Betroffene helfen Betroffenen: Mehr als Selbsthilfe

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Haben die Hilfe auf den Weg gebracht: Doris Thelen und Norbert Bohl. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Hilfe zur Selbsthilfe – so könnte man das Motto des Psychiatrie-Patinnen und -Paten e. V. (PP e. V.) am besten in Worte fassen. „Peer-Beratung“ lautet das Stichwort. Das bedeutet in diesem Fall: Menschen, die sich selbst einmal in einer psychischen Krise befunden haben bzw. jetzt stabiler sind, beraten und unterstützen nun Menschen, die aktuell betroffen sind.

Das kann die Vermittlung von Psychopharmaka-Beratung oder Rechtsberatung umfassen, aber auch die Hilfe bei Behördengängen oder die Annahme von Beschwerden. Oft jedoch: einfach nur reden.

Der Verein sieht sich nicht als Ersatz für die medizinische Behandlung von psychisch Erkrankten, sondern eher als Ergänzung. „Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir oft einen anderen Blickwinkel auf bestimmte Dinge. In erster Linie möchten wir die Ratsuchenden wieder in ein selbstbestimmtes Leben zurückführen, ihre Lebensqualität verbessern. Unsere Hauptaufgabe ist daher zuhören“, erklärt Doris Thelen vom PP e. V.

Viele fühlen sich das erste Mal ernst genommen, wenn sie mit Menschen sprechen, die einen ähnlichen Leidensweg hinter sich haben, und fassen schneller Vertrauen. Meist beginnt der Kontakt mit einem Beratungsgespräch, nicht selten suchen auch Angehörige von Menschen mit psychischer Erkrankung Hilfe bei dem Verein. Neben einem Infotelefon bietet der PP e. V. auch verschiedene Gruppenaktivitäten sowie eine Beratung für Berufstätige an. Vorträge, Seminare und Besuchsdienste ergänzen das umfassende Angebot.

Herzstück des Vereins sind jedoch die sogenannten Psychiatrie-Patenschaften, eine deutschlandweit einzigartige Initiative. Ein Mitglied des Vereins kann die Patenschaft für einen Ratsuchenden, der sich an den PP e. V. gewandt hat, übernehmen. Norbert Bohl, der selbst vor einigen Jahren in psychiatrischer Behandlung war, ist Patenschaftsbeauftragter und weiß um die positive Wirkung dieses Angebots: „Die Idee hinter den Patenschaften besteht darin, Menschen in Krisen oder mit psychischen Problemen wieder aus ihrem Loch rauszuholen. Das funktioniert am besten über gemeinsame Freizeitaktivitäten.“

Viele Menschen mit psychischer Erkrankung sind isoliert, was neben der eigentlichen Erkrankung eine zusätzliche Belastung darstellt. Das Modell der Psychiatrie-Patenschaft möchte gegensteuern, auch mit einem offenen Psychiatrie-Paten-Café, welches zweimal in der Woche in den Vereinsräumen öffnet. Um auch die Menschen zu erreichen, die sich in stationärer Behandlung befinden, suchen Mitglieder des PP e. V. jeden ersten Montag im Monat das Alexianer-Krankenhaus und jeden zweiten Montag im Monat das Aachener Uniklinikum auf. „Oft stellen wir einfach nur unsere Zeit zur Verfügung. Die Patienten können dann vorschlagen, was sie gerne machen möchten“, so Thelen.

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