Blick zurück nach vorn: Zwischen Jugendkultur und Ikonenkult

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
Letzte Aktualisierung:
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Zwölf Jahre lang hat er in Aachen nicht mehr ausgestellt. Nun zeigt Hans Niehus eine Retrospektive seiner Werke im Raum für Kunst. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Hans Niehus nimmt die Sache ernst. Was er zeigt in seiner Retrospektive der letzten 20 Jahre, ist in der Tat mehr als gesellschaftsrelevant. Kritische, politische, sensible bis sarkastische Töne schlägt er an und wird der alten Rolle des Künstlers gerecht, der mahnen und seine Finger in Wunden legen soll.

Nach rund zwölf Jahren Ausstellungsabstinenz in Aachen ist er wieder da und kommt gleich eingangs zur Sache. Mao, der große Führer, schwimmt stolz und heldenhaft in einem Blutmeer, und gleich daneben lässt sich Ulrike Meinhof von Kindersänger Heintje präsentieren.

Gegenüber hängt David Bowie, der mit dem jungen Bert Brecht kuschelt, während die Doors nicht nur mit dem Schmachtblick von Jim Morrison faszinieren, sondern auch mit ihren poppig-schrillen Outfits unter den Türen von Gerhard Richter. Chet Baker lächelt verlebt, aber warmherzig neben jeder Menge Fleisch.

Roh, rot, von Sehnen durchzogen formt das Fleisch als übermalte Collage von Supermarkt-Sonderangeboten den Schädel von Wladimir Iljitsch Lenin, wird mittels Reißtechniken zu roten Felsen und einem feurigen Sonnenuntergang, ehe schließlich Francis Bacon, der auch für seine Vorliebe, Hautkrankheiten detailliert darzustellen, bekannt ist, im wahrsten Sinne des Wortes Fleisch wird. Sein diabolischer Blick kommt aus der Hölle, und wer ihm standhält, lacht sarkastisch auf.

Ein breites Spektrum gesellschaftlicher Realität zwischen Jugendkultur, Ikonenkult und Terrorismus zeigt der aus Westfalen stammende und in Vaals lebende Künstler, der in Düsseldorf Kunst studierte und sich auch mit Bibliotheks- und Dokumentationswesen auskennt. Fein gemalte Aquarelle sind seine Spezialität, mit denen er Gefühle transportiert.

Etwa langweilige Tage in bayrischen Dörfern, wo auf Ortsschildern zwischen Moosburg und Landshut New York angezeigt wird und Andy Warhol mit Velvet Underground auftaucht oder Joseph Beuys mit blutiger Nase sich unter einer Hirsch-Trophäe mit einem Kruzifix Abstand verschafft. Den braucht er nicht mehr beim „Beach Beuys Fluxus“, der mit Strand, Wellen und einer LP Begeisterung auslöst.

Ehrwürdig verharrt der große Meister vom Niederrhein in einem gespaltenen Baumstamm, in dem sich einst der junge Joschka Fischer fotografieren ließ, und wirft Fragen auf. Rätselhaft geben sich auch ungeklärte Phänomene des Landlebens, zauberhaft ist das Porträt einer jungen Haubenträgerin auf Tortenspitze.

Bis zum 24. Juni

Niehus greift ein breites Spektrum an Themen auf, die in den letzten zwanzig Jahren und auch davor relevant waren. Vielschichtig, einfühlsam und dennoch oder gerade deshalb entzaubernd, füllt der Wahl-Vaalser in Aachen eine große Lücke mit schillernd-böser Poesie und Scharfsinn.

Die Ausstellung im Raum für Kunst in der Elisengalerie ist bis zum 24. Juni jeweils dienstags, donnerstags, freitags und samstags in der Zeit von 12 bis 17 Uhr zu sehen. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter Telefon 0241/454 4510.

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