Bistum muss verstärkt auf „Hobby-Musiker” setzen

Von: Joachim Peters
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Aachen. Soviel Umbruch war noch nie in der jüngeren Geschichte der Katholischen Kirche. Stichworte gibt es genug hierfür: Priestermangel, Zölibatsdiskussion, Pfarrfusionen, demografischer Wandel samt Steuerrückgang.

All dies betrifft zunehmend das Leben der Regionen und Gemeinden auch im Bistum Aachen. Und all dies hat auch Auswirkungen auf die Musica Sacra. René Rolle, Regionalkantor der Bistumsregion Aachen-Land, bringt es auf den Punkt: „Alle Welt redet vom Priestermangel. Doch wir werden im Bistum bald noch weniger Kirchenmusiker als Priester haben.”

In den vergangenen Jahren haben viele hauptberufliche Kirchenmusiker die unsichere Sitzbank auf der Orgelempore verlassen und sich anderen Berufen außerhalb der Kirchenmusik zugewandt. Manche wechselten an eine Musikschule, andere sind wegen schon vorhandener pädagogischer Qualifikationen oder nach „Draufsatteln” eines Referendariats vom Kirchen- in den Schuldienst gewechselt. Folge: Immer mehr Chöre und Orgeln sind unversorgt, die Zahl der Gottesdienste ohne musikalisch-liturgische Gestaltung durch einen ausgebildeten Kirchenmusiker steigt.

In vielen Gemeinden wird dieser Notstand - wenigstens teilweise - durch den Einsatz von nebenberuflichen Aushilfen behoben. Sie arbeiten zusammen mit „professionellen” Kirchenmusikern oder sind eigenverantwortlich in den Gemeinden tätig. Nebenberufliche Organisten und Chorleiter werden immer wichtiger - so oder so. „Wenn die Kirche das liturgische Niveau der Gottesdienste auch ohne einen Hauptamtler vor Ort einigermaßen halten will, muss in die Ausbildung der bisherigen Hobby-Kirchenmusiker investiert werden”, sagt Rolle.

Nun gibt es in der Kirchenmusiker-Ausbildung des Bistums Aachen bereits ein Instrumentarium hierfür: die Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker, das sogenannte „C-Examen”. „Es hat immer Menschen gegeben, die aufgrund ihrer Liebe zur Kirchenmusik neben beruflichen oder privaten Verpflichtungen eine zusätzliche Ausbildung angestrebt haben, die sie qualifiziert, nebenberuflich als Chorleiter oder Organist tätig zu werden”, erzählt Rolle. Für jemanden, der aber einmal das C-Examen „in der Tasche” gehabt habe, sei dies nicht selten der Einstieg in die hauptberufliche Kirchenmusiker-Laufbahn gewesen. Diese Chance böte sich auch jetzt - gerade in Zeiten, in denen in vielen Kirchen keine „Hauptamtler” mehr tätig sind.

Von Professor bis Taxifahrer

Rolle, der mit den anderen Regionalkantoren des Bistums die Schützlinge während einer zweijährigen berufs- oder schulbegleitenden Ausbildung an seiner Orgel unter die „Fittiche” nimmt, betont: „Unsere C-Leute bilden eine ausgesprochen heterogene Lerngruppe, die in den vergangenen Jahren vom 17-jährigen Gymnasiasten über die 30-jährige Krankenschwester bis zum Taxifahrer und Medizinprofessor in den mittleren Mannesjahren reichte.”

Am 4. September können sich Interessierte für das C-Examen in Kirchenmusik in Aachen einer Aufnahmeprüfung stellen. Orgelkenntnisse sind nicht nötig. Neben Klavier- und Orgelunterricht bei den Regionalkantoren erlernen die künftigen C-Musiker notwendige theoretische Grundlagen für die kirchenmusikalische Praxis. Eine Anmeldung ist unter anderem beim Generalvikariat, Fachbereich Kirchenmusik, möglich.
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