Aachen - Bombengeschäft mit Aachens alten Bunkern?

Bombengeschäft mit Aachens alten Bunkern?

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Bunker
Musikern bietet der Aixcentric-Bunker an der Saarstraße eine Heimat. Foto: Jaspers

Aachen. Wie „bombig” die Konzepte für den heruntergekommenen Hochbunker an der Lütticher Straße sind, soll der Planungsausschuss heute unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten. Tatsache ist: Die Stadt würde das Stahlbeton-Ungetüm am liebsten verkaufen.

Angedacht sind verschiedene Konzepte. Möglich wäre nach der Sanierung die Einrichtung eines Jugend- oder Kulturzentrums. Es gibt aber auch Planer, die den Koloss - wie 1992 beim Hochbunker in der Kongressstraße geschehen - mit Wohneinheiten ausstatten möchten. Denkbar wäre hier eine Aufstockung mit neuen Wohnetagen. Oder ein enorm kostspieliger Abriss, der zum Beispiel Platz für einen Einkaufsmarkt machen würde. Die städtebauliche Richtungsentscheidung soll spätestens zur nächsten Sitzung des Planungsausschusses am 5. Februar fallen.

Zwölf Bunkeranlagen fallen auch 65 Jahre nach Kriegsende immer noch im Aachener Stadtbild auf: Vor allem Kulturschaffende freuen sich schon seit Mitte der 80er-Jahre über erfolgreiche Umwidmungen. Als Musikbunker beherbergen die Kriegsrelikte an der Junkerstraße, Goffartstraße und Zeppelinstraße 120 Proberäume, die im Schnitt für knapp 200 Euro pro Monat vermietet werden. Musikern bietet zudem der Aixcentric-Bunker an der Saarstraße eine Heimat. Konzerte und Partys beleben im „Autonomen Zentrum” seit 1993 die Schutzräume an der Hackländerstraße.

Seit 1996 kümmert sich die Feuerwehr - unterstützt vom Schutzrauminstandhaltungsdienst des THW - um die meisten ungenutzten Bunker. „Schutzräume in der Römerstraße, am Adalbertsteinweg und vor allem der viergeschossige Hochbunker an der Scheibenstraße boten aber immer nur für ein Prozent der Aachener Bevölkerung Platz: 2500 Menschen”, sagt Brandamtsrat Günther Stadtmüller.

In wenigen Monaten sollen auch die 1880 Quadratmeter Bunkerfläche an der Scheibenstraße aus der sogenannten Zivilschutzbindung ausscheiden. Das Monstrum, außen von Schülern mit historischen Motiven bemalt, ist größer als zwei Handballfelder und mit 20.000 Tonnen Beton und Stahl so schwer wie 250 Diesel-Lokomotiven. Nur beweglich ist wenig: Die Wände sind drei Meter dick.

Die meisten Bunker entstanden zwischen 1941 und 1943. Bis Ende der 50er-Jahre ließ die Stadt noch Bürger und Studenten in einigen der fensterlosen und kaum beheizten Ungetüme hausen. Im Bunker Scheibenstraße befand sich sogar ein Kindergarten. Farbmuster und simple Malereien an kalten Bunkerwänden zeugen heute noch von jener Zeit. In der 80er-Jahren überlegten Polizei und Stadt, ob in diesem Bunker Hafträume eingegittert werden könnten, um extremistische Straftäter aus dem Verkehr zu ziehen. „Aber das wurde verworfen”, sagt Stadtmüller.

Inzwischen sind Mobiliar und Heizungsanlage entfernt. Die Lüftungsanlage, Wasserleitungen und Elektrik kontrollieren die Experten regelmäßig. Rund 7000 Euro kostet das pro Jahr. Jetzt rechnet man mit Investoren, die zumindest an der Lütticher Straße Profit versprechen - in kultureller und/oder finanzieller Hinsicht.
Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert