Betonklotz Bushof droht die Abrissbirne

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Hässlicher Betonklotz ohne großen Nutzen? Per Gutachten soll geklärt werden, ob das Bushofgebäude für einen funktionierenden Busverkehr überhaupt benötigt wird. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wie sich die Zeiten ändern: Als das Betonbauwerk im Herbst 1973 eingeweiht wurde, sprach der damalige Oberbürgermeister Kurt Malangré von einem großen und wichtigen Schritt für die bauliche Entwicklung Aachens.

Knapp 38 Jahre später würde so mancher in der Verwaltungsspitze das Stadtbild an der Peterstraße gerne retuschieren - und zu diesem Zweck dem Bushof am liebsten mit der Abrissbirne auf die (Beton-)Pelle rücken.

Gut möglich, dass sich dieser Wunsch in diesem Jahr zu einem konkreten Plan auswächst. „Wir wollen das Thema anpacken”, sagt jedenfalls die städtische Planungsdezernentin Gisela Nacken. Zwar gehe man nach wie vor davon aus, dass man an Ort und Stelle auch in Zukunft einen zentralen Umsteigeplatz für den Linienbusverkehr benötige, „aber wir wollen sehen, dass wir von diesem Gebäude wegkommen”, bekräftigt die grüne Beigeordnete. Denn: „An so einem zentralen Platz in Aachen kann man städtebaulich viel Besseres machen.”

Hinter den Kulissen wird daran gearbeitet, das Vorhaben auch mit verkehrstechnischen Argumenten zu untermauern. Zurzeit wird ein Busnetzgutachten erstellt, das prüfen soll, ob und wie ein Umsteigeplatz an heutiger Stelle ohne Gebäude - und mithin auch ohne weitflächige Busabstellplätze und Sozialräume fürs Personal - funktionieren könnte. Außerdem sollen die Gutachter weitere Fragen beantworten, etwa ob tatsächlich nahezu alle Aseag-Linien über die Achse Elisenbrunnen rollen müssen, ob das Aachener Liniennetz generell gut strukturiert ist und ob sich nicht doch ein anderer Verknüpfungspunkt für den Busverkehr anbietet.

Sollte Letzteres nicht der Fall sein, könnte sich Nacken auch ohne den Betonklotz vorstellen, dass es an Kurhausstraße und Peterstraße „genügend Umsteigeflächen in den Straßenbereichen” gibt. Schließlich werde der überdachte Bushofbereich heute ja oft bloß „für teils lange Stehzeiten der Busse” genutzt.

Bis zum Sommer sollen die Gutachter nun verschiedene Szenarien für den Busverkehr entwerfen und bewerten, aus denen dann ein „Vorzugsszenario” entwickelt werden soll. Und sollte dies ergeben, dass das Gebäude überflüssig ist, könnte man sich konkret mit dem Thema Abriss beschäftigen. Dabei wären wohl zunächst einmal Gespräche mit der Miteigentümerin angesagt: Denn der Bushof, in dem neben Bussen unter anderem auch Geschäfte, die Methadonambulanz und die Volkshochschule untergebracht sind, gehört nicht nur der Stadt, sondern auch einer Berliner Immobiliengesellschaft. „Bisher ist es für Gespräche noch zu früh”, sagt die Dezernentin, doch sei aus Berlin bereits mehrfach signalisiert worden, dass man Interesse habe zu verkaufen.

Bleibt die Frage nach der Zukunft: Was soll anstelle des Bushofs in bester Innenstadtlage entstehen? Mehrfach wurde darüber in der Vergangenheit schon spekuliert, die Vorschläge reichten von der Markthalle übers Hotel bis zum Kulturprojekt. „Wir würden dann wohl einen kleineren Ideenwettbewerb veranstalten”, sagt Nacken. Klar ist nur eines: Ein großer und wichtiger Schritt für die bauliche Entwicklung Aachens soll es bestimmt wieder werden. So wie vor 38 Jahren. Nur ganz anders.
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