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Besuch im Museum: Alles andere als eine laue Nacht

Von: kaa
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Museum auch einmal anders erfahren: Im Ludwig Forum darf der Besucher auch im Kunstwerk Platz nehmen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Einen Abend im Museum verbringen? Auf den ersten Blick nicht die beste Idee an einem Tag, der mit sommerlichen Temperaturen eigentlich Freizeitvergnügen im Park oder im Straßencafé verspricht. Doch wenn die „Lange Nacht der Museen“ ansteht, ist die Witterung nicht erstes Argument bei der Wochenendplanung.

Von 18 bis 2 Uhr hatten Besucher Gelegenheit, Ausstellungen zu besuchen und die besonderen Aktionen zu bewundern, die sich die teilnehmenden Museen hatten einfallen lassen – und viele Aachener nutzten die Gelegenheit zu einer Rundreise der besonderen Art.

Im Innenhof des Ludwig Forums hatte man für eine gemütliche Lounge-Atmosphäre mit Liegestühlen und kühlen Getränken gesorgt. Graffiti-Künstler Lake13, mit bürgerlichem Namen Lars Kessler, freute sich jedenfalls darüber, dass er seine Aktion bei schönem Wetter und vor Publikum durchführen konnte. Im Laufe des Abends besprühte er einen alten VW-Bus. „Die Initiatoren des Ludwig Forums haben früh Graffiti-Künstler gesammelt und Graffiti als Kunstform erkannt und geschätzt. Diese Aktion hier ist eine Art Fortführung. Sie gibt mir auch Gelegenheit zu zeigen, dass Graffiti mehr ist als Schmiererei.“ Kreativ werden konnten auch Kinder und Jugendliche bei der Siebdruck-Aktion „Copy + Paste“ und der Malwerkstatt „Make it real!“. Im Space des Forums bot die Tanzcompagnie T‘tange Einblicke in ihr Programm „Blickwinkel“.

Die Aktion „Kunst im Dialog“ bot Besuchern Gelegenheit, Kunststudierenden und Kunstvermittlern Fragen zu den Kunstwerken zu stellen. Zwischendurch sorgten kurzen Auftritte des „Do-Theatres“ für überraschende Momente.

Genau diese provozierte auch die Künstlerin Walburga Pauels mit ihrer mehrstündigen Performance „Cutis Chrysalis“. Die Wahlberlinerin mit Aachener Wurzeln schuf für ihre Aktion die heilige Familie. Lebensgroße Figuren aus Baumwollgeflecht und Leim, die sie in mehreren Stationen über das Couven-Museum ins Ludwig Forum transportierte. Am Couven-Museum begann die Aktion, bei der die Künstlerin zunächst „Sohn“ und „Tochter“ der Familie präsentierte. Im Festsaal des Museums spiegelte sie mit den Figuren die Familienszene, indem sie die Figuren das große Porträt, das eine ländliche Idylle zeigt, betrachten ließ. Staunend und ein wenig befremdet verfolgten die Besucher diese Performance.

Die Künstlerin selbst, in ein weißes Brautkleid gekleidet und das Gesicht mit Tüchern verhüllt, präsentierte ihre Performance stumm, ist unterwegs aber für Fragen der Passanten offen. Der Schmetterling vor ihrem Mund symbolisiere das geschlüpfte Wesen, die erwachsene Frau und bilde damit den Kontrast zur „Tochter“, die diesen Weg noch vor sich habe, erklärte sie bei ihrer ersten Station.

Auch selbst zum Kunstwerk werden konnte man im Suermondt-Ludwig-Museum: bei der Aktion „Moving Colors“ der Foto- und Bodyart-Künstlerin Claire Balke. Besucher konnten vor einem projizierten Lichtbild posieren und sich fotografieren lassen. Die belgische Sopranistin Victoria Kloos de Haas verwandelte das Treppenhaus in einen Konzertsaal und präsentierte in ihrem Programm „Delicatesses“ Werke von Debussy, Verdi und Gounot. Anfangs skeptisch, ist sie hellauf begeistert. „Dieser Ort ist wie geschaffen für Musik. Solche Veranstaltungen sollten hier öfter stattfinden.“

Das fand im übrigen auch das Publikum. Gut angenommen wurden auch die Erzählungen von Adam C. Oellers, der kurzweilig Historisches und Kurioses aus dem Museumsalltag zum Besten gab.

Kabarett und Musik gab es im Internationalen Zeitungsmuseum. Gerhard Horriar stellte „Zeitungskuriositäten“ aus Tageszeitungen vor. Und der Bielefelder Gitarrist Richie Arndt entführte sein Publikum in seiner musikalischen Lesung „Train Stories“ unter anderem in die Vereinigten Staaten, wo er den Spuren des Blues und Jazz nachging.

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