Aachen - Blinden- und Sehbehindertenverein: Auch nach 110 Jahren noch viel Arbeit

Blinden- und Sehbehindertenverein: Auch nach 110 Jahren noch viel Arbeit

Von: Rolf Hohl
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Harmonische Töne: Zum 110. gab es Musik, doch auf der Geburtstagsfeier des Blinden- und Sehbehindertenvereins wurden auch viele Probleme angesprochen, die im Alltag immer noch existieren. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Es gab zwar einen Grund zum Feiern, aber deswegen ist längst noch nicht alles gut. Seit 110 Jahren gibt es den Blinden- und Sehbehindertenverein der Städteregion Aachen (BSVAC) nämlich schon. In dieser Zeit haben seine Mitglieder einiges durch die Sensibilisierung der Gesellschaft für ihre Bedürfnisse erreicht.

Und auch der technische Fortschritt, so zeigte sich bei der Jubiläumsfeier im Saalbau Kommer, hat einen guten Teil dazu beigetragen. Etwa als der BSVAC in Zusammenarbeit mit den Stadtbibliotheken von Aachen, Würselen, Alsdorf, Herzogenrath und Baesweiler das Angebot um Filme mit Audiodeskription und weitere Hilfsmittel für Sehbehinderte ergänzte. Und auch der Süden ziehe jetzt mit Simmerath und Roetgen nach, so Bernd Neuefeind, der zweite Vorsitzende des Vereins.

Trotz dieser Fortschritte geht diesem und insbesondere Neuefeind als Mitglied im Inklusionsbeirat der Städteregion und des Landes die Arbeit auch in Zukunft nicht aus. Gerade im öffentlichen Raum würden die Belange von Sehbehinderten nur halbherzig berücksichtigt, beklagte er. Wenn es beispielsweise um die Ausstattung von Ampelanlagen mit akustischen Signalgebern geht. „Am Hansemannplatz oder am Kaiserplatz müssen wir teilweise riesige Umwege machen“, so Neuefeind.

Ein anderes Problem sei die unzureichende Kapazität von Blindentransporten in der Städteregion, auch im öffentlichen Verkehr. Noch immer komme es häufig vor, dass Blinde an Bushaltestellen stehengelassen werden, weil sie nicht rechtzeitig den richtigen Bus ausmachen konnten. „Im Vergleich zu früher hat sich sicherlich einiges verbessert, aber im Moment herrscht Stillstand“, resümierte er. Nicht zuletzt deshalb nutzt der BSVAC jeweils den internationalen Tag des Sehens am 6. Juni, um auf die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten aufmerksam zu machen. Im kommenden Jahr ist die Zusammenarbeit mit Museen geplant, um diese auch für Personen erlebbar zu machen, die nur noch wenig oder nichts mehr sehen können.

Zur Bewältigung des Alltags gibt es mittlerweile eine ganze Reihe technischer Hilfsmittel, die am Rande der Jubiläumsfeier präsentiert wurden. Mit sprechenden Armbanduhren, Lesegeräten für Briefe und Banknoten sowie verschiedenen Küchenhilfen meistern Sehbehinderte einen Großteil des täglichen Lebens ohne fremde Hilfe. Und auch Smartphones mit ihren Sprachfunktionen, ergänzte Neuefeind, hätten dazu schon einen großen Teil mit beigetragen.

In Zukunft wolle der Verein seine Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Musikschulen intensivieren. „Es wird hierbei sehr wichtig sein, dass wir den Kontakt zu den Eltern sehbehinderter Kinder herstellen können, das bleibt uns im Moment aus datenschutzrechtlichen Gründen verwehrt, und wir sind auf deren Eigeninitiative angewiesen“, erklärte Neuefeind. Betroffene Eltern, welche die über 110-jährige beratende und begleitende Erfahrung in Anspruch nehmen möchten, finden Kontaktdaten dazu im Internet unter: www.bsv-staedteregion.de.

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