Bistum rechnet mit Sturzflug der Einnahmen

Von: Robert Esser
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Aachen. Die Kirchensteuereinnahmen des Aachener Bistums befinden sich im Sturzflug. Die Diözese rechnet 2010 mit einem Einbruch von bis zu 25 Prozent.

Mit 165 Millionen Euro rangieren die erwarteten Steuereinnahmen mindestens 40 Millionen unter dem Jahr 2008 (205,9 Millionen). Schon für das laufende Jahr erwartet das Generalvikariat einen heftigeren Rückgang als der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, es noch am Mittwoch mit einem künftigen Minus von 10 Prozent befürchtete.

„Wir rechnen 2009 mit 15 Prozent weniger Kirchensteuermitteln und 2010 sogar mit 25 Prozent weniger als im Jahr 2008”, erklärte der Finanzdirektor des Bistums, Joachim Eich. Zollitsch hatte betont, dass die katholische Kirche möglichst wenige Arbeitsplätze abbauen wolle. Im Bistum Aachen war die Mitarbeiterzahl bereits seit 2003 von 939 auf aktuell 415 Stellen reduziert worden.

Gründe für den Einbruch der Kirchensteuereinnahmen sehen Experten nicht nur in der Austrittswelle 2008. Bundesweit war die Zahl der Kirchenaustritte von 93.000 auf 120.000 gestiegen. Das Amtsgericht Aachen verbuchte mit 1623 Austritten einen Rekordwert, der 2009 aber deutlich unterschritten werden soll.

Das Generalvikariat nannte Ursachen der Finanzmisere: „Die Erhöhung des Grundfreibetrags, die Absenkung des Steuersatzes und die Absetzbarkeit der Aufwendungen für Kranken- und Pflegeversicherung werden zu einem niedrigeren Einkommensteueraufkommen und damit zu geringeren Kirchensteuereinnahmen führen”, hieß es. Und weiter: „Es ist davon auszugehen, dass der Wegfall konjunkturstützender Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld und die sogenannte Abwrackprämie sich negativ auf den Arbeitsmarkt und damit auf das Steueraufkommen auswirken wird.”

Im Gegensatz zur großen Finanzkrise nach der Jahrtausendwende sieht sich die Diözese vor der neuen Talfahrt gewappnet: 2007 und 2008 habe man vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert und Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe gesichert. Finanzdirektor Eich rechnet 2010 sogar mit einer schwarzen Null beim Jahresergebnis: „Ja, nach den bisherigen Einschätzungen können wir das schaffen”, sagte er.

Allerdings fährt das Bistum seine Ausgaben extrem herunter: Die Aufwendungen - für Personal, Pfarren etc. - würden laut Budgetplan schon 2009 auf 234,3 Millionen beschnitten. Das sind 43 Millionen Euro weniger als 2003, obwohl die Einnahmenseite heute fast so schlecht aussieht wie damals. Dennoch warnte das Bistum vor Panikmache. „2010 werden wir die Talsohle der Wirtschaftskrise durchschritten haben”, so Eich.
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