Bischof Helmut Dieser: Herzen der Aachener im Sturm erobert

Von: Stephan Mohne
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Ein Bischof zum Anfassen: Helmut Dieser besucht wenige Minuten nach seiner Einführung im Dom die Gläubigen in St. Foillan – was eigentlich gar nicht vorgesehen war. Und so setzt er gleich das in die Tat um, was er kurz zuvor gepredigt hatte. Er will nicht elitär und abgehoben, sondern mittendrin sein. Foto: Michael Jaspers
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Auge in Auge – via Live-Übertragung: Insgesamt rund 260 Gläubige verfolgten die Bischofseinführung in St. Foillan und St. Jakob. Der große Andrang blieb aus. Foto: Andreas Herrmann/Michael Jaspers
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Auge in Auge – via Live-Übertragung: Insgesamt rund 260 Gläubige verfolgten die Bischofseinführung in St. Foillan und St. Jakob. Der große Andrang blieb aus. Foto: Andreas Herrmann/Michael Jaspers
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Bunt gemischte Abordnungen: Viele Gemeinschaften und Organisationen entsandten Vertreter in den Dom. Mit dabei war zum Beispiel Oliver Pelzer vom Pfadfinderstamm Heilig Kreuz. Foto: Michael Jaspers
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Geduld gefragt: Bis die 1000 geladenen Gäste den Dom gefüllt hatten, dauerte es eine ganze Weile. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist 12.06 Uhr, als in St. Foillan lauter Beifall aufbrandet. Es ist der Augenblick, als Helmut Dieser den Kirchenraum von St. Foillan betritt. Dabei ist es kaum zehn Minuten her, dass die Feierlichkeiten seiner Einführung zum neuen Bischof von Aachen im benachbarten Hohen Dom zu Ende gegangen sind.

Helmut Dieser hat danach eine andere Schleife gedreht, als es ursprünglich vom Protokoll vorgesehen war. Eigentlich sollte es vom Dom aus stracks ins Rathaus zum städtischen Empfang gehen – ohne „Bad in der Menge“. Doch das hat sich ziemlich kurzfristig geändert. Gemeinsam Kirche zu sein, dazu hat er im Dom in seiner Predigt leidenschaftlich aufgerufen. Nicht abgehoben, nicht elitär, nicht verschroben will er sein. Den Beweis dessen tritt er umgehend an.

In St. Foillan stehen die rund 180 Gläubigen, die dort die Einführung live auf Leinwänden verfolgt haben, Spalier. Helmut Dieser grüßt. Helmut Dieser winkt. Helmut Dieser umarmt. Und Helmut Dieser kommt aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus. So, wie man es auch im Dom beobachten konnte. Man möchte ihm gleich den Spitznamen „Smiley“ verpassen.

Der 54-Jährige mit dem rheinland-pfälzischen Spracheinschlag – ein g am Wortende spricht er meist als ch – hält an diesem Samstagvormittag nicht nur eine bemerkenswerte Predigt, er beweist auch Humor und lässt sich auch durch die eine oder andere kleine Panne nicht aus dem Tritt bringen. Etwa als in St. Foillan die Mikros bei seiner kurzen Ansprache verrückt spielen. Da machts der Bischof halt kurzerhand ohne. Macht nix, weiter im Text. Die Leute sind begeistert.

Ansturm bleibt aus

Vier Stunden vorher: Schon um 8 Uhr öffnen sich die Pforten von St. Foillan und St. Jakob. Anderthalb Stunden vor dem Beginn der Einführungsfeier. Der von Bistum und Domkapitel angenommene große Ansturm von Gläubigen, die keinen der reservierten 1000 Plätze im Dom haben, bleibt jedoch aus. Nur langsam werden sich die Reihen in den beiden Kirchen füllen. Am Ende verfolgen 180 Interessierte in St. Foillan und deren 80 in St. Jakob die Livebilder. In St. Foillan bereitet sich Pfarrer Claus Wolf gerade vor. Er ist schon gespannt, was sein neuer Vorgesetzter so alles sagen wird. Wolf verkürzt den Wartenden in der Kirche – so, wie Pfarrer Christoph Stender in St. Jakob – die Zeit bis zum Beginn mit Gebeten, Lesungen, Liedern.

Wenige Meter entfernt, am Haupteingang des Doms geht so langsam der große Auftrieb los. Die geladenen Gäste – was vielfach keineswegs mit Promis gleichzusetzen ist – reihen sich in die Schlange am einzigen Einlasspunkt ein. Die meisten haben sich an den Rat gehalten, keine Taschen mitzubringen. Die nämlich würden einem Sicherheitscheck unterzogen. Bewaffnet sind nur die um den Dom herum postierten Polizisten, die sich aber sehr zurückhalten. Und einige Mitglieder von Studentenverbindungen mit ihren Säbeln. Nur mit einer großen Fahne bewaffnet ist beispielsweise Oliver Pelzer vom Pfadfinderstamm Heilig Kreuz. Auch er wartet gespannt, was kommen wird – und friert nicht einmal, obwohl er nur mit einem Hemd bekleidet in der Kälte steht.

Hört man sich um, dann sind die Erwartungen an den neuen Bischof fast unisono gleich gelagert. Offenheit soll er an den Tag legen. Die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Und ein Bischof zum Anfassen soll er sein. Dass er genau das, kaum zum Bischof ernannt, schon alles in die Tat umsetzt, können die Menschen zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht ahnen.

Zurück in St. Foillan. Wie im Dom, so gibt es auch dort immer wieder Applaus. Nicht nur für Helmut Dieser. Auch für seinen Vorgänger Heinrich Mussinghoff, dem bei den Feierlichkeiten mehrfach gedankt wird. Etwas störend wirken sich nur Probleme der Tonanlage aus, die einen Übertragungskanal in unschöner Regelmäßigkeit „verschluckt“. Den Gesamteindruck der Feier mit allen ihren schönen Facetten – etwa den hervorragenden musikalischen Leistung des Domchors und den Mädchenchors, des Bläserensembles, geleitet von Domkapellmeister Berthold Botzet, von Domkantor Marco Fühner oder auch Domorganist Michael Hoppe – kann das keinen Abbruch tun.

Als Helmut Dieser dann völlig unprätentiös zu Besuch kommt, wird das durchweg positive Bild dieses Vormittags noch abgerundet. „Es war frisch, der neue Bischof kam sehr gut herüber“, sagt etwa Zuschauer Martin Arndt, der die Übertragung in ganzer Länge verfolgt hat.

Und Pfarrer Claus Wolf fasst mit einem Wort zusammen, wie er das alles fand: „Bewegend.“

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