Aachen - Bezirksbürgermeister sorgt mit Aussagen zum Islam für Wirbel

Bezirksbürgermeister sorgt mit Aussagen zum Islam für Wirbel

Von: svp/der/kaa
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Aachen. „Je suis Charlie“ – der Terroranschlag in Paris beschäftigt die ganze Welt. Das gilt bis hinunter auf die kleinste lokale Ebene, wie bei den Neujahrsempfängen in den Bezirken am Wochenende deutlich wurde.

So stand für den Laurensberger Bezirksbürgermeister Christian Krenkel bei seiner Neujahrsansprache vor allem dieses Thema klar im Fokus. Denn auch, wenn Paris nicht Aachen sei, so sei der Terror allgegenwärtig. Bei dem Empfang der Bezirksvertretung Laurensberg, der IG Laurensberger Vereine sowie des Laurensberger Bezirksamts betonte Krenkel deshalb, wie wichtig Freiheit und Sicherheit sind: „Ich wünsche mir, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Unsere Demokratie gewährleistet uns Meinungsfreiheit – und unsere Vereine hier in Laurensberg steuern eine Menge dazu bei, dass Integrationsmöglichkeiten geschaffen werden. Denn gerade dort lernt man die deutsche Sprache und kommt miteinander in Kontakt“, betonte der Bezirksbürgermeister.

Doch seine Rede sorgte in Teilen für heftige Irritationen. So bekundete er, als Christ mit dem Islam kaum Gutes verbinden zu können. Auch forderte es mehr Toleranz der muslimischen Bürger. Daraufhin verließen Vertreter der Grünen und der SPD spontan den Saal. „Solche Aussagen sind einfach nicht hinnehmbar“, sagte Karin Schmitt-Promny von den Grünen. Und auch SPD-Ratsherr Norbert Plum bekundete: „Es kann nicht sein, dass ein offizieller Vertreter des Bezirks hier seine persönliche Meinung völlig ungefiltert in den Raum wirft.“ Parteiübergreifend habe das für Irriationen gesorgt, Schon beim Volkstrauertag sei das so gewesen, als es um Auslandseinsätze der Bundeswehr ging und Krenkel laut Plum Kritik daran geübt habe, dass „ein evangelischer Pfarrer“ – womit der Bundepräsident gemeint gewesen sei – diese gutheiße.

In Brand gab es eine Premiere: „Hier steht er nun, der Neue“, stellte sich Bezirksbürgermeister Peter Tillmanns (CDU) bei seinem Debüt mit der Ansprache beim Neujahrsempfang im Bezirksamt vor, zu dem Bezirksamtsleiter Wolfgang Sanders zuvor eine Vielzahl Gäste begrüßen konnte. Peter Tillmanns befasste sich zunächst mit einem Rückblick auf das Jahr 2014, das ein sehr ereignisreiches gewesen sei. Nicht unerwähnt blieb sein Vorgänger Herbert Henn (CDU), der mehr als 40 Jahre lang in Brand die Geschicke geleitet hatte. In seinem Ausblick auf 2015 bediente Tillmanns sich eines Ausspruches des englischen Schriftstellers Laurence Sterne: „Das Leben besitzt so viel Positives, dass Pessimisten ganz mutlos werden könnten.“

In Brand sei man ob einiger großer Objekte eher zuversichtlich, so beim bevorstehenden Umbau der Markstraße und des Marktplatzes. Daneben entwickelten sich weitere Neubaugebiete. Der Bezirksbürgermeister dazu: „Brand ist beliebt, es wohnt sich gut hier.“ Die Brander hätten ihre Hausaufgaben gemacht, der Stadtteil sei weiter entwickelt worden, daran müsse man dringend weiterarbeiten. „Wir sind eine große, als einzigartig wahrgenommene und lebendige Gemeinschaft, auch das zeigt dieser Vormittag deutlich“, fügte Tillmanns hinzu. Auch das Stichwort „Migration“ habe natürlich vor Brand nicht haltgemacht. Aber auch die Armut sei hier erkennbar, von 17.000 Einwohnern beziehen 992 Sozialleistungen.

„Nichts zudecken“

Für das Brander Kulturforum sprach Vorsitzender Hans Peter Drewes, er hatte lobende Worte für das Ehrenamt und für das „Brander Wir-Gefühl“ im Gepäck. Aber mit diesem „wohligen Gefühl“ dürfe nichts „zugedeckt werden“. Wolfgang Müller, Vorsitzender des Bürgervereins, befasste sich mit Veränderungen in Brand, so auch mit der Schließung des „Ellerhofs“, für den als Ersatz nunmehr ein Festzelt für die Vereine aufgebaut worden sei.

Auch im Bezirk Kornelimünster/Walheim gab beim Neujahrsempfang ein neuer Bzeirksbürgermeister seinen Einstand: Jakob von Thenen. Nach dem Abtritt seines langjährigen Vorgängers Eberhard Büchel habe er sich gefragt, ob er wohl in dessen große Schuhe passen würde. „Ich kann es nur hoffen“, meinte von Thenen.

Er habe die schlimme Befürchtung, wie es mit der „Kunst in Kornelimünster“ weitergehen werde, brachte er ein Thema auf den Punkt, dass den Bezirk wie auch die ganze Stadt noch weiter beschäftigen wird. Natürlich gehörten die Heiligtumsfahrt und die 1200-Jahr Feier des Ortes zu seinem Rückblick auf das Jahr 2014. Überhaupt sei von Lichtenbusch bis Walheim „viel gefeiert worden“. Aber auch baulicher Art habe sich einiges getan. Der Bezirksbürgermeister vergaß nicht, vielen Personen für ihre geleistete Arbeit seinen Dank auszusprechen.

2015 stehe unter anderem die Weiterentwicklung des Flächennutzungsplanes auf dem Programm sowie die Ausweisung von Baugebieten mit Lichtenbusch-Süd und Kornelimünster-West. Mit festem Blick auf das verträgliche Allgemeinwohl gelte es, für die Gesellschaft notwendige Entscheidungen zu treffen. „Eine vielleicht der örtlichen Politik oktroyierte Denkmalbereichssatzung wird nicht überall auf Gegenliebe stoßen“, schloss der „Neue“ seinen ersten Auftritt.

Zielgerichtet

Ernst Moese (IG Schmithof-Sief) sagte: „Einen Neujahrsempfang kennzeichnet bei aller vertrauten Gleichförmigkeit eine Besonderheit: Die Menschen sind erwartungsvoll, und dies im Hinblick auf ihr unmittelbares Umfeld auch durchaus zielgerichtet.“ Ziel müsse es sein, dass sich die Menschen im gesamten Stadtbezirk wohlfühlen. Ohne gemeinschaftliche Anstrengungen wären die Dörfer „um einiges ärmer“. Man wolle weiterhin ein aktiver, lebendiger und bürgerfreundlicher Bezirk sein. Der Kirchenchor Schmithof/Sief sowie Bernd Pitz trugen mit Darbietungen zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Neujahrsempfänge sind also immer eine gute Gelegenheit zur Rückschau und zum Dank. Beides tat auch Bezirksbürgermeisterin Marlis Köhne am Sonntag beim Neujahrsempfang der Bezirksvertretung Richterich in Schloss Schönau. Ihr Dank galt besonders den Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement das Leben im Quartier gestalten. Ein besonderes Beispiel diese Engagements ist der generationenübergreifende Chor „St. Cäci-Marie-Kita-Chor“, der beim Wettbewerb der Städteregion „Unser Dorf hat Zukunft“ für das Dorf Horbach den zweiten Platz belegte. Die kleinen und großen Sänger erfreuten die Gäste unter anderem mit der Aachener Hymne „Urbs Aquensis“ auf Öcher Platt.

Zwei Projekte hob Köhne in ihrem politischen Ausblick auf 2015 hervor: das geplante Neubaugebiet Richtericher Dell und den Bahnhof Richterich. „Wir sind ein Teil der Stadt Aachen. In Aachen fehlt Wohnraum und wir haben freie Flächen“, sagte sie. Andererseits bestehe parteiübergreifende Einigkeit, dass es ein Neubaugebiet Richtericher Dell nur mit entsprechender Umgehungsstraße geben werde, betonte Köhne. Komme diese nicht, werde die Bezirksvertretung auch dem Neubaugebiet nicht zustimmen. Zum Bahnhof Richterich sagte sie: „Wir haben lange darauf gehofft und ihn lange gefordert. Jetzt werden wir alles daransetzen, um den Bahnhof zu verwirklichen.“ Bereits in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung sollen Pläne zur Umsetzung vorgestellt werden.

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