Boh glaubse: Das Affentheater rockt den Saal

Von: Albrecht Peltzer
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Affentheater in Perfektion (v.l.n.r.): Herbert Knebel (Uwe Lyko), der „Trainer“ (Detlef Hinze), Ozzy Ostermann (Georg Göbel) und Ernst Pichler (Martin Breuer).

Aachen. King Knebel oder: Wie viel Blödsinn darf‘s sein? „Gute Frage“, würde Uwe Lyko alias Herbert Knebel sagen. Und weiß Rat: „Merk sie dir.“ Auch das Rätsel, was der selbsternannte Ruhrpott-Rentner mit dem König des Rock&Roll gemein hat, bedarf einer genaueren Analyse. Daher: „Gute Frage, merk sie dir . . .“ Boh glaubse, was für ein Affentheater ist das denn?

Fragen über Fragen

Viele Fragen, keine Antworten. Aber ganz viel zwerchfellstrapazierende Komik, feinster Rock&Roll in abstrus-aberwitziger Interpretation, Slapstick oder einfach nur – Blödsinn. Herbert Knebels Affentheater rockte am Sonntagabend mit seinem Programm „Der Letzte macht dat Licht aus“ das restlos ausverkaufte Audimax an der Wüllnerstraße. Auch hier, wie überall auf der Tour, ist es ein Heimspiel für die Nummer eins im Blödelbusiness. Knebel-Fans sind ein dankbares Publikum. Man lässt sich fallen, stellt sich ein auf zweieinhalb Stunden puren Nonsense mit ein wenig Hintergrund. Affentheater eben. Ein massiver, aber dankbar angenommener Angriff auf die Lachmuskeln.

Knebels Alltagsphilosophie rund um seine bessere Hälfte „Guste“, um die chemische Änderungsschneiderei, den Kaffee im „Schtabbacks“ oder den „Firrus“ im „Kommputer“ sind hinlänglich bekannt – und doch immer wieder urkomisch. Das liebenswerte Outfit – braune Hose, Hosenträger, weißes Hemd und Kappe („weiß der Deuwel, wie‘s da drunter aussieht“) – hat das Zeug zum Kult-Kostüm. Und seine Art, Hochdeutsch als Dummdeutsch zu persiflieren, garantiert ihm „stehende Owwelationen“ in jedem Saal.

Aber es ist eben nicht nur die Kunstfigur Knebel, die die Säle füllt. Das Affentheater kommt als Gesamtkunstwerk daher. Der „Trainer“ am Schlagzeug (Detlef Hinze), Gitarrist Ozzy Ostermann (Georg Göbel) und Bassist Ernst Pichel (Martin Breuer) stehen ihrem Frontmann in nichts nach. Da darf sich „Hebbäät“ nach fetziger Tanzeinlage schon einmal eine kurze Pause im Backstagebereich gönnen, der Rest der Truppe übernimmt mühelos die Regie. Nachdenklich analysiert Ernst das Leben, schnoddrig-proletenhaft berichtet Ozzy vom dreitägigen Urlaub in „Dommrepp“ – inklusive An- und Abreise. Und der Trainer möchte mit liebenswerter Fistelstimme wissen, wie teuer denn „so‘n Appel und so‘n Ei“ wohl wären, die Ozzy für den Trip „inne Gegen‘ vonne Karibik“ ausgegeben hat. Ernst weiß Rat: „Gute Frage, merk sie dir . . .“

Es ist vor allem die perfekte Mischung aus Comedy und Musik, die dem Programm so viel Spritzigkeit genehmigt. Georg Göbel ist ein Saitenvirtuose par excellence, der das Rhythm-and-Blues-Repertoire von den Beatles bis zu den Stones beherrscht, Martin Breuer und Detlef Hinze grooven an Bass und Schlagzeug, dass ihnen jede Rock&Roll-Bühne offen stehen würde. Mit scheinbar sinnentleerten deutschen Texten versehen, wird aus „Brown Sugar“ von den Stones kurzerhand der „Blutzucker“, „Whatever You Want“ (Status Quo) kommt fetzig als „Watt immer jetzt kommt, ihr habbet jewollt“ daher.

Zur letzten Zugabe wird dann die vorletzte Frage beantwortet. Was haben Elvis Presley und Herbert Knebel gemeinsam? Unter lautem Gejohle der rund 1000 Fans entert „Hebbäät“ im weißen Elvis-Glitzerhosenanzug die Bühne und klärt auf: Damals, inne Fünfziger, da hat Knebel einen jungen Mann im Ruhrgebiet kennengelernt, „der aussah wie Elwitz Pressleh“. Boh glaubse: „Es war der Elwitz.“ Und dem hat Knebel den weißen Anzug geliehen, den der mit nach „Lass Wegass“ nahm, um Weltkarriere zu machen, und der das Kostüm „erst nach seinem Tod persönlich zurückschickte“.

Bleibt die allerletzte Frage: Wer macht das Licht aus? Klar, der Letzte. Und wer ist das? Der Trainer? Ozzy? Oder Ernst? Oder alle zusammen? Nein, „Hebbäät“ macht das. Bis zum nächsten Mal in diesem Affentheater. Boh glaubse!

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