Kornelimünster - Brahms Geist wunderbar in Szene gesetzt

Brahms Geist wunderbar in Szene gesetzt

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
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Chöre und Orchester: Das Brahms-Requiem gestalteten in der Benediktinerabtei Kornelimünster der Heinrich-Schütz-Chor, der Pius-Chor und das Sinfonieorchester Aachen. Foto: Heike Lachmann

Kornelimünster. Eine lange und intensive Vorbereitungszeit lag hinter den 200 Sängerinnen und Sängern des Heinrich-Schütz-Chores Aachen sowie des Schulchores und des Eltern-/Lehrer-Chores des Bischöflichen Pius Gymnasiums – und die viele Arbeit hat sich gelohnt.

Mehr als 600 Zuhörerinnen und Zuhörer jeglichen Alters hatten sich am Samstag in der Abteikirche der Benediktinerabtei Kornelimünster eingefunden, um den Chören und den Mitgliedern des Sinfonieorchesters Aachen zu lauschen. Auf dem Programm stand „Ein deutsche Requiem“ von Johannes Brahms – ein Requiem, dass sich so deutlich von anderen Requiems verschiedener Komponisten unterscheidet. Es ist ein Stück, dass nicht die Angst vor dem Tod in den Vordergrund rückt, sondern das Aussöhnen mit dem eigenen Tod und dem geliebter Menschen.

Es gibt kein dramatisches Dies irae, keine lateinischen Texte. Der 1833 geborene und sehr bibelfeste Brahms hat den Text für Requiem selbst zusammengestellt. Auffällig ist, dass Christus nicht einmal namentlich erwähnt wird. Stattdessen gibt Brahms Raum für Interpretationen über den Tod und das Sterben, nimmt aber beidem gleichzeitig den Schrecken. Langsam und eindringlich eröffneten die tiefen Streicher den ersten Satz, die Violinen schweigen. Das gibt dem Stück etwas Tragisches und Tröstendes zugleich. Es hebt zudem auch den vollen, leicht so schwermütigen Klang der tiefen Streicher und der Viola hervor, die sonst gerne im Orchester etwas untergehen.

Viel dramatischer der zweite Satz, dessen deutlich herausgestelltes Memento-Mori-Motiv – „denn alles Fleisch, es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blumen“ – untermalt von einem Trauermarsch, der deutlicher kaum sein kann, im Ohr verbleiben, bis letztlich die musikalische und textliche Erlösung kommt und „Freude, ewige Freude“ musikalisch umgesetzt wird. Der kräftige Trompeteneinsatz zeigte, dass es nicht vieler Instrumente bedarf, um einen 200-Mitglieder-Chor zu übertönen.

Als Zuhörer bekam man spätestens hier die erste Gänsehaut. Bariton Peter Rembold übernahm den Solopart im dritten und sechsten Teil des Requiems. Deutlich akzentuiert, aber leider durch die Akustik in den hinteren Reihen der Kirche etwas dumpf klingend, trat er als Mahner aber auch als Verkünder von Hoffnung in Erscheinung.

Die in Thüringen geborene Sopranistin Katrin Stösel sang die Solosopranstimme in „Ihr habt nun Traurigkeit“, das fünfte Stück des Abends. Weich wie Samt und klar wie ein Bergsee durchdrang ihre Stimme die Abteikirche. Das der Tod nicht zu fürchten ist, stellt sich im grandiosen sechsten Teil heraus und hier konnte der Chor auch die gesamte Kraft seiner Sängerinnen und Sänger nutzen: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“, fragt der Text und die Musik gibt Antwort: Es gibt sie nicht mehr, denn längst haben Hoffnung, Versöhnung und Liebe triumphiert.

Als Ausklang greift Brahms zurück auf den ersten Teil: „Selig sind die Toten“, heißt das siebte und letzte Stück des Requiems, das beruhigend und zugleich warm in die Herzen der Zuhörer dringen kann.

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