Bio-Boom schafft Stellen

Von: Aljona Hartstock
Letzte Aktualisierung:
Hoffen auf eine erfolgreiche b
Hoffen auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft: die neue Auszubildenden bei VIA Integration auf Gut Hebscheid. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Auf Gut Hebscheid wurde ein Tisch aufgestellt, an dem nun jeder Platz besetzt ist. Alois Poquett begrüßt stolz die 14 neuen Auszubildenden, deren Blicke zwischen ihren zukünftigen Kollegen, den Ausbildern, Poquett und wieder zurück wandern.

Poquett ist Geschäftsführer von VIA Integration. Das Unternehmen wirtschaftet unter besonderen, eigens aufgestellten Bedingungen: Behinderte und nicht behinderte Menschen arbeiten auf dem Hof zusammen und erzeugen gemeinsam Obst und Gemüse in Bio-Qualität.

Es sei immer noch nicht selbstverständlich, dass behinderte und nicht behinderte Menschen nebeneinander arbeiten, sagt Poquett. Stichworte wie „ausnutzen” oder „ausbeuten” fallen ihm dazu ein. „VIA ist anders”, sagt er. Die Mitarbeiter des Unternehmens hätten die Aufgabe, ökonomische sowie soziale und ökologische Aspekte unter einen Hut zu bringen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe.

Die 14 jungen Menschen, die am 1. September ihre Ausbildung bei VIA begonnen haben, kommen größtenteils aus Aachen; die meisten von ihnen sind knapp über 20. Ein Viertel hat keine Behinderung, ein Viertel eine Lernbehinderung, ein Viertel eine seelische Erkrankung und ein weiteres Viertel eine körperliche Behinderung.

Alle Ausbildungen bei VIA sind reguläre und dauern zwei oder drei Jahre. Oder man macht es wie Felix Rößler: Er hat zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Verkaufshelfer beendet und stockt diese nun in einem weiteren Jahr zum Verkäufer auf. Ihm gefalle besonders die Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter. Die möglichen Ausbildungsberufe auf Gut Hebscheid und den anderen Einrichtungen von VIA sind vielfältig. Sie reichen vom Bürokaufmann über den Lagerfachhelfer bis zum Gartenbauwerker. Über 90 Prozent der Auszubildenden beenden ihre Ausbildung erfolgreich, schätzt Poquett. Die Erfahrung habe außerdem gezeigt, dass besonders Bürofachkräfte nach dem Abschluss zügig eine Anstellung finden. „Das Wichtige ist der Gesellenbrief. Wenn man in Deutschland keinen Abschluss hat, ist das ein Killerkriterium.” In VIA selbst sei eine Übernahme nur im Einzelfall möglich. Bei dem aktuellen Boom beim deutschen Biogemüse könne sich das aber auch ändern.

VIA arbeitet partnerschaftlich mit dem Jobcenter sowie mit der Agentur für Arbeit zusammen. Dieses Jahr gab es viele Stellen für Behinderte, dennoch ist in Deutschland ein Umdenken nötig, sagt Stefan Graaf, Geschäftsführer Jobcenter der Städteregion. „Arbeitgeber zahlen zum Teil lieber eine Ausgleichsabgabe als Schwerbehinderte einzustellen”. Diese Tatsache werde bei der Debatte um den Fachkräftemangel oft vergessen. Es stehe genug Geld zur Verfügung, um Ausbildungsstellen behindertengerecht auszubauen, sagt auch Jutta Bernsen, Leiterin der beruflichen Rehabilitation mit Schwerpunkt Behindertenrecht im Jobcenter. Es mangele eher an der Bereitschaft der Arbeitgeber.

Dabei könnten behinderte Menschen die gleichen Leistungen erbringen wie nicht behinderte, sie hätten oft sogar mehr Standvermögen. Behinderte wissen, dass sie mit Vorurteilen zu kämpfen haben, da sei die Motivation größer.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert