Betonmischer auf wundersame Weise von Firmengelände geklaut

Von: Heiner Hautermans
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Solange, bis ein neuer Lkw da ist oder die gestohlenen wieder auftauchen, muss Georg Kratzenberg mit einem älteren Modell vorliebnehmen. Den Schlüssel seines Lkw hatte er mitgenommen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen/Hückelhoven. Äußerlich ist fast nichts zu sehen: Ein halber Meter des stabilen Zauns auf der Rückseite des Geländes von „Dyckerhoff Beton“ in Brand ist abgeschraubt. Durch das Loch sind die Täter vermutlich auf das Betriebsgelände an der Straße Im Ginster, einer kleinen Querstraße der Eilendorfer Straße, gelangt.

Profis offenbar. Gezielt suchten sie sich zwei Betonmischfahrzeuge aus, die beiden modernsten, die da standen, Neupreis je rund 120.000 Euro. „Man kann die normalerweise gar nicht starten“, sagt Betriebsleiter Erich Stöcker, so ausgefeilt seien nämlich die elektronischen Absicherungen und Wegfahrsperren. „Die Jungs sind aber so raffiniert, die sind immer einen Schritt weiter.“

Dabei sind die Fahrzeuge genau das Gegenteil von Diamanten, die bekanntlich unauffällig auf Seite gebracht und verscherbelt werden können: knapp vier Meter hoch, acht Meter lang und 15 Tonnen schwer (leer). „Die sind attraktiv, weil man sie gut zu Geld machen kann.“

Deshalb geraten die Beton-Brummis immer häufiger in den Fokus von Diebesbanden: „Das sind die siebten und achten in diesem Jahr. Die Häufigkeit in den letzten beiden Jahren ist extrem.“ Zwei gestohlene Lkw seien wiedergefunden worden, einer in den Niederlanden, der andere wurde in Libyen entdeckt. Stöcker: „Die werden auch verschifft.“

Ebenso wundersam wie das Starten der Fahrzeuge ist das Verschwinden vom Betriebsgelände: Beide Werkstore sind unversehrt, eines ist mit einem Vorhängeschloss gesichert, das andere mit einem Zahlenschloss, deren Kombination nicht einmal die Fahrer kennen. Einer von denen, deren Lkw geklaut worden ist, ist Georg Kratzenberg (44), der sich mit seinen Kollegen über die Dreistigkeit der Diebe wundert.

„Der Kollege vom Baustoffhandel hat um fünf Uhr gesehen, wie die rausgefahren sind und sich gewundert, dass wir schon so früh arbeiten.“ Er selbst traute seinen Augen nicht, als sein Lkw weg war: „Man will es erst gar nicht glauben.“

Alles, was die beiden Fahrzeuge auffindbar mache, sei von den Dieben entfernt worden, „damit die nicht geortet werden können“: Navi, Tachograph und Mautgerät fanden sich in einem anderen Wagen. Besonders ärgert Bernd Kratzenberg, dass auch private Dinge weg sind: Helm, Handschuhe, Wintersachen und – vor allem – Fotos von der Familie. „Man ist doch immer 12 bis 13 Stunden von Zuhause weg.“

Auch bei der Polizei geht man davon aus, „dass die jetzt in Antwerpen stehen“ (Sprecherin Sandra Schmitz). Die beiden weiß-blauen Fahrzeuge mit der Aufschrift „Dyckerhoff“ haben die Kennzeichen ERK-JS 48 und ERK-JS 46. Die Kripo bittet um Hinweise zu verdächtigen Beobachtungen unter Telefon 0241/9577-31301 oder Telefon 0241/9577-34210 .

Das Unternehmen hat inzwischen eine Belohnung von 5000 Euro für die Wiederbeschaffung ausgesetzt.

Das Geld erhalte derjenige, der einen brandheißen Tipp zur Ergreifung der Täter gebe, erklärte ein Sprecher der Spedition aus Hückelhoven-Baal, die die hochwertigen Lkw dem Beton-Lieferanten zur Verfügung stellt.

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