Aachen - Bombardier: Klassische Klänge, die vielen Mut machen

Bombardier: Klassische Klänge, die vielen Mut machen

Von: Julia Gröbbels
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Gelebte Solidarität: Das Sinfonieorchester Aachen spielte mit GMD Kazem Abdullah zum Jahresende eigens für die Bombardier-Mitarbeiter und deren Familien im Eurogress. Foto: Sven Klein

Aachen. Die Stimmung im Eurogress am Silvestermorgen ist gut – trotz allem: Viele Mitarbeiter der Firma Bombardier sind mit ihren Familien und Freunden hergekommen, um dem Neujahrskonzert schon einen Tag vor allen anderen zu lauschen und – zumindest für ein paar Stunden – die Sorgen um ihre Arbeitsplätze zu vergessen.

Die Geschäftsleitungen des Eurogress Aachen und das Sinfonieorchester Aachen mit Generalmusikdirektor Kazem Abdullah haben die Mitarbeiter des von der Schließung bedrohten Aachener Werks zu dieser ganz besonderen Generalprobe eingeladen, um sie beim Kampf um ihre Arbeitsplätze zu unterstützen.

Schon im Foyer kümmert sich das Servicepersonal gut um die besonderen Gäste: Die üblichen Einlasskontrollen fallen weg. Stattdessen gibt es Sekt, Orangensaft und Heißgetränke für jeden. „Wir finden das so toll, dass wir so viel Unterstützung erfahren. So kann man zumindest mal für einen Tag vom Alltag wegkommen und etwas Entspannung erfahren“, sagt Lagerfachkraft Axel Collar.

Solche Momente der Entspannung und Sorglosigkeit gab es in der letzten Zeit selten für die rund 600 Mitarbeiter des Aachener Bombardier-Werkes, die immer noch um ihre berufliche Zukunft bangen müssen. „Hier gibt man uns das Gefühl, dass wir mit unseren Sorgen nicht allein sind. Hier werden wir wertgeschätzt – das ist für unsere Moral sehr wichtig“, sagt er.

Auch Industriekauffrau Lea Merlotte freut sich sehr über die Solidaritätsbekundung und hat nur einen Wunsch für das neue Jahr: „Ich wünsche mir, dass es weitergeht. Dafür werden wir auch 2013 kämpfen, denn wer nicht kämpft, hat schon verloren“, meint sie.

Viele Gemeinsamkeiten

Mit den Worten „Herzlich Willkommen, liebe Talbötter!“ begrüßt Werner Gronen vom Orchestervorstand das ganz spezielle Publikum. Und er zieht viele Parallelen zwischen der Geschichte des Waggonbauwerkes Talbot und der Geschichte des Orchesters. So seien beide etwa zur selben Zeit – nämlich vor etwa 150 Jahren – gegründet worden. „Beide sind Institutionen in der Stadt, und man kann sich nicht vorstellen, dass eine davon nicht existiert“, sagt er.

Der ehemalige Firmenchef Richard Talbot sei ein besonderer Liebhaber klassischer Musik gewesen und habe unter anderem ermöglicht, dass das Orchester – in einem vom Krieg verwüsteten Aachen – das Werk als Proberaum nutzen konnte. „Wir haben auch nicht vergessen, dass Bombardier das Orchester bei den Kurpark Classics unterstützt hat“, so Gronen.

Lobend erwähnt er auch den Einsatz des Betriebsratsvorsitzenden Josef Kreutz und erntet dafür reichlich Applaus. Jetzt sei die Zeit, etwas zurückzugebe: Ganze zwei Stunden beglücken die Musiker das Publikum mit einem rauschenden Neujahrskonzert unter dem Motto „Johann Strauss in Amerika“, unter anderem mit Walzern, die Strauss 1872 komponierte. Außerdem gibt es mit dem „Großen Festmarsch“ einen Blick voraus auf das Richard Wagner-Jahr.

Hochgestimmt und feierlich geht es weiter mit Aaron Coplands „Fanfare for the Common Man“ und dessen farbenprächtiger Orchestersuite „Appalachian Spring“. So dürfen die Mitarbeiter von Bombardier, ihre Familien und Freunde unter dem Eindruck dieser Klänge zumindest für zwei Stunden ihre Sorgen vergessen – und Hoffnung für das neue Jahr schöpfen.

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