Bombe im Aachener Müschpark entschärft

Von: Stephan Mohne
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Gefährliches Weltkriegsrelikt in grüner Idylle: Im Müschpark am Lousberg wurde eine Fünf-Zentner-Bombe entdeckt. Foto: Michael Jaspers
Bombe
Um 10.59 Uhr gab es einen lauten Knall: Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes haben am Fuße des Lousbergs die Bombe entschärft. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Fritz Ramacher und sein Team haben einen explosiven Job. Einen lebensgefährlichen noch dazu. Und der hat die Männer vom Kampfmittelräumdienst aus Kerpen an diesem Mittwochmorgen mal wieder nach Aachen gezogen.

Der Auftrag: Eine Bombe und eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich machen. Ort des Geschehens: der idyllische Müschpark am Fuße des Lousbergs. Es ist schließlich genau 10.59 Uhr, als ein lauter Knall die Stille in der Soers durchdringt. Es ist aber nicht etwa die Bombe, die da explodiert ist. Der haben Fritz Ramacher und Co. den Zahn in Form des Zünders gezogen. Die Granate hingegen haben sie kontrolliert in die Luft gejagt.

Rückblende: Seit Wochen schon wundern sich Spaziergänger und Jogger, was Experten da im Müschpark mit Metalldetektoren machen. Zeitweise gleicht der Hügel zum Lousberg hinauf einem Slalomhang, denn reihenweise stecken Markierungsstangen im Boden. Meter für Meter wird der Boden des Müschparks abgesucht. Kartenmaterial der britischen Luftwaffe aus dem Krieg ist der Grund für die Aktion. Denn diese haben nahegelegt, dass in diesem Bereich Bomben abgeworfen worden sind. Zunächst ist es nur Metallschrott, der die Geräte anschlagen lässt. Doch das ändert sich schließlich.

Senioren in Sicherheit gebracht

Die Fachleute entdecken ein gefährliches Relikt der Luftangriffe auf die Kaiserstadt. Es ist eine Fünf-Zentner-Bombe. Zu allem Überfluss hat sie auch noch einen chemisch-mechanischen Langzeitzünder. Diese galten zu Kriegszeiten als besonders heimtückisch, denn die Bomben explodierten teils noch Stunden nach dem Ende eines Luftangriffs und rissen so viele Menschen in den Tod, die sich eigentlich bereits wieder in Sicherheit wähnten. Mittlerweile hat an den Blindgängern der Zahn der Zeit genagt – was die Zündmechanismen extrem brisant macht. 2010 explodierte eine Zehn-Zentner-Fliegerbombe mit chemisch-mechanischem Zünder kurz vor der Entschärfung. Drei Menschen kostete das Unglück das Leben.

Ein heikler Job also für Ramacher und seine Leute. Und einer, der auch im Umfeld einiges an Vorbereitung erfordert. So steht nur wenige Meter vom Eingang des Müschparks das Seniorenwohnheim St. Raphael, in dem knapp 120 ältere Menschen ihr Zuhause haben. In dem Haus ist an diesem Mittwochmorgen einiges in Bewegung. Jene Bewohner, die in den Gebäudeteilen zum Park hin wohnen, werden in entferntere Räume gebracht, evakuiert wird das Seniorenwohnheim jedoch nicht. Helfer der Feuerwehr klingeln unterdessen an den umliegenden Wohnhäusern, deren Bewohner – rund 200 – ihre vier Wände verlassen sollen. Polizei und Ordnungsamt haben den Fundort weiträumig abgeriegelt – so stehen Straßensperren etwa an der Ecke Soerser Weg/Strüverweg. Auch am Lousberg sind die Wege teils abgeriegelt.

So sind Fritz Ramacher und seine Leute allein auf weiter Flur, als um 10 Uhr die Entschärfung der Bombe beginnt. Nachdem der Zünder entfernt und auch noch die Granate gesprengt ist, ertönen drei Fanfarenstöße. Entwarnung. Und wenn die Bombensuche im Müschpark komplett erledigt ist, kann die Stadt das tun, was sie mit der rund 11 000 Quadratmeter großen, Anfang des 19. Jahrhunderts angelegten Grünfläche am Gut Müsch vorhatte: sie als Naherholungsgebiet noch attraktiver machen. 2010 ist der Müschpark mit dem Attribut „Für die Geschichte der Gartenkunst im Rheinland von besonderer Bedeutung“ von der Stadt zum Denkmal gemacht worden und steht zudem gemeinsam mit dem Lousberg in der Biotopliste. Früher war der Müschpark in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. 2005 übernahm die Stadt das Areal. Mit mindestens einer gefährlichen Altlast, wie sich jetzt herausgestellt hat. Die Feuerwerker um Fritz Ramacher haben sie an diesem Mittwochmorgen ein für allemal unschädlich gemacht.

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