Bleiben Walheims Kinder auf der Strecke?

Von: Thorsten Karbach
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Werden diese Kindergartenkinder ausgesperrt? In Walheim sind 69 Anmeldungen für die Gemeinschaftsgrundschule eingegangen. Es gibt aber nur 60 Plätze. Und 65 Kinder haben einen Rechtsanspruch. Die Eltern fordern eine weitere erste Klasse. Foto: Michael Jaspers

Walheim. Hartmut Blumberg hat Angst, dass sein Kind auf der Strecke bleiben könnte. Auch im buchstäblichen Sinne - auf der nach Kornelimünster oder Oberforstbach. Blumberg hat seinen Sohn an der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Walheim angemeldet.

Weil er von der Schule überzeugt ist, weil die Blumbergs ein Haus in Walheim gekauft haben und weil der Sohnemann dort die Kita besucht und seine Freunde dort leben. Doch weil sich 69 Kinder an der GGS angemeldet haben, ist nicht klar, ob das Kind auch einen Platz an der Schule bekommen wird. Denn dort gibt es laut Schulentwicklungsplanung nur zwei erste Klassen (zwei Züge). Und eine Klasse darf laut Schulgesetz maximal 30 Kinder (minimal 18) haben. Macht 60 Plätze.

Es geht - erstmal - um neun Kinder

Neun Kinder sollen also, so schreibt es die städtische Planung vor, im nächsten Schuljahr statt in Walheim an einer anderen Grundschule eingeschult werden. Die nächsten Schulen sind vier und fünf Kilometer entfernt, liegen in Kornelimünster und Oberforstbach. Das Problem in Walheim: 65 Kinder wohnen in dem Stadtteil. Hier werden sogar 92 neue schulpflichtige Kinder gezählt. Für sie ist die GGS die nächstgelegene Grundschule, und auf die haben sie einen Rechtsanspruch. Dennoch werden wohl fünf Kinder erst einmal abgelehnt werden müssen. Es sei denn, die Politik spricht sich heute im Schulausschuss für eine dritte erste Klasse in Walheim aus. Einen Antrag hat die Schule gestellt - wie auch die Brander Karl-Kuck-Schule.

Das Problem ist bekannt: Jedes Jahr gibt es Grundschulen, die zu viele Anmeldungen haben. In diesem Jahr sind es zehn (wir berichteten). Und jedes Jahr protestieren Eltern gegen die Ablehnungen. Doch zuletzt waren es meist besonders beliebte Grundschulen, und die abgelehnten Kinder hatten keinen Rechtsanspruch. Das ist in Walheim anders. „Das ist eine richtige Stadtteilschule”, sagt Pflegschaftsvorsitzende Beate Weiß. Die Eltern fordern eine weitere Klasse -Êmit aller Vehemenz. „Es heißt doch, im Bedarfsfall kann über zusätzliche Eingangsklassen entschieden werden. Und hier ist der Bedarf. Wir würden auch nicht die Existenz anderer Schulen gefährden”, sagt sie.

Nicht genug Platz

Die Stadtverwaltung verweist auf das Raumangebot. „Wir haben nicht genug Platz”, sagt Pressesprecher Björn Gürtler. Die GGS teilt sich das Gebäude allerdings mit der Peter-Härtling-Förderschule. Weitere Räume wurden für eine heilpädagogische Tagesgruppe vermietet. Man werde - auch in Abstimmung mit Schulrätin Ulla Roder - bei der Planung bleiben, die Schule bleibe weiterhin zweizügig, heißt es bei der Stadt. Das erzürnt die Eltern, sie denken etwa an eine Pavillonlösung oder eine Nutzung des Computerraumes. „Ist die Schulentwicklungsplanung für das Wohl unserer Kinder geschrieben worden, oder haben sich die Kinder nach der Schulentwicklungsplanung zu richten?”, fragt Stefan Clemens. Seine Tochter besucht die Schule. Sein Sohn soll eingeschult werden - wenn es denn Platz für ihn gibt.

Schon im letzten Jahr war es eng geworden in Walheim. 61 Kinder waren angemeldet, ein Kind wurde kurzfristig an eine andere Schule geschickt - damit reichten zwei Klassen. Das Thema ist also nicht neu. Weiß hatte 2007 zum ersten Mal die Verwaltung darauf hingewiesen, dass zwei Eingangsklassen in Walheim künftig nicht ausreichen. Vergebens. Die Schulentwicklungsplanung hat sichÊseitdem nicht verändert. Allerdings stammt sie aus einer Zeit, in der die Walheimer Grundschule nicht sehr beliebt war. Das ist jetzt anders. Walheimer Kinder wollen in Walheim in die Grundschule. 222 Kinder besuchen sie mittlerweile. Prognostiziert waren 177.

Der juristische Weg

Den Eltern bleibt wohl nur der juristische Weg in die Schule. „Ich will aber nicht, dass mein Kind von einem Richter eingeschult wird”, sagt Blumberg - der von der Stadt mit einem Schreiben über die Einschulung aufgeklärt wurde, in dem durchweg Termine aus dem Jahr 2009 angegeben waren. Die Fahrt mit dem überfüllten Linienbus, der letztlich auch ältere Schüler zu den Schulen in die Stadt bringt, ist keine Alternative. „Das kann man keinem Erstklässler zumuten”, sagt Sabine Clemens. So würden die Kinder gewiss auf der Strecke bleiben.

Schulausschuss: Kurzfristige Entscheidung

Die Ratsmehrheit von CDU und Grünen wird am Donnerstag im Schulausschuss (17 Uhr, Mozartstraße) „kurzfristig” über die Verwaltungsvorlage und eine zusätzliche erste Klasse in Walheim entscheiden. Vor der Sitzung werde es noch einmal ein Treffen mit Dezernent Wolfgang Rombey und Fachbereichsleiterin Elke Münich geben. „Wir wollen aber den Elternwillen nicht ignorieren”, sagt Christian Steins (CDU), nennt eine „Buslösung” denkbar. „ Wir wollen die Schulen nicht ärgern, es geht darum, alle vernünftig zu versorgen”, erklärt Ulla Griepentrog (Grüne).

Die SPD werde laut Sprecher Mathias Dopatka wohl für die Vorlage stimmen. „Eine neue Klasse werden wir nicht mittragen”, verkündet wiederum Georg Biesing (Linke). Die FDP ist für diese weitere Klasse. „Ich kann kein sechsjähriges Kind in den Linienbus setzen. Wenn es keinen Platz gibt, muss eine kreative Lösung her”, sagt Gretel Opitz.
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