Bombardier: Endspurt um Sozialplan

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Einiges geschafft, aber noch nicht alles: Bombardier-Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz.

Aachen. Es ist eine paradoxe Situation. Während gerade hart um Sozialplan und Interessenausgleich für die vom Aachener Bombardier-Ende Betroffenen gerungen wird, stockt man ganz aktuell die Belegschaft kräftig auf. Der Leiharbeiterpool an der Jülicher Straße wird um 60 bis 80 Leute vergrößert. Seit dem Beginn des Kampfes um das Traditionswerk am 18. Oktober 2012 ist die Bearbeitung des noch vorliegenden Großauftrags für die S-Bahn Stuttgart arg in Rückstand geraten.

Bis dahin hatten die Mitarbeiter nämlich drei Schichten gefahren und auch am Wochenende gearbeitet, um termingerecht fertig zu werden. Das änderte sich nach der Hiobsbotschaft schlagartig. Zumindest ein Teil dieser Rückstände soll jetzt wieder aufgeholt werden.

Unterdessen gingen am Freitag die Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat, Gewerkschaft und Bombardier bezüglich des Sozialplans unvermindert weiter. Bis Freitag sollte eigentlich alles unter Dach und Fach sein, denn bis Freitag lief der Vorvertrag zwischen der Baesweiler Quip AG und Bombardier zur Gründung der neuen „Talbot Services GmbH“. Doch auch bei den Verhandlungen gibt es leichte Verzögerungen – wobei die Frist wohl etwas verlängert wird.

Dennoch geht es nun in den Endspurt. Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz ist guter Dinge, dass es kommende Woche erste Ergebnisse gibt. Zeitweise sei das Ganze etwas ins Stocken geraten, habe aber dann wieder Fahrt aufgenommen. Man sei zuversichtlich, die Ziele zu erreichen, die man sich seitens der Arbeitnehmervertreter gesteckt habe, so Kreutz.

Das Ergebnis der Verhandlungen ist auch interessant für die neue Talbot GmbH, bei der die Konditionen für die Mitarbeiter auch noch fixiert werden müssen. Bisher sollen 229 Mitarbeiter plus die Azubis an der Jülicher Straße weitermachen. Sie werden zunächst Lohneinbußen und Mehrarbeit hinnehmen müssen, das war von vornherein gesagt worden. Andererseits soll es eine Gewinnbeteiligung von bis zu 40 Prozent geben. Aber auch zeitlich soll es hier vorangehen.

Die ersten Aufträge sind nämlich längst da. So zum Beispiel dem Vernehmen nach einer vom Bahnhersteller Stadler, einem direkten Konkurrenten von Bombardier. Auch an einem Großauftrag sei man dran, heißt es. Dirk Reuters, bisher Bombardier-Werksleiter und bald geschäftsführender Gesellschafter der Talbot Services, hatte jüngst gegenüber der AZ gesagt, es gebe Interesse von namhaften Bahnherstellern, von Bahnbetreibern, aber auch von branchenfernen Unternehmen. So etwa hinsichtlich eines großen Stahlbauauftrags. Die neue Gesellschaft scharrt sozusagen schon mit den Hufen, um durchstarten zu können.

Eine Frage steht jedoch auch noch im Raum. Haben überhaupt 229 „Talbötter“ Interesse daran, weiter an der Jülicher Straße zu arbeiten? Oder nehmen die meisten die Abfindungen und gehen? „Das ist wirklich eine spannende Frage“, sagt Josef Kreutz. Die Antwort darauf sei natürlich auch davon abhängig, wie in der neuen Gesellschaft die Konditionen aussehen und ob die Mitarbeiter der ganzen Sache letztlich trauen. Bisher seien kaum Leute von Bord gegangen. Lediglich drei Eigenkündigungen habe es gegeben – allerdings aus persönlichen beruflichen Gründen. Ein Mitarbeiter wird Feuerwehrmann, einer hat eine verheißungsvolle neue Stelle, eine Mitarbeiterin wolle zu Hause bleiben.

Der Blick nach vorne hat für Kreutz eine gewaltige Schattenseite. Wenn der Sozialplan steht, geht es an die „Sozialauswahl“. Wer muss gehen, wer darf bleiben? Kreutz: „Dann fängt die eigentliche Drecksarbeit erst an.“

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