Bewegung, Licht, Musik und „Raffgier”

Von: Hanna Sturm
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Skurriles Freilufttheater: Im Rahmen des Festivals Cultura Nova hat Theater Tuig das Stück „Raffgier” auf dem Lousberg aufgeführt. Das Stück feierte dabei seine Deutschlandpremiere. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wie ein Relikt aus dem Industriezeitalter wirkt die haushohe Konstruktion mit dem riesigen Zahnrad. Das Gerüst aus Holzbalken und Metallstreben, das mitten im Grünen auf dem Lousberg steht, ist Teil des Theaterstücks „Raffgier”, das im Rahmen des Heerlener Kulturfestivals Cultura Nova in Aachen seine Deutschlandpremiere feierte.

Bewegung, Licht und Musik prägen die Inszenierung des niederländischen Ensembles „Theater Tuig” und überlassen so das weitgehend dialogfreie Stück sehr stark der Interpretation des Zuschauers, wobei die Kritik an der Konsumgesellschaft ziemlich deutlich wird.

Auffällige Konstruktion

Im Mittelpunkt allen Geschehens steht die auffällige Bühnenkonstruktion, die auch die von den Schauspielern dargestellten namenslosen Menschen in zwei Gruppen teilt. Auf der oberen Ebene der Konstruktion befindet sich der Platz der Arbeiter. Mit Körperkraft halten die drei in unförmige weiße Kleidung gehüllten Arbeiter das Zahnrad in Bewegung und sorgen so auch dafür, dass auf der unteren Ebene nichts aus den Fugen gerät.

Denn dort entfaltet sich durch einen wahnwitzigen Mechanismus aus hunderten Seilzügen und Gegengewichten eine kleine Wohnung mit allem Komfort, den sich der Mensch so wünschen kann. Und ein Mensch befindet sich auch in diesem Bereich, zuerst noch sehr unsicher ob der unbekannten Umgebung. Aber je länger die drei Arbeiter das Rad drehen und die Seilzüge bedienen, umso heimischer fühlt sich der Mensch in seinem kleinen Reich.

Von den Seilen gezogen richten sich Tisch und Stuhl auf, von der Decke schweben Lampenschirme, deren Glühbirnen über einen Dynamo mit Strom versorgt werden. Witzig sind die kleinen Details, wie etwa die Vase mit Blume, die irgendwann von der Decke auf den Tisch herabgelassen wird, oder das brennende Kaminfeuer. Zuletzt kann es sich der Mensch in seinem Sessel vor dem Kamin gemütlich machen, eine Flasche in der Hand.

Glück währt nicht lange

Doch dieses Glück währt nicht lange, denn wenn sich das Rad nicht mehr dreht, löst sich der ganze Besitz auf, klappt zusammen oder schießt von den Seilen gezogen wieder an die Decke. So kommt es zum Konflikt zwischen den beiden Parteien, der für den Menschen nicht gut ausgeht. In seinem Wahn versucht er das Zahnrad und somit auch gleichzeitig den Ursprung seines Wohlstandes zu zerstören und zerstört sich damit schlussendlich selbst.

Das erste Gastspiel des Festivals Cultura Nova in Aachen war für die Besucher ein außergewöhnliches Theatererlebnis unter freiem Himmel.
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