Aachen - Besuch in Kostroma: Ein Aachener Sommermärchen an der Wolga

Besuch in Kostroma: Ein Aachener Sommermärchen an der Wolga

Von: Nina Krüsmann
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Der Feuerwehrturm ist das Wahrzeichen von Kostroma. Foto: Nina Krüsmann
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Kostroma liegt rund 400 Kilometer von der russischen Hauptstadt Moskau entfernt. Aachens Partnerstadt hat rund 268.000 Einwohner. Sie gilt als eine der architektonisch reizvollsten Städte Russlands. Die Handelsreihen sind im 18. Jahrhundert entstanden und beherbergen auch heute noch diverse Geschäfte und Marktbuden. Foto: Nina Krüsmann
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Beeindruckendes Erlebnis: In Russland geht die Delegation des Aachener Vereins auch auf Tuchfühlung mit Raubvögeln. Foto: Nina Krüsmann
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Wjatscheslaw Reich vom Städtepartnerschaftsverein freut sich über den Besuch aus der Partnerstadt Aachen. Foto: Nina Krüsmann
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Dürfen bei einem Aufenthalt in Russland nicht fehlen: Natalia Schibajeva backt die berühmten Blinis für ihre Gäste. Foto: Nina Krüsmann

Aachen. Zu erfahren, wie herzliche Gastfreundschaft jede Sprachbarriere vergessen lässt, das ist eine Reise wert: In diesem Sommer erlebte eine Aachener Gruppe vom Städtepartnerschaftsverein Aachen-Kostroma eine spannende Zeit in Aachens russischer Partnerstadt Kostroma.

Landschaftlich reizvoll gelegen am Goldenen Ring und rund 400 Kilometer von der Hauptstadt Moskau entfernt ist Kostroma geradezu idyllisch. Seit 2005 besteht die offiziell besiegelte freundschaftliche Verbindung beider Städte, die in Aachen vom Verein Aachen-Kostroma e. V. – Verein zur Förderung der Partnerschaft und Freundschaft unter Vorsitz von Annelore Einmahl vorangetrieben wird.

Beide Städte haben viele Gemeinsamkeiten: Eine vergleichbare Stadtgröße, glorreiche Zeiten in der Textilindustrie – und wechselhaftes Wetter. Beim Eintreffen der Aachener in Kostroma zeigt sich das Wetter eher von seiner schlechten Seite. Und das mitten im Sommer. Aber echte Öcher haben ihren Regenschirm zur Hand und lassen sich davon die gute Laune nicht nehmen.

Herzlich und freundschaftlich ist der Empfang, bei dem sich viele alte Bekannte wiedertreffen. Über die Jahre haben sich viele enge Kontakte und sogar Freundschaften zwischen den Aachenern und den Russen gebildet.

Russen kümmern sich rührend

Diesmal sind auch einige neue Interessierte dabei. Russisch kann noch längst nicht jeder. „Die Städtepartnerschaft ist hilfreich, gerade in Russland, wo man große Kommunikationsprobleme hat, wenn man der russischen Sprache nicht mächtig ist“, erklärt Annelore Einmahl. Sie hat einen sehr guten Draht zu einigen Deutschlehrerinnen vom Kolleg und der Universität in Kostroma.

Eine von ihnen ist Natalia Schibajeva, die nebenbei als Stadtführerin arbeitet und sich als Gastmutter rührend um ihren Besuch aus Aachen kümmert. „Das Herzstück der Städtepartnerschaft sind solche Aufenthalte in den russischen Gastfamilien und Gegenbesuche in Aachen. Dabei lernt man das russische Alltagsleben wirklich kennen, erfährt etwas über die Gewohnheiten und die Kultur“, erklärt Einmahl.

Natalia Schibajeva wohnt, wie in Kostroma typisch, in einem Plattenbau am Stadtrand. Von außen völlig unscheinbar ist ihre Wohnung innen klein, aber fein und urgemütlich. Zum Frühstück serviert sie landestypische Köstlichkeiten, stellt den Tisch voll mit Blinis, den in Russland sehr beliebten Pfannkuchen. Dazu gibt es selbst eingekochte Himbeeren aus der Datscha, dem Wochenend- und Ferienhaus der Familie Schibajeva. „Und natürlich Kaviar!“, sagt die Gastmutter lachend. Wenn Besuch kommt, wird nicht gespart.

Unverzichtbare Dolmetscherin

Unverzichtbar aber ist Natalia Petrona als Dolmetscherin, die ihre Gäste durch den Dschungel von kyrillischen Schriftzeichen führt, Wissenswertes zur Stadtgeschichte erklärt und bei Gesprächen mit den Einwohnern übersetzt. Man könnte sich sonst kaum verständigen. Im Vergleich zur Metropole Moskau gibt es in Kostroma gar keine Übersetzungen in englischer Sprache, weder auf der Straße, noch bei den Sehenswürdigkeiten und Museen. Und selbst junge Leute sprechen kaum Englisch.

Am zweiten Tag lädt der Bürgermeister von Kostroma, Juri Shurin, zur offiziellen Begrüßung ins Rathaus ein. Shurin freute sich über einen Gruß aus Aachen: Printen und Karnevalsorden vom Festausschuss Aachener Karneval. Und auf die Vorbereitungen zum 15-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit einer Ausstellung in Aachen im Jahr 2020. „Und vielleicht wird bald die zweite deutsch-russische Ehe gestiftet“, schmunzelte er angesichts der von der Städtefreundschaft beflügelten Liebe zwischen Tatiana Podvetelnikova und Peter Küppers.

Die Bibliothekarin aus Kostroma und der Schatzmeister des Aachener Städtepartnerschaftsvereins haben sich bei den Ausstellungsvorbereitungen zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft kennengelernt und vor einem Jahr in Aachen geheiratet.

Eine Führung im Museum der Geschichte der Region Kostroma und im wunderschönen Hypathios-Kloster schließen sich am Nachmittag an.

Im ökologisch-biologischen Zentrum „Sledowo“ ist die Freude am dritten Tag besonders groß: Die „Aachen-Tanne“, die hier vor Jahren gemeinsam angepflanzt wurde, ist prächtig gediehen. Bei einer Stadtführung erklärt Natalia Schibajeva anschließend, dass der Feuerwehrturm das Wahrzeichen der Stadt ist. Eine Führung durch das Museum der Geschichte der Region Kostroma, durch das militärhistorische Museum in der ehemaligen Hauptwache und das Romanov Museum geben den Gästen weitere Eindrücke der reichen Geschichte der Partnerstadt.

Bei so viel Kultur darf Abwechslung nicht fehlen. Mit ihren Gästen und alten Freunden unternimmt Natalia Schibajeva einen Ausflug auf ihre Datscha. Per Fähre geht es auf dem Wasserweg der Wolga entlang zum Wochenendhaus. Mit Gummistiefeln geht es durch die Sumpflandschaft in die gute Stube, wo – natürlich – Blinis serviert werden. Diesmal mit echter Aachener Konfitüre.

Das Treffen in der Bibliothek der Region Kostroma mit Deutschlehrerinnen aus Kostroma, Russlanddeutschen und Deutsch-Schülern liegt natürlich Tatiana Podvetelnikova besonders am Herzen. In diesen Sommerferien bringen sie und ihr Ehemann Peter Küppers wieder eine Studentin aus Kostroma bei sich im Haus unter, die für vier Wochen Aachen besucht. Alexandra Shmuradko ist 21 Jahre alt und freut sich, die Partnerstadt kennenzulernen und vor allem ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Bereits im vergangenen Jahr hatte Marina Schaposchnikow diese Chance für sich genutzt.

Weihnachten im Sommer

Beim Abschiedsessen im Restaurant des Hotels „Snegurotschka“ überraschte der Vorsitzende vom Partnerschaftsverein Kostroma-Aachen, Wjatscheslaw Reich, die Aachener Gäste mit einem Besuch des Schneemädchens Snegurotschka. Sie ist eine russische Märchengestalt und heute vor allem bekannt als Begleiterin von Väterchen Frost in der Neujahrsnacht, wenn dieser den russischen Kindern Geschenke bringt. Und so erlebten die Aachener kurz vor der mehr als zwölfstündigen Rückreise noch eine Mischung aus Weihnachten und Neujahr – mitten im Sommer und verbunden mit einem herzlichen Miteinander mit den russischen Freunden.

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