Aachen - Birke räumt Sand aus dem Getriebe, damit der Job läuft

Birke räumt Sand aus dem Getriebe, damit der Job läuft

Von: Robert Esser
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Plan perfekt aufgegangen: Die bosnische Buchhalterin Nermina Sehovic freut sich über ihren neuen Arbeitsplatz bei der Aachener Vika Ingenieur GmbH mit ihrem Chef Dr. Bernhard Frohn (Mitte) sowie den Wirtschaftsförderern Peter Gronostaj (rechts) und Thomas Hissel. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Abgeschrieben hat sie sich nie. Aber an jener Seite des Arbeitsmarktes konnte die gelernte Buchhalterin ablesen, dass vor dem Happy End lange, leidvolle Kapitel stehen. Immer wieder hatte sich die gebürtige Bosnierin Nermina Sehovic um Stellen beworben - ohne Erfolg.

Als Kriegsflüchtling war die Mutter von zwei Kindern nach Aachen gekommen, hier kämpfte sie zuletzt zwei Jahre lang mit der Arbeitsagentur um Fortbildungen. Damit sie als Buchhalterin in Deutschland Fuß fassen könnte, so dass sie nicht mehr Monat für Monat auf Zuwendungen der öffentlichen Hand angewiesen wäre. „Es half ja alles nichts. Letztlich habe ich mir die Kurse für SAP und Lexware vom Mund abgespart - und schließlich für 2000 Euro aus eigener Tasche finanziert”, sagt sie.

Doch die nächsten Bewerbungen führten wieder zu nichts. Nicht mal ein Vorstellungsgespräch kam dabei heraus. Bis Nermina Sehovic von Birke hörte. Und erkannte, dass sich hinter der hölzernen Abkürzung für „Berufliche Integration durch Ressourcen- und Kompetenzerschließung von Migranten und Migrantinnen” Hilfe verbirgt, die fruchtet.

Peter Gronostaj leitet das Projekt Birke in Kooperation mit der Volkshochschule und der „low-tec gem. B&Q mbH”. Es ist angesiedelt beim städtischen Fachbereich Wirtschaftsförderung. „Es gibt zwei Hauptbausteine”, erklärt Gronostaj. „Im Matchingbüro suchen wir Arbeitsstellen für Migranten und qualifizieren die Bewerber dann entsprechend. Zudem beraten wir Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren auf dem Weg zu einem festen Ausbildungsplatz.”

Im Fall von Nermina Sehovic überarbeitete das Birke-Team die Bewerbungsunterlagen und finanzierte einen Datev-Kurs, der die Buchhalterin nun rundum fit fürs deutsche Rechnungswesen machte. Dann stellten die Wirtschaftsförderer den Kontakt zur Vika Ing. GmbH her, ein Ingenieurbüro für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Dort suchte man dringend eine Buchhalterin. Im Bereich Rechnungswesen sind Fachräfte derzeit Mangelware. Vika-Geschäftsführer Dr. Bernhard Frohn räumt ein, dass die eigens in Deutschland erworbenen Qualifikationen seiner Bewerberin Nermina Sehovic entscheidend waren. „Ich wusste somit, dass sie sich im deutschen Rechnungswesen bestens auskennt - obwohl sie ursprünglich in einem fremden Land zur Buchhalterin ausgebildet worden war. Und mir war klar, dass die Motivation absolut stimmt, wenn man so hart an sich arbeitet und sich so sehr um eine Arbeitsstelle bemüht”, erklärt Frohn.

Thomas Hissel vom Fachbereich Wirtschaftsförderung bezeichnet die erfolgreiche Weiterbildung und Vermittlung von Nermina Sehovic als ein Paradebeispiel für Integration. „Manchmal ist eben Sand im Getriebe, wenn man aus einem fremden Land auf den deutschen Arbeitsmarkt umschalten muss”, sagt er.

Für 60 Kandidaten führte das Engagement von Birke bereits zu einem Happy End. Und diese Erfolgsgeschichte läuft immer noch weiter.
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