Bordelle in der Antoniusstraße: Haarener SPD gegen Pläne des Oberbürgermeisters

Von: Stephan Mohne
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Aus Sicht der Haarener SPD „absolut ungeeignet“: Die Sozialdemokraten kritisieren den OB scharf für seine Liste mit Alternativstandorten – hier am Prager Ring – für die Bordelle in der Antoniusstraße. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In der Politik gilt sie als „Giftliste“ – jene Liste, die der Oberbürgermeister angelegt hat und bei der es um potenzielle Alternativstandorte für die Bordelle in der Antoniusstraße geht. Die Ratsfraktionen – außer der FDP – allerdings haben die Liste zwar zur Kenntnis genommen, stemmen sich aber nach wie vor gegen die Idee einer Auslagerung des Rotlichtbezirks aus der Innenstadt an den Stadtrand.

Schließlich hat der Stadtrat schon mehrfach beschlossen, dass die Bordelle im Zuge der Neugestaltung des „Altstadtquartiers Büchel“ in einem „Laufhaus“ sowie einigen anderen Häusern im Bereich Antoniusstraße/Mefferdatisstraße konzentriert werden sollen, während rundherum ein Mix aus Wohnen, Gatronomie und Geschäften geplant ist.

Besagte Liste des OB hat unterdessen eine Besonderheit: Fast alle – zunächst noch vage – genannten Areale liegen im Aachener Nordosten und damit nahe an den Bezirksgrenzen von Laurensberg beziehungsweise Haaren. Diese Tatsache dürfte ein Grund dafür sein, warum jetzt die Haarener SPD gegen die Liste des OB in die Offensive geht.

„Wir lehnen die Verlagerung des Rotlichtbezirkes strikt ab“, sagt Heiner Dautzenberg, Vorsitzender der SPD in Haaren und Verlautenheide. Die Haarener SPD-Ratsfrau Nathalie Hüllenkremer ergänzt: „Die alternative Standortliste des Oberbürgermeisters halten wir für absolut ungeeignet.“ Die Haarener SPD schließe sich der „Forderung des Frauennetzwerks und der Mehrheit im Stadtrat an, die sich für einen Verbleib des Bordellbetriebs in der Antoniusstraße aussprechen“.

„Laufhaus“ sei die beste Lösung

Das „Laufhaus“ in der Antoniusstraße sei die beste Lösung auch im Sinne der Sexarbeiterinnen vor Ort. Hingegen dürften die „vermeintlichen Wünsche der eigenen Wählerklientel“ kein Argument sein, sagt Dautzenberg. In Richtung Marcel Philipp wird der Ortsvorsitzende deutlich: „Dem Oberbürgermeister geht es offensichtlich nicht darum, ein Problem zu lösen. Er will es bloß aus den Augen haben. Wenn seine Wahrnehmung der steigenden Kriminalität rund um die Antoniusstraße stimmt, lässt diese Liste erahnen, wie groß seine Wertschätzung für Haaren und die Außenbezirke ist.“

Haarens Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten, CDU- Ratsherr und damit Parteifreund des OB, bekundet: „Die Bordelle bleiben da, wo sie sind.“ Die Diskussion und auch die Liste des OB seien rein theoretisch, weil „noch keine Stadt eine solche Verlagerung geschafft hat“. Corsten: „Das ist alles nur Donner im Gebälk und ein Sturm im Wasserglas, denn zu 99,99 Prozent wird es so bleiben, wie es ist.“ Er sehe die Sache daher locker.

Alexander Gilson, Bezirksbürgermeister von Laurensberg und zudem planungspolitischer Sprecher der CDU, ist doppelt skeptisch. „Aus der Sicht der Planungspolitik glaube ich nicht, dass eine solche Verlagerung überhaupt möglich ist.“ Und aus Sicht des Bezirksbürgermeisters sagt er: „Die Krefelder Straße und der Sportpark Soers haben eine tolle Entwicklung genommen.“ Die Ansiedlung von Bordellen dort wäre ein „qualitativer Rückschritt“. Zudem sei großer Widerstand aus der Bevölkerung zu erwarten: „Wir haben es nicht einmal geschafft, dort einen Recyclinghof anzusiedeln“, sagt er mit einem Schmunzeln.

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