Bischof Helmut Dieser: „Dem Leben tiefer nachspüren“

Von: iba
Letzte Aktualisierung:
14068097.jpg
Bischof Helmut Dieser hat seinen ersten Fastenhirtenbrief im Dom verlesen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Als „eine wertvolle Chance, um dem Leben tiefer nachzuspüren“ hat Bischof Dr. Helmut Dieser die „heiligen vierzig Tage“ der Fastenzeit in seinem Fastenhirtenbrief bezeichnet: „Was bestimmt mein Leben? Was habe ich selber gut im Griff? Und was sollte eigentlich ganz anders sein?“

Die alte Übung des Fastens stamme aus der Erfahrung, dass Unterbrechung, Abstandnehmen und Weglassen Leib und Seele freier machen könnten. Fasten sei kein Selbstzweck, sondern ein Suchen und ein Üben, wie wir das wieder tiefer erkennen könnten, was uns wirklich satt und erfüllt leben lasse, so Dieser. Dabei werde man schnell mit massiven Ablenkungen konfrontiert: Ist mein Lebensstil so angelegt, dass ich alles mitnehme, weil ich sonst zu kurz käme? Was bedeuten mir Statussymbole wie Haus, Beruf, Urlaub, Auto? Vor wem beuge ich mich, um dazuzugehören und nicht anzuecken, indem ich mit den Wölfen heule?

In der Fastenzeit könnten wir uns diesen Versuchungen stellen, gegen den Strom schwimmen und an wirklich wichtigen Stellen das Aussteigen üben, führt Dieser aus. Es gehe aber nicht nur darum, ein Nein gegenüber den Versuchungen zu erringen, sondern auch darum, unserem Ja zu Gott neue Ausdruckskraft zu geben. „So werden wir zu Menschen, die aufrecht durchs Leben gehen, von denen etwas ausgeht, die andere stützen, aufbauen, aushalten können, die eine echte Orientierung haben und sie auch weitergeben können. Die Sorge um sich selbst, das ungestillte Geltungsbedürfnis, die Eitelkeiten, Stolz oder Neid, Lüge oder übergriffige Gewalt werden ausgebremst, nicht Ängste herrschen über mich, sondern Vertrauen.“

Bischof Dieser ruft dazu auf, die Fastenzeit mit Lebensinhalten zu füllen: Wonach sehne ich mich? Worunter leide ich? Was an mir gefällt mir nicht, was verdränge ich? Wo mache ich kleinliche Kompromisse? „Durch eine solche Ausrichtung unserer Fastenzeit werden wir umso erfüllter Ostern feiern können.“ Im 500. Gedenkjahr der Reformation seien wir auf diese Weise geistlich auch mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern verbunden, betont Bischof Dieser. Er freue sich über die Einladung, das Jahr 2017 mit ihnen zusammen als ein Christusfest zu feiern. „Darum wünsche ich uns allen auch in der Ökumene eine von Gottes Geist geführte gute Fastenzeit!“

Bischof Dieser verlas seinen ersten Fastenhirtenbrief als Bischof von Aachen am Sonntag im Pontifikalamt im Dom. Hauptzelebrant des Pontifikalamts war Rubén Kardinal Salazar, Erzbischof von Bogotá und seit der Heiligtumsfahrt 2014 Ehrendomherr des Aachener Doms.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert