Aachen - Bonner „Fahnder” in Horbach fündig

Bonner „Fahnder” in Horbach fündig

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Geschichte(n) von der Grenze -
Geschichte(n) von der Grenze - auch bei den obersten Kulturhütern sehr gefragt: Eine Mitarbeiterin des Hauses der Geschichte wurde jetzt im Zollmuseum fündig. Sie suchte und fand Exponate für eine große Ausstellung, die im kommenden Jahr in Leipzig und in Bonn präsentiert werden soll. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Noch werden die „Schlagbäume” im städtischen Budget bekanntlich ausgelotet - wenn es ums weitere Engagement zum Erhalt des Zollmuseums in Horbach geht. Da steht das Bonner Haus der Geschichte dortselbst einmal mehr auf der Matte - unabhängig vom aktuellen Hader um die Finanzen, versteht sich.

Immerhin signalisieren die städtischen Verantwortlichen inzwischen grünes Licht, was den Ankauf weiterer Exponate aus dem Privatbesitz der ehemaligen Sammler anbetrifft. „Wir gehen davon aus, dass wir dem Kulturausschuss vielleicht bereits am 30. August eine Beschlussvorlage präsentieren können”, berichtet Irit Tirtey vom Kulturbetrieb auf Anfrage. 16.000 Euro müsste die Stadt locker machen, um zumindest die wichtigsten Stücke zu sichern - 30.000 wären nötig, um den kompletten Besitz der besagten Erbengemeinschaft zu übernehmen.

Denn die ist seit langem entschlossen, ihren Anteil am einzigartigen Kompendium über die Geschichte der Zöllner und Schmuggler zu veräußern (wir berichteten). Juristisch sei der Erwerb indes noch nicht vollständig in trockene Tücher gepackt, betont Tirtey. Überdies sei auch die inhaltliche Qualität der Sammlung noch per Gutachten zu prüfen.

Zumindest von Seiten der wohl renommiertesten staatlich beauftragten Experten für die Historie der Republik besteht unterdessen offenbar kein Zweifel an deren Wert. „Vor wenigen Tagen ist Dr. Angela Stirken, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Haus der Geschichte, bei uns zu Gast gewesen, um nach Exponaten zu fahnden, die spannende Geschichten über den ,Grenzkrieg zwischen Schmugglern und Zöllnern erzählen”, berichtet Kurt Cremer, der sich seit Jahrzehnten für das Museum engagiert.

Bereits vor knapp zwölf Jahren hatten die Bonner Kollegen erfolgreich um Fotos von der deutsch-niederländischen Grenze ersucht, um eine Schau über die bilateralen Beziehungen der Nachbarn unter der Schirmherrschaft von Königin Beatrix und dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ins rechte Bild zu rücken.

Auch diesmal wurde die Expertin vom Rheinufer flott fündig. „Besonderes Interesse hat sie an unseren Originaltexten der Anklageschriften aus den beiden größten Kaffeeschmugglerprozessen der Nachkriegszeit bekundet”, erklärt Cremer stolz. So wurden anno 1952 nicht weniger als 52 Männer aus Mützenich verurteilt, die sich beim inoffiziellen Import heiß begehrter Naturalien hervorgetan hatten. Sogar ein gestohlener Panzerwagen war seinerzeit eingesetzt worden, um Kaffee und Co. über die grüne Grenze zu bugsieren...

Die Schriftstücke sollen im kommenden Jahr als Teil einer großen Ausstellung unter dem Titel „Is(s) was!” in Leipzig und Bonn präsentiert werden, die sich den Ernährungsgewohnheiten der Bundesrepublikaner seit der viel zitierten Stunde Null widmet - und natürlich auch deren bevorzugtem Muntermacher. Mit welch kriminell kuriosen Erfindungen Schmuggler wie Grenzbeamte den täglichen Kampf um den seinerzeit schier unerschwinglichen braunen Saft führten, dokumentieren freilich auch allerlei urige Unikate aus der Sammlung, die ebenfalls gezeigt werden sollen - darunter ein Kinderwagen mit doppeltem Boden oder eine als harmloser Milchbehälter getarnte, etwas andere „Kaffeekanne” (siehe Kasten).

Inzwischen hat Cremer bereits ein Schreiben erhalten, in dem sich Historikerin Stirken noch einmal für die „freundliche und informative” Zusammenarbeit bedankt: „Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt blieben”, schließt sie. Noch ein schöner Anlass für die Museumshüter, auf weitere „wohlwollende Bereitschaft” seitens Politik und Verwaltung zu hoffen, wenn es um die Rettung der Bestände an der Horbach geht. „Die Politik hat ja bereits im April einmütig bekundet, dass das Haus auf jeden Fall erhalten werden soll”, unterstreicht auch Irit Tirtey...
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