Aachen - Besuchsdienst für Eltern mit Neugeborenen: mehr als eine nette Geste

Besuchsdienst für Eltern mit Neugeborenen: mehr als eine nette Geste

Von: Laura Kingston
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Sie sieht hunderte Babys in Aachen: Elisabeth Falk-Maicher vom Besuchsdienst für Neugeborene der Stadt Aachen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. In den letzten zweieinhalb Jahren hat sie 553 Babys gesehen. Eine Bilanz, die sonst nur Hebammen und Ärzte haben. Elisabeth Falk-Maicher arbeitet aber für kein Krankenhaus, sondern für die Stadt Aachen – im Besuchsdienst für Eltern mit Neugeborenen („Positiv aufwachsen in Aachen“), über den der Kinder- und Jugendausschuss des Rates am Dienstag, 17. September, spricht (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße).

Die Sozialarbeiterin versucht Probleme zu beheben, bevor sie entstehen, indem sie jungen Eltern ihre Hilfe und Unterstützung anbietet. Das eine oder andere Geschenk darf bei ihrem Besuch aber auch nicht fehlen.

Unter einem Besuchsdienst für Neugeborene kann man sich von der Gratulation bis zur Babyparty alles vorstellen. Was genau macht Ihre Arbeit bei den jungen Eltern aus?

Falk-Maicher: Erst einmal vereinbare ich einen Termin mit den Familien. Und wenn ich dann vor Ort bin, habe ich mein Babybegrüßungs-Paket dabei. Das besteht aus ein paar kleinen Geschenken für das Baby – sinnvolle Geschenke wie ein Lätzchen oder ein Fieberthermometer. Und was ganz wesentlich ist: der Elternbegleitordner. Das ist eine Infomappe mit allen wichtigen Informationen zu finanziellen Dingen, zur Babybetreuung, Beratungsstellen, Eltern-Kind-Gruppen und, und, und. Außerdem sind Gutscheine drin und eine Notfallnummernliste. So müssen sich Eltern nicht mehr alles selbst zusammensuchen.

Was ist der Besuchsdienst noch, außer einer netten Geste für frisch gebackene Mütter?

Falk-Maicher: Es ist eine Präventionsmaßnahme. Weil zum einen viele Eltern nicht wissen, was es für Möglichkeiten in der Beratung und der Hilfe in dieser Stadt gibt. Zum anderen sehen meine Kollegin, Gisela Engelhardt, und ich von Anfang an, wo Beratungsbedarf besteht. Denn wenn man eine Familie zu einem frühen Zeitpunkt kennenlernt und sieht, da ist Unterstützungsbedarf, dann kann man direkt Beratung anbieten. Und dadurch beugt man ja einem größeren Problem vor. Das ist es, worum es bei unserer Arbeit geht: der Präventionsgedanke.

Das klingt doch ein wenig nach Inspektion. Gibt es Familien, die Ihr Angebot ablehnen, weil sie sich von Ihnen kontrolliert vorkommen?

Falk-Maicher: Der Besuch ist ein freiwillige Maßnahme und keine Kontrolle. Natürlich gibt es Eltern, die sagen „Ich möchte das nicht“. Das ist aber ein ganz geringer Anteil. Manchmal sind Eltern einfach verunsichert, wenn sie einen Brief vom Jugendamt bekommen und denken, sie wurden vielleicht von jemandem gemeldet. Das Jugendamt hat eben immer noch diesen abschreckenden Charakter. Aber wenn ich ihnen dann erkläre, dass der Besuch ein Service und ein Geschenk der Stadt ist, dann freuen sie sich in der Regel und nehmen das Angebot an.

Sie besuchen junge Familien seit April 2011. Haben Sie bei all diesen Besuchen auch schon einmal negative Erfahrungen gemacht?

Falk-Maicher: Ich habe noch keine negativen Erfahrungen in dem Sinne gemacht, dass ich nicht reingelassen wurde. Das ist noch nie passiert. Aber es ist schon vorgekommen, dass ich jungen Müttern begegnet bin, die gerade in einer Notsituation waren. Bei einer Mutter von vier kleinen Kindern musste ein Kind ins Krankenhaus, was sie verständlicherweise sehr aufgebracht hat – sie musste Betreuung organisieren, die Tasche des kleinen Jungen packen und los zum Klinikum. Ich bin dann erst einmal da geblieben und habe sie unterstützt, bis dann die Betreuungssituation klar war.

Mütter, die überfordert sind, treffen Sie bestimmt häufiger. Was raten Sie ihnen?

Falk-Maicher: Ich rate ihnen, Unterstützung anzunehmen. Wie diese Unterstützung aussehen soll, überlege ich mit den Müttern gemeinsam. So kann es bei der einen Familie eine professionelle Hilfe sein, bei der anderen Unterstützung durch Ehrenamtliche wie zum Beispiel die Familienpaten oder „Wellcome“, oder es kann die Anbindung an einen Eltern-Kind-Kurs sein. Es gibt etliche Möglichkeiten, die dabei helfen, Eltern in ihrer Rolle zu stärken. Was ganz wichtig für alle Eltern ist: Isolation vermeiden und Kontakte knüpfen. Bei meinen Besuchen weise ich immer auf Angebote wie Eltern-Kind-Gruppen und Müttergruppen hin. Ich biete auch gerne an, die Eltern das erste Mal zu einer Gruppenstunde zu begleiten, wenn jemand ganz schüchtern ist.

Bisher gibt es das Angebot nur in Haaren, Verlautenheide und Aachen-Nord. Warum nicht auch für andere Gebiete?

Falk-Maicher: Eine Ausweitung auf andere Gebiete ist natürlich mit mehr Personal und so auch mit mehr Kosten verbunden. Es wird trotzdem überlegt, wie man eine Ausweitung schaffen kann, weil das Kinderschutzgesetz besagt, dass der örtliche Träger der Jugendhilfe Eltern und werdenden Eltern Informationen über die Entwicklung des Kindes und Hilfe- und Beratungsmöglichkeiten anbieten soll.

Wenn im Kinder und Jugendausschuss dann der Entwurf zum Besuchsdienst im Jahr 2014 vorliegt, wird er auch weiterhin mit Ihnen ausgeführt?

Falk-Maicher: Ich wünsche mir das sehr!

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