Aachen - Bombardier: 100 Tage Kampf, erster Teilerfolg

Bombardier: 100 Tage Kampf, erster Teilerfolg

Von: Stephan Mohne
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Auch die Solidaritätswelle ebbt nicht ab: Weihbischof Karl Reger brachte eine Torte zum „100.“ der Mahnwache vorbei und übergab sie Betriebsratsvorsitzendem Josef Kreutz (Mitte) und Aachens IG-Metall-Chef Franz Peter Beckers (rechts). Foto: Michael Jaspers
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Das mahnende Feuer brennt weiter: Seit 100 Tagen wird am Werktor von Bombardier gegen die drohende Schließung protestiert. Gestern kamen wieder 400 Menschen zusammen. Es gibt einen ersten Teilerfolg.

Aachen. Am 18. Oktober 2012 war es noch warm und die Sonne schien. Die Botschaft des Tages war jedoch dramatisch: Bombardier will sein Werk in Aachen, die alte Waggonfabrik Talbot, zum 30. Juni 2013 schließen. 600 Menschen würden ihre Jobs verlieren. Am 25. Januar 2013 ist es bitter kalt und der Himmel ist grau.

 Die Botschaft des Tages hört sich jedoch zunächst einmal einigermaßen gut. Wie Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz berichtet, habe man mit der Werkleitung eine Vereinbarung getroffen. Bis 30. Juni soll voll durchgearbeitet werden – mit der gesamten Belegschaft inklusive Leiharbeitern.

Das klingt zunächst nicht wirklich nach einem Fortschritt. Ist es aber. Denn ansonsten wären bereits ab 7. Februar Produktion und Belegschaft häppchenweise herunter gefahren worden, um das Werk dann zum 30. Juni auslaufen zu lassen. So erklären es Kreutz und Aachens IG-Metall-Chef Franz-Peter Beckers erklären. „Da ist ein Pflock eingeschlagen worden“, sagt Beckers. Und das bringt natürlich auch etwas Zeit.

An diesem Freitagmorgen versammeln sich rund 400 Menschen am Werktor, vor dem ununterbrochen das Feuer lodert. Der Anlass: Seit genau 100 Tagen halten die „Talbötter“ die Mahnwache am Werk aufrecht, um gegen die drohende Schließung zu protestieren. Insgesamt 27 500 Unterschriften haben sie bisher gesammelt. Sie standen Weihnachten dort, Silvester und überhaupt jeden Tag. Die Zusatzarbeit in drei Schichten und an Wochenenden gibt es natürlich längst nicht mehr. „Und das bleibt auch so, es sei denn, in Berlin wird jemand vernünftig“, sagt Josef Kreutz kämpferisch.

So bleibt dem Konzern denn wohl auch nichts anderes übrig, als mindestens bis Ende Juni in Aachen produzieren zu lassen. Denn hier wird gerade ein 500-Millionen-Euro-Auftrag zusammengeschraubt. 58 Züge der Baureihe ET 430 wollen fertiggestellt werden. Sie sind für die Stuttgarter S-Bahn bestimmt. „In Stuttgart wartet man schon dringend auf die Züge“, sagt Kreutz, und ein Schmunzeln huscht über seine Lippen. Denn auf die Nachfrage, ob schon ein Zug ausgeliefert worden sei, meint er schlicht: „Nö.“ Zwar sind schon mehrere Züge aus dem Werk gerollt. Aber sie sind noch nicht ganz komplett. Es gebe noch einige „Engineering-Probleme“. Und die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt stehe auch noch an. Weil aber in Aachen kein Platz mehr war, mussten 14 Züge in Zülpich „zwischengelagert“ werden, andere in Hagen. Bis Ende Juni, so schätzt Kreutz, könnten die Beschäftigten immerhin 45 Züge schaffen. Aber das sind immer noch 13 zu wenig. Kommt Bombardier in Lieferverzug, sollen Konventionalstrafen von mehreren zehn Millionen Euro drohen.

Bezüglich der Zukunft wollen Kreutz und Beckers den Betroffenen keine Versprechen machen. Und sie geben auch nur wenig über die Gespräche zu Alternativen preis. Fakt ist: An genau diesen Alternativen wird gearbeitet. Eine davon besagt, dass das Werk eine Art Dienstleister für die niederländische und die deutsche Bahn werden könnte – eine Art Wartungs- und Reparaturwerk. Dem Vernehmen nach gibt es aber auch zumindest einen Interessenten, der sich vorstellen könnte, das Werk in seiner heutigen Form fortzuführen. Bisher wurde dies allerdings als noch „sehr vage“ bezeichnet.

So geht der Kampf weiter. Und auch die Solidarität ebbt nicht ab. Am Freitag schauten Weihbischof Karl Reger und Gemeindereferentin Marlis Conen an der Jülicher Straße vorbei und brachten eine Torte mit – passend zum Anlass verziert mit einer 100. Außerdem steht noch der Flug von Caroline Reinartz, die Anteile an Bombardier erworben hatte, zur Aktionärsversammlung nach Kanada aus, wo sie gegen die Schließungspläne Rabbatz machen will. Laut Josef Kreutz wollen bisher rund zwei Dutzend Menschen mitfliegen.

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