Aachen - Brandstiftung in der Bismarckstraße: Urteil gegen geständigen Mieter

Brandstiftung in der Bismarckstraße: Urteil gegen geständigen Mieter

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Die dreijährige Haftstrafe von Gert F. wurde auf Bewährung ausgesetzt. Symbolfoto: Friso Gentsch/dpa

Aachen. Am Abend oder noch in der Nacht zum 6. November 2017 packte Gert F. seine persönlichen Sachen in einen Rollkoffer. Denn seine Mietwohnung in der Bismarckstraße sollte am nächsten Morgen zwangsgeräumt werden. Der 56-Jährige hatte Krach mit dem Vermieter und aus Wut bereits länger seine Mieten nicht gezahlt.

Doch dann rastete er aus und legte morgens gegen 4 Uhr Feuer in der Wohnung, sperrte seinen Hund in den Keller, nahm den Rollkoffer und ging zur Haltestelle. Dort bekam er den ersten Bus in Richtung Polizeipräsidium.

Auch weil Gert F. dort ohne wenn und aber ein Geständnis ablegte, kam am Montag die 6. Große Strafkammer am Aachener Landgericht zu einem eher milden Urteil. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Matthias Quarch verurteilte den arbeitslosen Mann zu einer Haftstrafe von zwei Jahren wegen versuchter schwerer Brandstiftung, deren Vollzug drei Jahre lang zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Richter Quarch betonte in der Urteilsbegründung, dass die Tat damit nicht „im ganz unteren Bereich“ der möglichen Strafhöhe angesiedelt sei, denn der Angeklagte habe sicherlich Schuld auf sich geladen und auch größere Schäden in Kauf genommen.

Die Wohnung brannte völlig aus, nachdem F. an drei Stellen Benzin ausgegossen und angezündet hatte. Es entstand ein Sachschaden von rund 25.000 Euro.

Er habe Wut auf den Vermieter gehabt, weil der ihn nach zehn Jahren gekündigt habe. Deshalb habe er nichts an Wert zurücklassen wollen, nichts, was der Vermieter noch hätte zu Geld machen können, hatte er dem Gericht geschildert.

Deswegen könne man auch trotz einer erheblichen Alkoholisierung noch lange keine Wohnung anzünden, befanden die Richter und verurteilten Gert F. zu der besagten Haftstrafe. Die Kammer folgte damit den Anträgen sowohl der Staatsanwaltschaft wie auch der Verteidigung.

F. hatte Riesenglück, dass ihm das Gericht seine Einlassung glaubte. Danach habe er beim nächtlichen Verlassen seiner Wohnung auf jeder Etage die Rauchabzugsknöpfe betätigt und überall geschellt. In der Tat waren die kleinen Glasscheiben über den roten Auslöserknöpfen zerstört, nächtliches Klingeln schien jedoch niemand gehört zu haben. Dann sperrte er noch seinen Hund in den Keller, zur Polizei habe er ihn schlecht mitnehmen können, befand auch das Gericht.

Dieses völlig untypische Verhalten für einen Brandstifter bewahrte Gert F. vor einer weitergehenden Anklage, die bei schwerer Brandstiftung in Wohngebäuden schnell bei in einen Mordvorwurf münden kann.

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