Blumen und Kekse statt Angst und Verzweiflung

Von: Matthias Hinrichs
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Schulterschluss in Sachen „Willkommenskultur“: Mit Pfarrer Markus Frohn (l.) und Roberto Graf vom Stadtteilbüro überreichten die Initiatorinnen aus Rothe Erde Kekse und Blumen an die Flüchtlingsfamilien in der Barbarastraße. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auch kleine Gesten helfen allemal, den gewaltigen Schock der Vertreibung zu mildern – das brachten 18 strahlende Mienen im Interimsquartier in Rothe Erde weit schöner zum Ausdruck, als viele Worte es vermocht hätten.

Vergangenen Freitag haben drei Flüchtlingsfamilien ihr Notquartier in der Turnhalle der Grundschule Barbarastraße beziehen können – ohne großen „Bahnhof“, aber nach einem ersten, durchaus herzlichen Empfang seitens der Verantwortlichen im Sozialamt und der Pädagogen in der Grundschule selbst.

Lieder aus der Heimat

Die hatten es sich nicht nehmen lassen, handfeste Grüße ihrer Schützlinge zu übermitteln – in Gestalt von zwei vollgepackten Kisten mit Spielzeug, versteht sich. Am Montag nun ergriffen die Gäste selbst mit sichtlicher Freude und Erleichterung die Gelegenheit, sich mit ein paar Liedern aus ihrer Heimat für eine überaus charmante Stippvisite zu bedanken. Mit den ersten Tönen des Kanons „Froh zu sein bedarf es wenig“ war es einer kleinen Delegation aus der unmittelbaren Nachbarschaft, angeführt von Pfarrer Markus Frohn, ihrerseits flott gelungen, die viel zitierten Hemmschwellen vergessen zu machen.

„Wir haben sofort Kontakt zu Pfarrer Markus Frohn und den Leiterinnen der Kitas im Umfeld aufgenommen, um ihnen einen kleinen Willkommensgruß darzubieten“, erzählte Roberto Graf, Sprecher der Stadtteilkonferenz für Aachen-Ost und Rothe Erde. Anne Hardt, Leiterin des Katholischen Familienzentrums St. Barbara und ihre Kolleginnen von der Düppelstraße (die selbst gerade erst ihr Zwischenquartier in Rothe Erde bezogen haben) sowie der Weißwasserstraße, Monika Delnui, Kerstin Löhrer und Silke Grohl, ließen sich nicht zwei Mal bitten.

Sofort organisierten sie Präsentkörbe mit Keksen nebst bunten Blumensträußen, die sie am Montagnachmittag überreichten, um das karge Ambiente der provisorischen Unterkunft in der Grundschule zumindest ein wenig vergessen zu machen.

Letztere, versicherte Sandra Knabe vom Sozialamt beim Rendezvous unter neuen Freunden, dürfte den ersten „Praxistest“ als unabdingbare Zwischenlösung in Sachen Logis indes bereits in Kürze absolviert haben. „Wahrscheinlich bereits am nächsten Wochenende ist die ehemalige Schule an der Franzstraße so weit hergerichtet, dass die drei Familien dort in separaten Räumen wohnen können.“

Insgesamt acht Erwachsene und zehn Kinder im Alter von gerade mal drei Monaten bis 16 Jahren müssen dort nur noch sanitäre Einrichtungen und einen Gemeinschaftsraum miteinander teilen – kein Problem, meinte Knabe, nach der Ankunft am 27. November in der zentralen Auffangeinrichtung in Solingen hatten die Flüchtlinge bereits Gelegenheit, einander kennenzulernen.

Weitere Einladungen sind im Übrigen bereits ausgesprochen. „Die Initiatoren des Eilendorfer Bündnisses für Integration freuen sich schon auf eine gemeinsame Weihnachtsfeier am Mittwoch im Pfarrheim von St. Severin“, erzählte Sandra Knabe. Für die tägliche Betreuung und Unterstützung durch eine Sozialarbeiterin und ein Hausmeister-Team – im Zweifelsfall auch rund um die Uhr – sei selbstverständlich längst gesorgt, ebenso wie für eine adäquate Verköstigung, die durch den Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM) gleich nebenan organisiert wird.

Und sollte den Neu-Aachenern die große Decke der Turnhalle an der Barbarastraße in den kommenden Tagen doch mal auf den Kopf fallen, sind erste Exkursionen in die Nachbarschaft auch kein Problem. „Wir freuen uns über jeden, der Lust hat, unsere Angebote auszuprobieren und Kontakte zu knüpfen“, sagte Inge Siemetzki, Leiterin des Kinder- und Jugendhauses St. Barbara.

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