Aachen - Bildungstag der Städteregion: Chancen verbessern

Bildungstag der Städteregion: Chancen verbessern

Von: Rolf Hohl
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Aachen. Wenn es dieser Tage um Bildungspolitik geht, bleibt die Diskussion allzu oft zwischen den beiden Formeln G8 und G9 stecken. Beim Bildungstag der Städteregion Aachen haben rund 350 Bildungsfachkräfte deswegen den Fokus auf ganz praktische Belange gerichtet.

In diversen Praxisforen in der Maria-Montessori-Gesamtschule ging es tagsüber um das Entdecken und Fördern von Begabungen bei Schülern. Am Abend setzte dann der renommierte Bildungsforscher Aladin El-Mafaalani im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit seinem Vortrag den Schlusspunkt.

Dieser forscht an der Fachhochschule Münster zu Themen mit sozialer Sprengkraft: Die Bildungschancen von Benachteiligten und Migranten sind sein Spezialgebiet. Er bekräftigte noch einmal den verheerenden Einfluss von Armut und sozialer Benachteiligung der Eltern für den Bildungsweg der Kinder. Deren Aufstiegschancen seien bei gleicher Kompetenz und gleichen IQ-Werten dreimal geringer als bei Kindern aus wohlhabendem Elternhaus mit hoher Formalbildung.

Dramatische Ungleichheit

El-Mafaalani begnügte sich jedoch nicht mit dieser Feststellung, sondern ergründete die Ursache für diese dramatische Ungleichheit. Er fand sie im Habitus der jeweiligen Bevölkerungsschichten. „Ein Kind, das in Armut aufwächst, verhält sich ganz anders, als wir uns begabte Kinder vorstellen. Weil es in seinem Umfeld mit akutem Mangel umgehen muss, denkt es oft kurzfristig und handelt funktional und pragmatisch“, erklärte er. Im schulischen Umfeld hingegen sei genau das Gegenteil gefragt: langfristiges Planen und abstraktes Denken. „Was in der Schule dann häufig als störendes Verhalten empfunden wird, ist lediglich die völlig normale Anpassung der Kinder an die Rahmenbedingungen in ihrem tendenziell armen Stadtviertel.“

Wichtige Arbeit mit den Eltern

Dort leben nicht selten auch Migrantenfamilien, in denen sich ein weiterer Konflikt entlade – da stehe nämlich die Erfolgserwartung der Loyalitätserwartung der Eltern gegenüber. „Einerseits erwarten sie, dass das Kind sozial und beruflich aufsteigt, andererseits wollen sie verständlicherweise aber nicht, dass es sich deswegen von der Familie habituell entfremdet“, beschrieb El-Mafalaani.

Die Frage, wie dieses Dilemma gelöst werde, sei dabei entscheidend für den Lebensweg der Kinder. „Im Kontext mit Migration kann die Arbeit mit den Eltern gar nicht überschätzt werden. Das können Ehrenamtliche alleine nicht leisten, dazu braucht es professionelle Unterstützung.“

Um also auch die Bildungschancen von Kindern aus sozial schwachen Milieus zu verbessern, plädierte El-Mafaalani für Schulen, an denen die Schüler so viele Welten wie möglich aufgezeigt bekämen. Nur wer lerne, dass es neben Hip Hop auch Klassik und neben Kunstwerk auch Handwerk gebe, lerne ebenso in Alternativen zu denken und Unsicherheit abzulegen.

Nur: Das alles koste Geld, und das werde meist vor den Wahlen versprochen und danach viel zu wenig investiert. Wie die Schüler wären da ebenso die Politiker gefordert, langfristig zu denken.

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