Bleiberger Fabrik: 50-jähriges Jubiläum der Werkwochen

Von: Kathrin Albrecht
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Geschenke aus Ton: Unter den Augen von „Fabrik“-Leiterin Sibylle Keupen und einem Teilnehmer der ersten Stunde, Dr. Karl Allgaier, können die Kinder ihre Kreativität schulen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Selbst kreativ werden, die eigenen Talente entdecken, einmal tun, wozu man Lust hat, nicht nach striktem Lehrplan arbeiten, aber doch systematisch ein Thema erschließen und vertiefen. Nach diesem Konzept arbeiten die Werkwochen der Bleiberger Fabrik – und das mit großem Erfolg. In diesem Jahr feiern die Werkwochen ihr 50-jähriges Jubiläum.

Der Jesuitenpater Erich Lennartz hob die Werkwochen 1965 aus der Taufe. Er war als Religionslehrer und geistlicher Leiter der Katholischen Schüler-Jugendverbände (KSJ) nach Aachen gekommen. „Kinder brauchen Kreativität“, war seine Überzeugung, denn das Kreative sei ein Weg, Gottes Schöpfung näher zu kommen und die eigene Persönlichkeit zu bilden.

„Er war mit seiner Philosophie sehr visionär“, sagt Sibylle Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik. „Wir diskutieren in der Pädagogik heute noch die gleichen Fragen: Wie können wir einen Ausgleich zum kognitiven Lernen schaffen und wie können wir den Menschen als Ganzes fördern?“

Im Oktober 1965 startete die erste Werkwoche mit 82 Teilnehmern. Schon damals deckte das Angebot viele musisch-kreative Bereiche ab: Die Teilnehmer arbeiteten mit Holz, Ton oder Glas, malten oder schulten ihre rhetorischen Fähigkeiten.

Zu den Teilnehmern der ersten Werkwoche gehörte Karl Allgaier, heute Direktor der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen. Er besuchte den Kurs „Wort und Spiel“, der im damaligen Jugendheim des KSJND, des katholischen Schüler-Jungenverbandes in der Salvatorstraße und in der Aula der Viktoriaschule stattfand: „Das Gedicht des Münchener Lyrikers Eugen Roth, das ich in dieser Woche vortragen lernte, kann ich heute noch.“

Die Woche war auch in anderer Hinsicht prägend für ihn: „Die Werkwoche hat mir gezeigt, dass ich auf dem Gebiet Neigungen habe. Sie war ein Mosaiksteinchen für meine spätere Entwicklung“, sagt Allgaier. 1967 wurden auch politische Debattierclubs angeboten. Waren die ersten Werkwochen noch reine Jungenveranstaltungen, kamen 1968 die Mädchen dazu, der Verein „Jugendwerk für internationale Zusammenarbeit“ wurde gegründet.

Zehntausende Kinder haben die Werkwochen seit ihrem Bestehen erreicht, die aus Aachen, Köln, Düren, Mönchengladbach oder Düsseldorf kommen. Ihren Standort wechselten die Werkwochen über die Jahre, bis mit der Bleiberger Fabrik 1980 ein dauerhafter Standort gefunden wurde.

Getragen wird die Bleiberger Fabrik heute vom Bildungswerk Carolus Magnus und den Jugendverbänden der Gemeinschaften Christlichen Lebens. Zehnmal im Jahr finden die Werkwochen statt, im Sommer packt die Fabrik einen Siebeneinhalbtonner und schlägt ein Sommerlager in der Eifel auf. „80 bis 120 Kinder sind hier regelmäßig“, sagt Sibylle Keupen. Kinder, die von außerhalb kommen, übernachten in der Jugendbildungsstätte am Rolleferberg.

Übernachten muss der siebenjährige Juri Heitkamp nicht. Er ist in diesem Jahr zum ersten Mal bei den Werkwochen dabei. Mit Ton arbeitet er an einem Ostergeschenk für die Eltern und Geschwister. „Vor allem das Formen ist toll“, erzählt er. Viele, die als Kinder an den Werkwochen teilgenommen haben, engagieren sich später ehrenamtlich als Teamer für die Kinder- und Jugendgruppen.

So wie Yannick Bonitz und Nemron Iyassu, die auch einen Teil der Jubiläumswerkwoche organisieren, die vom 6. bis zum 9. August in den Räumen der Fabrik und im Westpark stattfindet. Eine Ausstellung zeigt Kunstwerke, die in den 50 Jahren Werkwochen entstanden sind, auch die Werkstätten bieten eine Art Rückschau mit Kursangeboten wie Batik oder Tiffany-Glaskunst, schlagen auch den Bogen zum aktuellen Angebot mit Foto- und Videokursen.

Daneben bereiten Jugendliche die Aufführung des Musicals „Die Fabrik“ vor, deren Geschichte sie selbst erarbeitet haben. Der 8. August ist als offener Werktag geplant, wo alle Aachener zum kreativen Tun in den Westpark eingeladen sind. Auch Karl Allgaier ist mit einem Angebot dabei: Er bietet einen Kurs zum Öcher Platt an.

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