Das muss Brandstiftung gewesen sein.

Details werden derzeit noch unter Verschluss gehalten, um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden. An der Tür weist nur ein handgeschriebener Zettel auf den Status quo hin: „Halle geschlossen.” Hört man der Feuerwehr zu, kann man sich aber denken, wie es drinnen aussehen muss: „Die Rauchentwicklung war wirklich enorm”, sagt Uwe Weiß. Knapp 50 seiner Kollegen waren vor Ort. Obwohl der Brand an sich schnell gelöscht war, war die Feuerwehr vier Stunden zugange. Klar ist: Es muss in der Halle schon stundenlang gekokelt und geschwelt haben. Doch erst am Morgen entdeckten Fußgänger, dass aus dem Gebäude Qualm kam.

Zwei Millionen Euro Schaden

Michael Ferber, Chef des städtischen Gebäudemanagements, geht davon aus, dass die Sanierung - so die Halle überhaupt zu sanieren ist - mehrere Monate dauern wird. Zunächst müsse man einmal per Gutachten den „Kontaminationsgrad” - also das Ausmaß der Vergiftung - klären.

Finanziell könnte das Ganze für die Stadt auch unschön werden. Wenn am Ende der Brandstifter nicht ermittelt wird oder bei ihm nichts zu holen ist, „könnte auch bei uns etwas hängenbleiben”, so Ferber. Auch wenn den Großteil wohl die Versicherung übernehme.

Von der Polizei wird die Schadenshöhe erst einmal grob mit zwei Millionen Euro angegeben. Auf jeden Fall werde man so schnell wie irgendmöglich loslegen, sagt Ferber mit Blick auf die vielen Schüler. Und die Vereine „werden in Aachen wohl jetzt ein Stück zusammenrücken müssen”.

Mit dem Zusammenrutschen hat man schon begonnen. Bei Hans-Dieter Götzkes hat sich Egbert Schaffrath von Schwarz-Rot gemeldet, um der „Konkurrenz” zwei Trainingsstunden in der Woche im Gillesbachtal „abzutreten”. Eine tolle Geste, aber für Borussia ein Tropfen auf den heißen Stein. Und Zusammenrücken ist bisweilen schwierig.

„Gymnastikgruppen - auch toller Sport - kann man mal zusammenlegen, aber mit 20 statt 10 Basketballern ist auf Regionalliganiveau kein Training möglich”, sagt Paffen. Und wenn die kleine Halle auch noch verqualmt ist, würde es auch noch die große Tischtennisabteilung der Borussia treffen.

Die Hallen waren für viele Mannschaften eine sportliche Heimat - bis zur Katastrophe.
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