Bogenschießen: Ein letztes Training an der frischen Luft

Von: Laura Beemelmanns
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Wer denkt, dass Bogenschießen einfach oder gar langweilig ist, der täuscht sich. Es erfordert eine ganze Menge Konzentration. Foto: Laura Beemelmanns
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Lisa Duisberg und Jan Schlotmann machen es vor, denn...
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... für die beiden gibt es nichts Schöneres, als „das immer Gleiche“ zu tun. Foto: Laura Beemelmanns
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Lisa Duisberg und Jan Schlotmann aus Aachen haben ihr liebstes Hobby gefunden: das Bogenschießen.
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Viele Bogenschützen leihen ihre Ausrüstung. Besonders für Anfänger ist das eine günstige Alternative. Die Bögen kann man beim Hersteller leihen. Das kostet ca. 60 Euro im Halbjahr.

Aachen. Lisa Duisberg geht heute schon zum zweiten Mal auf die große Wiese an der Hitfelder Straße in Aachen-Hitfeld. Diesmal mit Metalldetektor. Irgendwo muss er doch sein, der eine Pfeil, der zwischen den beiden großen Stroh-Zielscheiben hindurch geflogen und im hohen Gras scheinbar für immer verschwunden war.

Lisa gibt nicht auf. Und so viel darf verraten werden: Sie wird auch noch ein drittes Mal mit dem Metalldetektor die Wiese absuchen – ohne Erfolg.

Die 25-Jährige schießt Bogen, inzwischen schon seit zwei Jahren. Genauso wie Jan Schlotmann, ebenfalls 25, er schießt schon seit rund zehn Jahren Bogen. Er kam durch die Pfadfinder auf den Sport und ist seither dabei geblieben. Klar, da geht immer mal wieder ein Pfeil daneben. Dass er nach dreifacher Suche – mit und ohne Metalldetektor, alleine und mit weiteren Bogenschützen – immer noch nicht auftaucht, ist aber eine Premiere für die Bogenschützen der BSG Aachen.

Wieder bricht Lisa Duisberg die Suche nach wenigen Minuten ab. Denn solange sie auf der Wiese unterwegs ist, dürfen die anderen Schützen nicht schießen. Das wäre viel zu gefährlich. Der Metalldetektor hat dieses Mal zwar angeschlagen, gefunden hat sie aber nur einen Ast. Warum ausgerechnet dieser den Alarm auslöste, weiß niemand. Erst wenn Lisa wieder hinter der Linie steht, die am Rande der Wiese gezogen ist, kann das Training weitergehen. Zum zweiten Mal zieht sie von dannen.

Mit Lisa trainieren an diesem Tag noch rund zehn weitere Bogenschützen. In den drei Stunden Trainingszeit herrscht ein reges Kommen und Gehen. Einige der Schützen kommen nur zu Besuch, bringen sogar ihre Hunde mit. Einige andere trainieren nur rund eine Stunde und sind dann wieder weg. Der harte Kern jedoch trotzt den kühleren Temperaturen am Abend und bleibt volle drei Stunden. „Wir trainieren vermutlich das letzte Mal draußen“, sagt Lisa. Bald wird es zu kalt sein für das Außentraining, denn die Sonne geht früher unter. Schlechte Sichtverhältnisse und die kühleren Temperaturen zwingen die Bogenschützen, bald in eine Sporthalle umzuziehen. Doch diesen einen wunderschönen Herbsttag nehmen sie noch mit. Im Licht der langsam untergehenden Sonne schießen die Schützen alle Pfeile, die sie im Köcher haben. Lisa hat nicht sehr viele dabei – und davon liegt auch noch einer irgendwo im Gras. Daher ist sie immer eine der ersten, die all ihre Pfeile in Richtung Zielscheibe geschossen hat. Auch wenn sie früher fertig ist, leicht ist das trotzdem nicht. Der Bogen wiegt rund vier Kilo. Am Körper trägt sie zudem einen Köcher für die Pfeile, einen Brustschutz und einen Schutz am Unterarm. Das sind die Stellen, an denen die Verletzungsgefahr durch die Sehne des Bogens am größten ist – und am schmerzhaftesten, wie Jan Schlotmann aus Erfahrung weiß. Er trägt immer noch eine kleine Verletzung am Unterarm mit sich rum. Aber das gehört eben dazu.

Die größte Kraft muss der Bogenschütze jedoch nicht für das Heben des Bogens, sondern beim Ziehen der Sehne aufbringen. Der eigentliche Schuss des Pfeils ist kaum spürbar. Und man sei so konzentriert und fokussiert, dass man das Gewicht des Bogens irgendwann gar nicht mehr merke, sagt Schlotmann. So trainiert jeder für sich – mal länger, mal kürzer. Alle in einer Reihe aufgestellt. Wer Fragen hat, kann die Fortgeschrittenen fragen oder aber Jörg Pfeiffer, den stellvertretenden Landestrainer, der in vielen Aachener Vereinen angemeldet ist und auch den jungen Bogenschützen in Hitfeld mit Rat und Tat zur Seite steht.

Das Ziel des Bogenschießens ist natürlich die Scheibe zu treffen – und das möglichst immer gleich. Denn Jan Schlotmann sagt: „Bogenschießen ist die Kunst des immer Gleichen.“ Jeder Pfeil, der erste und auch der 20. müssen im besten Fall gleich oder zumindest so ähnlich wie möglich die Zielauflage treffen. Diese ist aus Papier und wird auf das Stroh geheftet. Sie hat einen Durchmesser zwischen 40 und 122 Zentimetern und steht in bis zu 90 Metern Entfernung. Da ist nicht nur ein gutes Auge gefragt, sondern auch Konzentration. Denn etwas immer gleich zu tun, ist gar nicht so einfach.

Auf dem Trainingsgelände an der Hitfelder Straße stehen die Strohscheiben in verschiedenen Entfernungen aufgereiht. Das variiert von fünf bis zu 90 Metern. Die Zielscheibe, auf der wiederum die Kreise eingezeichnet sind, ist das Ziel. Sie muss möglichst häufig und möglichst in der Mitte – eben da, wo es die meisten Punkte gibt, getroffen werden. Und im besten Fall geht auch kein Pfeil daneben. Dieses Pech hat heute leider nur Lisa Duisberg. Aber sie macht sich nichts daraus, ein bisschen Schwund ist ja schließlich immer, heißt es so schön.

Nach rund zwei Stunden zieht die Kälte in die Knochen. Das Training beginnt zwar um 17 Uhr, doch man darf nicht vergessen, dass Herbst ist. Die ersten Bogenschützen gehen nach Hause, sparen sich ihre Kräfte für das nächste Training – in der Halle. Jan Schlotmann und Lisa Duisberg bleiben noch ein bisschen. Sie werden den Pfeil heute nicht mehr suchen, aber noch einige schießen.

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