Brandserie: Schon 22 Autos in Flammen

Von: Stephan Mohne
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Vier neue Opfer des Feuerteufe
Vier neue Opfer des Feuerteufels: In einem Innenhof an der Junkerstraße brannten in der Nacht zum Montag dieses Autos völlig aus. Insgesamt wurden seit August 2010 schon 22 Fahrzeuge in Brand gesetzt. Schaden: mehrere hunderttausend Euro. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es war kurz vor 4 Uhr am Montagmorgen, als ein lauter Knall durch die nächtliche Stille im Aachener Westen hallte. Als die Anwohner des Hauses Nummer 33 an der Junkerstraße noch schlaftrunken aus den Fenstern in den Hinterhof blickten, sahen sie ein Flammenmeer. Gleich vier Autos hatten dort Feuer gefangen.

Einer der Autobesitzer eilte noch mit einem Feuerlöscher in der Hand zu seinem Wagen. Doch den eigenen Versuch, sein Fahrzeug irgendwie noch zu retten, brach er ab, als ein Reifen explodierte. Ziemlich genau um 4 Uhr waren Polizei und Feuerwehr vor Ort. Doch auch die Helfer konnten nicht mehr allzu viel ausrichten. Von den vier Autos blieben nur verkohlte Wracks übrig.

Und damit setzt sich eine beängstigende Serie fort. Denn es waren mittlerweile die Fahrzeuge 19, 20, 21 und 22, die ein Opfer der Flammen wurden. Und jedes Mal, soviel dürfte feststehen, gingen die Vorfälle auf das Konto von einem oder mehreren Brandstiftern. Die Polizei tappt indes immer noch völlig im Dunkeln, wie ihr Sprecher Paul Kemen am Montag auf Nachfrage bekundete. Dabei ist der Schaden enorm. Alleine in der Nacht zum Montag - betroffen waren ein Audi, ein VW, ein Mercedes und ein Opel - wurde der Schaden auf rund 60 000 Euro geschätzt. Der Schaden aller Brände zusammen summiert sich schon auf mehrere hunderttausend Euro.

In Kullen fing alles an

Der oder die Feuerteufel sind bereits seit knapp einem Jahr „aktiv”. Der erste Vorfall dieser Art ereignete sich am 18. August 2010. Besser gesagt, waren es auch an diesem Tag gleich drei Autos, die angezündet wurden. Das war in Kullen. Dort kristallisierte sich in der Folge eine Art Schwerpunkt der Brandserie heraus. Schon wenige Tage später brannte zum Beispiel im benachbarten Vaalserquartier ein Wohnmobil. Später gab es derartige Taten allerdings auch in ganz anderen Bereichen der Stadt. So zum Beispiel in Burtscheid. Am Steffensplatz ging ein BWM in Flammen auf, wobei alleine dieser eine Brand einen Schaden verursachte, den die Polizei auf 90.000 Euro schätzt.

Obwohl es immer wieder Hilfeersuchen der Kripo gab, blieben Zeugenhinweise Mangelware. Auch die an den Tatorten gesicherten Spuren konnten die Täter bisher nicht überführen. Am Montag fanden die Brandermittler unweit der verkohlten Autos eine Flasche Spiritus, wie Anwohner erzählen. Möglicherweise handelt es sich dabei um den eingesetzten „Brandbeschleuniger”. Die Polizei bestätigt das nicht, dementiert es aber auch nicht. Weil es so wenige Anhaltspunkte für Ermittlungen gibt, wurde bisher auch keine Sonderkommission bei der Kripo ins Leben gerufen. Paul Kemen sagt allerdings, dass nicht wenige Beamte mit den Fällen beschäftigt seien.

Zuständig für die Brandermittlung ist das Kriminalkommissariat 11, das sich auch mit Mord und Totschlag beschäftigt. Die Pkw-Brände sind dabei nicht die einzige Brandstiftungsserie, die ungeklärt ist. Gesucht werden auch noch die Täter, die vor einigen Monaten eine Reihe Brände in Kellern im Ostviertel legten.

Nicht nur Aachen betroffen

Diese Serie hörte allerdings auf, als sie in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Nicht gefasst sind außerdem die Täter, die im Herbst vergangenen Jahres zwei Turnhallen in Brand anzündeten und dabei einen Schaden im hohen sechsstelligen Bereich verursachten.

Die große Dreifachhalle der Gesamtschule musste aufwändig saniert werden, weil der giftige Ruß in jede Ritze gedrungen war. Außerdem wurden mehrere Brände in der Toilette des RWTH-Audimax gelegt. In diesem Fall fahndet die Polizei mit einem Bild aus einer Überwachungskamera nach dem Täter.

Das Anzünden von Autos ist kein Aachener Phänomen. In mehreren Städten gibt es Brandstiftungsserien. Die erste hielt Köln in Atem. Dort wurden die Täter nach rund 20 Bränden gefasst und später verurteilt.
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