Bombe: Ausnahmezustand in Aachen

Von: Stephan Mohne
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Voller Einsatz: Rund 250 Helfer der Polizei, der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes, der Stadt und der Bahn hatten mit der Evakuierung von 3000 Menschen in Aachen alle Hände voll zu tun. Grund: eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg, die nahe der Innenstadt gefunden wurde. Foto: Ralf Roeger
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Die entschärfte Bombe: Der Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Freitag Aachen in Atem gehalten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es war genau 0.35 Uhr Samstagmorgen, als die Experten des Kampfmittelräumdienstes der Bombe den Zahn zogen. Es folgte allgemeines Aufatmen. Denn nachdem die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich entschärft war, konnte das Leben am Rande der Aachener Innenstadt wieder seinen gewohnten Lauf nehmen. Das tat es am Freitagnachmittag stundenlang nicht.

Vielmehr herrschte rund um den Aachener Westbahnhof der Ausnahmezustand. Und weit darüber hinaus waren die Folgen spürbar. So musste wegen der Sperrungen auch die für den Freitagnachmittag geplante Kinderuni der RWTH und unserer Zeitung, zu der regelmäßig 700 Kindern ins Aachener Audimax strömen, aus Sicherheitsgründen abgesagt werden.

Um 13.30 Uhr nahm diese Geschichte in fünf Metern Tiefe ihren Lauf. In einer Baugrube stießen Arbeiter auf ein gefährliches Relikt aus Weltkriegstagen. Im Boden nahe dem Westbahnhof verbarg sich ein Zehn-Zentner-Sprengsatz britischen Ursprungs. An dieser Stelle graben gerade die Stadt und die Stadtwerke, um Kanäle und Stromleitungen zu erneuern.

Gleich nebenan wird Europas modernstes Hörsaalzentrum für die RWTH gebaut. Sofort liefen alle Alarmroutinen ab. 250 Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Polizei, des städtischen Ordnungsamtes, der RWTH, der Deutschen Bahn und der Katastrophenschutzorganisationen rollten ins Einsatzgebiet. Zunächst wurde ein kleineres Gebiet um die Fundstelle herum abgesperrt. Dieses Gebiet sollte später jedoch eine deutliche Vergrößerung erfahren.

400 Meter Evakuierungsradius

Der Kampfmittelräumdienst machte sich auf den Weg und identifizierte nach seinem Eintreffen die Bombe als besagten rund 500 Kilo schweren Sprengkörper mit Aufschlagzünder. Vor Ort und in einem von der Feuerwehr errichteten Lagezentrum gab es eine Konferenz nach der anderen, um auszuloten, wie weit der Evakuierungsradius um den Fundort herum gezogen werden musste. Letztlich wurde ein Radius von 400 Metern festgelegt. Normalerweise sind es bei einem derartigen Sprengsatz sogar 500 bis 600 Meter. Da die Bombe aber derart tief im Boden lag, blieb man in diesem Fall darunter.

Gleich neben dem Fundort verläuft auch noch eine große Gasleitung zur Versorgung weiter Teile der Innenstadt. Insgesamt, so rechnete Ron-Roger Breuer, Einsatzleiter des Aachener Ordnungsamtes, vor, leben in dem Radius rund 3000 Menschen. Für diese galt es, einen Evakuierungsplan aufzustellen. Die eigentliche Evakuierung verzögerte sich allerdings, erst gegen 18 Uhr stand fest, wer seine Wohnung verlassen sollte.

Unter anderem über die Online-Portale unserer Zeitung und die lokalen Radiostationen wurden die Anwohner des betroffenen Bereichs aufgefordert, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen. Die Feuerwehr schickte Lautsprecherwagen los. Die RWTH-Gebäude rundherum waren schon früh geräumt worden. Auch die Hauptmensa an der Turmstraße war betroffen.

Für die evakuierten Anwohner standen auf dem Bendplatz Busse bereit, die sie zum RWTH-Gebäude an der Ahornstraße – die ehemalige Pädagogische Hochschule – brachten. In der dortigen Aula war für bis zu 800 Personen eine Versorgungsstation eingerichtet worden. Am Abend füllt sich der Saal, ein Bus nach dem anderen brachte die Evakuierten dorthin. Krankenwagen wurden zum Transport von Gehbehinderten eingesetzt.

Verkehrschaos

Genau um 16.13 Uhr war zudem die Bahnstrecke Aachen-Mönchengladbach wegen des Bombenfunds gesperrt worden. Allerdings fahren dort derzeit ohnehin keine Züge, da im Aachener Stadtteil Laurensberg eine Bahnbrücke erneuert wird. Betroffen gewesen wäre sonst in erster Linie die Regionalbahn 20. Deren Passagiere waren dann aber indirekt doch betroffen. Denn statt der Züge fahren derzeit Busse als „Schienenersatzverkehr“. Und der musste nun aufgrund der besonderen Umstände auch umgeleitet werden.

Indes hatten in einem weiten Umfeld des Bombenfundorts tausende Autofahrer im Berufsverkehr damit zu kämpfen, an ihren Zielort zu kommen. Denn unter anderem war die Roermonder Straße, eine der wichtigsten Ein- und Ausfahrtstraßen der Stadt, gesperrt. Das führte zu teils chaotischen Verhältnissen – auch noch in mehreren Kilometern Entfernung. So ging auf der Krefelder Straße stadteinwärts kaum noch etwas. Da sich der Verkehr in Aachen wegen der Sperrung des Europaplatzes auf möglichen Ausweichstrecken ohnehin derzeit „knubbelt“, kam es zu enormen Staus.

Die Evakuierung begann erst weit nach 19 Uhr und dauerte rund zwei Stunden. Erst danach konnten die Experten des Kampfmittelräumdienstes mit der gefährlichen Arbeit beginnen. Diese war dann jedoch recht schnell erledigt. Zu nächtlicher Stunde wurden alle Sperrungen aufgehoben, die Menschen konnten wieder in ihre Wohnungen. Lokales

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