Aachen - „Blitz-Marathon”: Nur 200 Temposünder in sechs Stunden

„Blitz-Marathon”: Nur 200 Temposünder in sechs Stunden

Von: Oliver Schmetz
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Im Visier: Wie hier in Lichten
Im Visier: Wie hier in Lichtenbusch werden bis heute um 6 Uhr in der Städteregion 159, davon in Aachen 86 Kontrollpunkte eingerichtet, um Raser auszubremsen. In den ersten sechs Stunden des Blitzmarathons gingen der Polizei über 200 Temposünder ins Netz. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist eine Szene, wie sie sich an diesem Tag dutzendfach in Aachen abspielt, doch kaum eine andere dürfte so putzig daherkommen wie diese gegen Mittag vor der Kita in der Raerener Straße in Lichtenbusch.

Dort ist ein Autofahrer etwas zu unsanft aufs Gaspedal gestiegen und wird von der Polizeikelle herausgewunken. 46 km/h in der 30er Zone, eindeutig zu viel. Doch während der Fahrer mit missmutiger Miene nach seinen Papieren kramt, ist der unplanmäßige Stopp für die drei Kinder im Auto ein großes Abenteuer.

Fröhlich plaudern sie mit den Polizisten, bis dem ältesten Mädchen offenbar der Ernst der Lage dämmert. „Wie viel musst du bezahlen, Papa?” Es sind 35 Euro. Puh! Das Kind staunt und mustert dann nicht ohne Anerkennung den Polizeibeamten. „Dann verdienst du aber wohl viel!”

Es ist eine Szene zum Schmunzeln, die trotz des ernsten Themas gut zur Stimmung dieses Tages passt. Zwar hat die Polizei seit 6 Uhr früh im Stadtgebiet und in der gesamten Städteregion ein dichtes Netz von Kontrollstellen geknüpft, um dem „Killer Nummer eins” auf Aachens Straßen - dem Rasen - demonstrativ den Kampf anzusagen.

24 Stunden lang wird geblitzt, an insgesamt 159 Messstellen, davon 86 in Aachen, was gemeinhin nicht für großes Schmunzeln im Straßenverkehr sorgt. Doch schon nach den ersten sechs Stunden zieht Ralf Mallmann, der Einsatzleiter des Blitzmarathons, ein „erfreuliches Zwischenfazit”, wie er sagt.

„Die Autofahrer sind sehr diszipliniert unterwegs”, bilanziert der Polizeioberrat, „es gibt nur wenige Geschwindigkeitsübertretungen.” Etwas mehr als 200 sind es bis zum Mittag in der gesamten Städteregion, gemessen am Überwachungsdruck tatsächlich eine überschaubare Zahl.

Der krasseste Ausreißer geht der Polizei auf der Monschauer Straße ins Netz: 97 km/h schlagen für einen Pkw-Fahrer nach Abzug aller Toleranzwerte dort zu Buche, wo eigentlich nur 70 Sachen erlaubt sind. Und auf der Vaalser Straße wird einer mit 74 km/h in der 50er-Zone geblitzt.

Alle Sünder müssen blechen, vereinzelt wird auch über „üble Abzocke” gemotzt, aber der Einsatzleiter betont, dass es der Polizei weniger aufs Geld als auf die Prävention ankommt. Von wegen „Killer Nummer eins”: Dass infolge überhöhter Geschwindigkeit in den ersten Monaten des Jahres acht Menschen gestorben sind, hat die Verantwortlichen im Präsidium aufgeschreckt. Es muss etwas getan werden. „Und wir hoffen dabei auf Akzeptanz bei den Bürgern”, sagt Mallmann.

Dafür stehen die Chancen nicht schlecht, schließlich konnten die Bürger mitmachen bei der Planung des Blitzmarathons. 548 Gefahrenstellen in der ganzen Städteregion haben sie benannt, 334 dieser Bürgerwünsche habe man mit den 159 Messstellen, davon 86 in Aachen, bedienen können, sagt die Polizei.

Allerdings klappt es mit der Umsetzung nicht immer ganz passgenau. Den Gefahrenpunkt vor der Kita in Lichtenbusch hat beispielsweise Herbert Hammers gemeldet. „Im morgendlichen Berufsverkehr, wenn die Monschauer Straße oft dicht ist, nehmen viele den Weg über Lichtenbusch und Sief und rasen hier mit 60 Sachen oder mehr durch die 30er-Zone”, berichtet der Anwohner. Dass die Polizei seinen Vorschlag aufnimmt, findet er gut. Dass das Messteam allerdings gegen 12 Uhr anrückt, als sich der Verkehr vor der Kita in engen Grenzen hält, hält er nicht für so optimal.

„Nicht ganz zufrieden” ist der Bürger auch am anderen Ende der Stadt, in der Laurensberger Schlossparkstraße. Dort hat sich Walter Bock gemeldet, weil er „als Großvater Angst um seine Enkel hat”. Denn die wohnen dort, „wo oft Traktoren ohne jede Rücksicht durchrasen”.

Auch dort ist eine Kita, und vor der steht die Polizei an diesem Morgen und blitzt - obwohl Bock und seine Tochter Sabine Henßen meinen, dass es ein paar hundert Meter weiter vor dem Spielplatz viel gefährlicher ist: „Da wird noch viel schneller gefahren.” Auch hier ist offenbar noch Luft nach oben und genug Stoff für den nächsten Blitzmarathon.

Einsatzleiter Mallmann hat Verständnis für diese vereinzelten Beschwerden, sagt aber auch, dass die Polizei schlicht nicht jeden Wunsch erfüllen kann. „Das wäre personell gar nicht zu leisten.” Um möglichst flächendeckend wahrgenommen zu werden, verfolge man die Strategie, jeweils für kurze Zeit an möglichst vielen Punkten zu kontrollieren. Und das mit der Wahrnehmung funktioniert. Denn die meisten Autofahrer dürften an diesem Tag wohl besonders sensibilisiert sein und viel langsamer fahren als sonst.

Mit einigen Ausnahmen, von denen eine wiederum zum Schmunzeln ist. Denn ein Pkw-Fahrer wurde geblitzt, obwohl er eigentlich sehr für das Thema hätte sensibilisiert sein müssen. Es war ein Medienkollege auf dem Weg zur Berichterstattung über den Blitzmarathon...
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