Beverau: Bürger auf den Barrikaden

Von: Stephan Mohne
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Soll im Landschaftsschutzgebiet auf der Beverau ein großes neues Wohngebiet entstehen? Nein, sagt die Bürgerinitiative zu diesem Vorschlag. Lutz Dechamps und Irma von Agris sehen eine akute Gefahr unter anderem für die wichtige Luftschneise dort. Fotos Michael Jaspers (3), Stephan Mohne Foto: Michael Jaspers

Aachen. FNP – drei Buchstaben, die für die Zukunft der Stadt von immenser Bedeutung sind. Hinter der Abkürzung verbirgt sich der Begriff „Flächennutzungsplan“. Und der schreibt die Ziele der Entwicklung jedes Quadratmeters Boden der insgesamt 160,83 Quadratkilometer umfassenden Fläche der Stadt Aachen fest.

Wo sollen neue Wohngebiete entstehen, wo will man Gewerbe ansiedeln, wo beides gleichzeitig, wo ist Platz für Landwirtschaft, wo für Wald und Grünflächen? Unter anderem diese Fragen beantwortet ein Blick auf den Plan, der 1980 zuletzt neu aufgestellt wurde. 34 Jahre sind seither ins Land gezogen, vieles hat sich in Aachen verändert. So ist es auch an der Zeit, den FNP neu aufzulegen, neue Ziele einzubauen, alte zu ändern – oder auch beizubehalten. Genau das geschieht gerade.

Über 500 Seiten Umweltdossiers

Keine kleine Aufgabe. Aber eine, die jetzt in einer wichtigen Phase angekommen ist. Im bisherigen Verfahren wurden alle Flächen, für die es noch keinen Bebauungsplan gibt, angeschaut. Rund 110 Flächen – von wenigen 1000 bis hin zu mehreren hunderttausend Quadratmetern Größe – kristallisierten sich für mögliche Änderungen heraus, die seitens der Stadt beziehungsweise ihres externen Partners, dem „Büro für Regional- und Kommunalplanung“ (BKR), in den Fokus genommen wurden. Zusammengenommen ging es um etwa 460 Hektar (4,6 Millionen Quadratmeter).

Zum Beispiel wurden 65 potenzielle Wohnbauflächen und 25 Gewerbeflächen untersucht. Für diese Flächen wurden Umweltexpertisen erstellt. Bewertet wurden die Auswirkungen auf Luft, Boden, Wasser, Tiere, Pflanzen, natürlich den Menschen und einiges mehr. Insgesamt ergab das ein Werk von über 500 Seiten. Zudem gab es Analysen aus städtebaulicher Sicht. Danach fielen viele Flächen wieder aus den Überlegungen heraus oder wurden verkleinert, meist wegen der Auswirkungen auf die Umwelt. „Aachen ist stark verdichtet und mit seiner Talkessellage empfindlich“, sagt Wolfram Günther, Abteilungsleiter im Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehr. Auch die Bezirksvertretungen haben schon Stellung bezogen, was zu weiteren Änderungen oder aber der Darstellung von Alternativlösungen geführt hat.

Einige Flächen bergen reichlich Konfliktpotenzial. Dazu gehört ein knapp 200.000 Quadratmeter großes Areal im Bereich Beverau im Landschaftsschutzgebiet zwischen dem Eselsweg, der die Adenauerallee und den Nellessenpark verbindet, und der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne (früher Gallwitz-Kaserne). Heute wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Doch es gibt die Idee, dort im FNP Flächen für Wohnbebauung auszuweisen. Zunächst war sie sogar noch größer vorgesehen mit einem „Abstecher“ entlang der Adenauerallee. Im aktuellen Vorentwurf sind die Alternativen Landwirtschaft oder Wohnen eingezeichnet. Letztere Variante treibt die Anwohner auf die Barrikaden. Nach der Vorstellung der Pläne bei einer öffentlichen FNP-Anhörung hat sich umgehend eine Bürgerinitiative gegründet.

Deren Sprecher Lutz Dechamps und Irma von Agris erklären verärgert: „Die Beverau ist die Luftpumpe von Aachen. Wenn diese Luftzufuhr unterbrochen wird, dann hat das immense Folgen für das lokale Klima.“ Dechamps fügt hinzu: „Wir trommeln jetzt richtig in dieser Sache.“ So gibt es Unterschriftenlisten, Flugblätter und Infostände. Es soll eine Eingabe im laufenden Verfahren mit den entsprechenden Kritikpunkten geben, die auf möglichst breiten Füßen stehen soll. Möglich sind derlei Eingaben von jedermann bis zum 1. August bei der Stadt. „Wir sind völlig offen für alles“, sagt Wolfram Günther. Das kann Kritik an einzelnen Punkten sein, das können auch Vorschläge sein, die bisher noch nicht diskutiert wurden. An der Zeitschiene gibt es jedoch ebenfalls Kritik, beispielsweise seitens des Naturschutzbundes (Nabu). Die Hälfte der Eingabefrist, die mit sechs Wochen ohnehin knapp sei, liege ausgerechnet in den Sommerferien.

Alten Plan 70 Mal geändert

Die Eingaben werden dann bewertet, bevor die Politik weiterberät. Es folgt eine erneute Offenlage. Am Ende entscheidet der Rat. Wolfram Günther rechnet damit, dass der neue FNP 2016 rechtskräftig wird. Doch auch dann ist er kein starres Gebilde. Der aktuelle FNP wurde seit 1980 wegen konkreter Vorhaben rund 70 Mal geändert.

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