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Bestürzung über Nazi-Attacke auf Synagoge

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Tatort Synagogenplatz: In der Nacht zum Montag wurde das jüdische Gotteshaus mit einem Hakenkreuz beschmiert. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Angelegenheit ist ein Fall für den Staatsschutz, aber beileibe nicht nur: Denn die Attacke auf die Aachener Synagoge, bei der das jüdische Gotteshaus in der Nacht zum Montag mit einem großen Hakenkreuz und - so die Polizei - „weiteren verfassungsfeindlichen Symbolen” beschmiert worden ist, hat offensichtlich eine neue Qualität.

War schon im Sommer vergangenen Jahres die Empörung groß, als eine Außenmauer des jüdischen Friedhofs an der Lütticher Straße großflächig mit Nazi-Parolen verunstaltet worden war, so trifft es nun das Symbol für den jüdischen Glauben in Aachen schlechthin - die 1995 wiedererbaute und der Jüdischen Gemeinde seinerzeit feierlich übergebene Synagoge im Herzen der Stadt.

Und es trifft sie zum ersten Mal überhaupt: Bislang hatten eine starke und regelmäßige Polizeipräsenz am Synagogenplatz und nicht zuletzt die Videoüberwachung das Gebäude und seine Fassaden effektiv geschützt.

Seit Montag ist das anders, was Dr. Robert Neugröschel, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, mit einem Kopfschütteln quittiert: „Ich bin erstaunt darüber, dass jemand dieses Risiko in Kauf nimmt.” Die Videobänder habe man jedenfalls sofort der Polizei übergeben.

Der Übergriff auf die Synagoge mache ihn zwar „traurig und bestürzt”, sagt Neugröschel. „Aber ich möchte das Ganze auch nicht überbewerten.” Man gehe davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handele und die Tat nicht Ausdruck einer großen Bewegung sei: „Wir glauben immer noch lieber an die guten und nicht an die schlechten Menschen.”

Bei der Polizei ist das naturgemäß anders, zumal man in jüngster Zeit einen deutlichen Anstieg rechtsradikaler Schmierereien und Sachbeschädigungen registriert, wie Paul Kemen betont. Der Polizeisprecher denkt an diverse Fälle in Stolberg, in Alsdorf und auch in Aachen und spricht von einer „starken Konzentration in der Städteregion in den letzten Wochen”.

Das Problem der Ermittler: Trotz vieler Fälle gibt es kaum Hinweise. Kemen appelliert deshalb an mögliche Zeugen, sich immer sofort bei der Polizei zu melden: „Im Zeitalter der Handys muss keiner den Helden spielen, sondern kann sofort die 110 wählen.”

„Tieftraurig” über die Nazi-Attacke auf die Synagoge zeigt sich auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp: „Offenbar ist die Hemmschwelle weiter gesunken.” Für ihn verdeutliche die Tat einmal mehr, dass man nicht nachlassen dürfe im Kampf gegen Rechtsradikale. Zwar gebe es dafür in der Städteregion einen breiten gesellschaftlichen Konsens. „Aber wahrscheinlich müssen wir noch aktiver werden”, sagt Philipp.
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