Boxgraben: Rohrbruch bringt das Fass zum Überlaufen

Von: Oliver Schmetz
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Land unter: Ein Baggerfahrer hat gestern Morgen auf dem Boxgraben versehentlich einen Hydranten abgerissen. Die Baustelle wurde zur Schlammwüste. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Goswin Rongen betreibt eine Second-Hand-Boutique, aber von den Missständen, die eine Großbaustelle verursacht, erfährt er aus erster Hand. Er braucht nur durch das Schaufenster seines Landens am Boxgraben zu schauen - wenn er bis dahin kommt.

Am Montagmorgen ist das nicht so einfach. Die Bauarbeiter haben kurzerhand ignoriert, dass es auch vor Rongens Geschäft an der Ecke Südstraße Passanten geben könnte.

Und Geschäftsleute und Anwohner, die ihre Läden und Wohnungen gefahrlos erreichen oder verlassen wollen. Doch statt Stegen und Wegen beherrschen Sperrgitter das Bild auf den Bürgersteigen - falls es letztere überhaupt gibt. Manch ältere Anwohnerin stolpert nämlich am Boxgraben über einen halsbrecherischen Parcours aus Schotter, Schutt und Sandhaufen, um den Hauseingang zu erreichen. Goswin Rongen hat in zehn Monaten Großbaustelle schon viel Negatives erlebt, aber eine Vollsperrung seines Geschäfts noch nicht. „Es ist eine Unverschämtheit, wie die Stadt mit uns umspringt”, sagt er.

Für den Geschäftsmann ist dies nicht die letzte unliebsame Überraschung an diesem Morgen. Kurze Zeit später trifft der Bagger an der Einmündung Südstraße etwas, was er besser nicht getroffen hätte - Wasser sprudelt. Der Baggerführer habe eine Straßenbahnschiene aus dem Erdreich gezogen und einen Hydranten abgerissen, wird Stawag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen später das Malheur erklären, das Rongen einen kleinen Teich vor der Ladentür beschert.

Für ihn und seine Nachbarn bringt der Rohrbruch das Fass endgültig zum Überlaufen. „Auf jut Deutsch beschissen”, antwortet André Esser, Betreiber eines Sonnenstudios, auf die Frage nach seiner wirtschaftlichen Situation nach monatelangem Baustellen-Chaos. Auf 70 Prozent beziffert er die Umsatzeinbußen seit Januar, insbesondere wegen „grottenschlechter Verkehrsführung und Parksituation”.

Wie bereits mehrfach berichtet, sehen sich etliche Geschäftsleute am Boxgraben mittlerweile in ihrer Existenz bedroht. Rongen berichtet von Entlassungen und Geschäftsaufgaben. „Für uns Kleinunternehmer wird nichts getan”, beklagt er. Bislang haben Stadt und Stawag angeboten, im August ein Sommerfest als Werbemaßnahme für den Boxgraben mitzufinanzieren. Rongens Begeisterung darüber hält sich an diesem Morgen in Grenzen: „Wer weiß, wer bis August nicht alles pleite ist.”

Einige Haushalte ohne Wasser

Die Stadt äußert ihr Bedauern über das „Unglück”. Die Arbeiten vor dem Geschäft hätten bis 10 Uhr beendet sein sollen, dann sei das Malheur passiert. „Großes Pech”, so das Presseamt. Da zudem ein Versorgungskanal beschädigt wird, sitzen auch einige Haushalte teils auf dem Trockenen.

Die Verkehrsführung hat sich derweil geändert: Vom Hubertusplatz kann wieder in den Boxgraben abgebogen werden, auch die Einfahrt in Mariabrunnstraße und Weberstraße ist wieder möglich. In Kürze wird jedoch die Zufahrt von der Schanz in die Straße „Am Lavenstein” gesperrt, teilt die Stadt mit. Und ob Rongens Kunden wieder seinen Laden erreichen, wird er heute sehen.
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