Branderhof: Reitsport steht vor dem Aus

Von: Thorsten Karbach
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Schlechte Aussichten für Pfer
Schlechte Aussichten für Pferde: An den Reithallen von Gut Branderhof besteht dringender Sanierungsbedarf. Doch der Verein kann die geschätzten Kosten von 300 000 Euro nicht Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Reitverein Aachen steht vor einem kaum überwindbarem Hindernis. Und das traditionsreiche Gut Branderhof damit vor dem Aus. „Wir sind alle sehr betroffen, hängen sehr am Branderhof. Die Sache ist wahnsinnig traurig”, sagt Vorsitzende Carla Brettschneider.

Der Verein sei aber aktuell nicht in der Lage, zwingend erforderliche Sanierungsarbeiten auf der Anlage finanziell zu stemmen.

Das Dach der 20 mal 60 Meter großen Reithalle ist undicht, die kleine Reithalle (18 mal 32 Meter) unter Schneelast einsturzgefährdet, der Außenreitplatz (20 mal 60 Meter) muss erneuert werden, die 48 Pferdeboxen warten auf Sanierung. Und der schmucke Terrakottahof droht abzusacken. Nach vorsichtigen Schätzungen geht man beim RV Aachen davon aus, dass rund 300.000 Euro Kosten auf den Verein zukommen würden. Zu viel. Zumal sich eine Alternative anbietet.

Elke Braun, Geschäftsführerin der Reitschule und Pensionsstall Gut Branderhof GmbH, an die der Verein die Anlage unterverpachtet hat, baut ab Sommer einen neuen Reitstall in Eilendorf-Süd. Dort, an der Vennbahn, sollen ein Jahr später eine 60-Meter-Reithalle, Boxen mit sogenannten Außenpaddocks (Auslauf) für 36 Pferde, ein überdachter Außenplatz (Allwetterplatz) mitsamt Reiterstübchen stehen. Und rundherum liegen große Wiesen für den Ausritt. Brauns Pachtvertrag für Gut Branderhof läuft 2013 aus, ihr Umzug ist beschlossene Sache.

Aber Braun ist eben auch Geschäftsführerin des RV Aachen und bietet ihrem Verein - und auch der Gastronomie an Gut Branderhof - an, mit nach Eilendorf-Süd auf die neue Anlage zu ziehen. „Auch mir fällt es schwer, Gut Branderhof zu verlassen. Das ist eine reine Vernunftsentscheidung. Ein Umzug ist immer noch besser als eine Insolvenz des Vereins”, sagt sie.

Entscheiden werden darüber aber die Mitglieder, die nach den Osterferien zur Mitgliederversammlung eingeladen sind. „Eine Möglichkeit, Gut Branderhof zu erhalten, wäre ein neuer Pächter oder ein Sponsor. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, finanzielle Hilfe ist uns willkommen, aber ich halte das leider für unrealistisch”, sagt Vorsitzende Brettschneider.

In der Vergangenheit waren immer wieder Vereinsmitglieder als Geldgeber oder zumindest als Bürgen in die Bresche gesprungen, wenn der Verein investieren musste. „Früher hatten wir aber auch mehr betuchte Leute, das ist nicht mehr so”, erklärt sie.

So charmant und traditionsreich Gut Branderhof mit dem denkmalgeschützten Hofhaus aussehen mag. Auf der Homepage steht der Slogan: „Hier treffen sich Tradition, Moderne und Leidenschaft”. An anderer Stelle: „Aus Liebe zum Pferd”. Doch den Anforderungen an moderne Reitanlagen wird das Gut nicht mehr gerecht.

„Stadtnah fehlen die Wiesen zum Ausritt, das ist nicht ideal. Und die Reiter wollen für ihre Pferde Auslauf an den Stallungen”, erklärt Brettschneider. „Das lässt sich an Gut Branderhof nicht darstellen. Dafür müssten wir noch einmal wahnsinnig viel Geld in die Hand nehmen”, sagt Braun.

Ende 2013 wird - Stand heute - also Schluss sein mit Pferdesport am Branderhofer Weg. Und das nach mehr als 50 Jahren, in denen der RV Aachen die Zügel in der Hand hatte. Der 1949 gegründete Verein, 1954 in RV Aachen umbenannt, zog 1960 von Gut Süstern ins Gut Branderhof. Damals reichten 150.000 Deutsche Mark, um die Anlage, gepachtet von der Stadt Aachen, umzubauen und zu restaurieren.

Der Pachtvertrag zwischen Stadt und Reitverein läuft zwar noch bis 2022, doch nach AZ-Informationen gibt es durchaus Bereitschaft, den RV früher aus diesem Kontrakt zu entlassen. Denn die Fläche ist als Bauland überaus interessant. Zumindest der Pachtvertrag wäre also beim Abschied von Gut Branderhof kein Hindernis mehr.
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