Aachen - Blinden den Stuhl vor die Tür gesetzt

Blinden den Stuhl vor die Tür gesetzt

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
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Barriere für Sehgeschädigte: Caline Strack, Vorsitzende der Kommission Barrierefreies Bauen, bemängelt die Möblierung der Außengastronomie auf Teilen des taktilen Leitsystems – hier die Schlossstraße. Foto: A. Steindl

Aachen. Wer aufmerksam durch die Straßen geht, hat es wahrscheinlich schon einmal wahrgenommen: das sogenannte taktile Leitsystem. Dazu zählen gepflasterte Streifen entlang der Häuserfassaden und Noppenplatten, die markante Punkte wie Ampeln und Kreuzungen kennzeichnen.

Daran orientieren sich unter anderem Sehgeschädigte und Blinde, um sich eigenständig im Stadtgebiet zu bewegen. Doch das System – das in den vergangenen Jahren nicht nur im Aachener Stadtkern erheblich erweitert und bei nahezu allen Neu- und Umbauprojekten integriert wurde – funktioniert offenbar an einzelnen Stellen nicht einwandfrei.

So zum Beispiel in der Schlossstraße. Caline Strack, Vorsitzende der Kommission Barrierefreies Bauen, schildert das Problem: „Hier wohnen im Umkreis von 300 Metern acht Blinde, die bei schönem Wetter regelmäßig über Stühle und Tische der umliegenden Cafés und Restaurants stolpern.“

Möblierung ist erlaubt

Diese Möblierung auf Gehwegen vor den Gastronomiebetrieben wurde von der Stadt offiziell genehmigt. Die Verwaltung hatte vier Gastronomen in der Schlossstraße nach der Fertigstellung der monatelangen Straßenbaumaßnahme inklusive Einbau des Leitsystems im August 2013 die Genehmigung für Außengastronomie zukommen lassen – angeblich auch für den Raum auf eben diesem Leitsystem.

Neben der Schlossstraße seien außerdem der Boxgraben, die Pontstraße und die Lothringerstraße betroffen. Strack fordert daher – und will Druck machen: „Ich möchte, dass das Leitsystem frei bleibt, damit es auch als solches genutzt werden kann. Andernfalls werden wir in Zukunft nur noch taktile Streifen akzeptieren, die mittig auf dem Gehweg platziert sind.“

Axel Costard vom städtischen Presseamt erklärt dazu auf AZ-Anfrage: „Die Stadt Aachen ist ständig bemüht, die Bedingungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu verbessern.“ Und weiter: „Bei Straßenbaumaßnahmen werden grundsätzlich taktile Leitstreifen eingebaut. Der Straßenraum wird inzwischen aber auf vielfältige Art genutzt, wobei häufig Kompromisse gefunden werden müssen.“

Außerdem sei das Interesse der Bürger, ihre Freizeit im öffentlichen Straßenraum zu verbringen, in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Für alle Fußgänger gebe es Einschränkungen, wobei Menschen mit eingeschränkter Mobilität stärker betroffen seien, erläutert Axel Costard.

Generell gilt unterdessen: Fußgängerzonen wurden ausgebaut, Gehwege vielerorts verbreitert, Ampelanlagen für Sehgeschädigte mit akustischen Hilfen ausgerüstet – alles Maßnahmen, die sämtlichen Passanten mit oder ohne Behinderung das Leben per pedes erleichtern.

Eine endgültige Lösung aller Probleme, die Strack als Vorsitzende der Kommission Barrierefreies Bauen anprangert, ist das zwar nicht. Aber Wirte suchen – und finden – zuweilen schon eigene Lösungswege. Sie stellen ihre Tische und Stühle teilweise außerhalb der vorgesehenen Flächen auf, damit der taktile Streifen trotz Außengastronomie frei bleibt. So bleibt auch dies eine Frage der Aufmerksamkeit – und der Toleranz.

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