Aachen - Billig abschleppen: Peters droht der Strang

CHIO Freisteller

Billig abschleppen: Peters droht der Strang

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Diese Brüder schleppen jetzt
Diese Brüder schleppen jetzt als Strangs Nachfolger in Aachen ab: ( v.l.) Andy Peters, Oliver Peters und Dennis Peters leiten gemeinsam die Geschäfte ihres Unternehmens am Grünen Weg 44 - und dies deutlich preiswerter als ihre Vorgänger. Strang würde somit mehrere hunderttausend Euro Abschleppkosten pro Jahr Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Haken vom Strang landen keine Falschparker mehr. Jedenfalls vorerst. Das Abschleppunternehmen, das eine gefühlte Ewigkeit lang Aachens Parksünder abtransportierte, hat den lukrativen Auftrag im vergangenen Monat verloren.

Die Stadt hat den Abschleppvertrag - der in der Regel alle drei Jahre ausgeschrieben werden muss - erstmals an die Firma Peters vergeben. Der Grund: Peters schleppt deutlich billiger ab als Strang. Gegen diese kostengünstige Vertragsvergabe hat Strangs Anwalt Thomas Hagelskamp allerdings eine „Vergabe-Rüge” bei der zuständigen Kammer der Bezirksregierung Köln eingereicht. Eine Entscheidung soll erst in den kommenden Wochen fallen.

Fakt ist trotzdem: Statt 123 Euro sind ab sofort nur noch 79,73 Euro fällig, wenn das falsch geparkte Auto am Haken - fachmännisch Hubbrille genannt - hängt. Dies bestätigte das städtische Presseamt am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung. Auch das Standgeld für abgeschleppte Autos sinkt bei der Firma Peters am Grünen Weg 44 von sechs auf 4,17 Euro. Und für Leerfahrten berechnet der neue städtische Dienstleister nur noch 39,87 Euro.

Bei Strang waren satte 73 Euro fällig. „Wir können anders kalkulieren, da das Abschleppen von Falschparkern - im Gegensatz zu unseren Vorgängern - nur ein kleiner Bereich unseres Geschäfts ist”, erklärt Andy Peters. „Die Kunden danken es uns. Die sind gar nicht so sauer, wie wir befürchtet hatten, wenn sie ihr abgeschlepptes Auto bei uns abholen. Die sind regelrecht überrascht von unseren günstigen Preisen”, sagt er.

Genau deswegen ist Strang sauer. Rechtsanwalt Hagelskamp erklärt, dass der Stadt bei der Ausschreibung und Vergabe Fehler unterlaufen seien. „Weil die Stadt von falschen Zahlen und von 4220 abgeschleppten Autos pro Jahr ausging, obwohl Strang im Jahr 2010 tatsächlich nur 3790 Pkw abgeschleppt hat, konnte Strang kein konkurrenzfähiges Angebot abgeben - das wäre sonst ruinös gewesen”, erläutert der Jurist. Zudem sei in der Kalkulation der Stadt der Anteil der teureren Nacht-Abschleppvorgänge deutlich höher als in der Praxis der vergangenen Jahre. „Strang hat in dieser Hinsicht immerhin 40 bis 50 Jahre Erfahrung und kennt die Fakten”, betont Hagelskamp.

Die Stadt Aachen wollte sich am Donnerstag auf Anfrage der AZ nicht zu Details des laufenden Verfahrens bei der Kölner Bezirksregierung äußern. „Wir warten die Entscheidung ab, zumindest vorübergehend hat Peters bereits das Abschleppen übernommen”, heißt es aus dem Presseamt.

Für den „Kunden” ändert sich außer dem Preis für den Abschleppvorgang und den günstigeren Standgebühren nichts. Nach wie vor werden werktags von 7 bis 19 Uhr zwei Abschleppwagen mit Überwachungskräften des Ordnungsamtes durch die Stadt patrouillieren, um Straßenecken und Behindertenparkplätze von illegal geparkten Karossen zu befreien, zudem samstags mindestens von 10 bis 18 Uhr.

Wer als Falschparker seine Chancen erhöhen möchte, nicht abgeschleppt zu werden, sollte übrigens seine Telefonnummer hinter der Windschutzscheibe hinterlegen. Es gebe zwar keinen entsprechenden Rechtsanspruch, aber meist würden die Ordnungskräfte erst versuchen, den Fahrzeughalter zum Wegfahren des falsch geparkten Autos zu bewegen, bevor der Abschleppdienst in Aktion trete, teilte das Presseamt mit.

Knöllchen in Höhe von 25 bis 35 Euro sowie die obligatorische Verwaltungsgebühr von 50 Euro bleiben auch in der neuen „Abschlepp-Ära Peters” unverändert bestehen. Denn darauf haben die Brüder Andy, Oliver und Dennis, die das Unternehmen gemeinsam führen, keinen Einfluss. Wohl aber darauf, dass keine Falschparker mehr an Strangs teuren Haken landen. Wie gesagt: Jedenfalls vorerst.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert